Herzogenrath/Nordkreis - Obstbaumwarte klären Verbraucher auf

Obstbaumwarte klären Verbraucher auf

Von: Yannick Longerich
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Obstbaumwiesen müssen von Obstbaumwarten professionell gepflegt werden. Eine Menge Arbeit – das unerlaubte Pflücken von Früchten stellt die Besitzer und Pfleger vor Probleme. Foto: Yannick Longerich

Herzogenrath/Nordkreis. Auch wenn Philipp Elsässer seit stolzen 35 Jahren in Herzogenrath lebt, die Liebe zur Natur ist in seiner Heimat im Spessart gekeimt. Üppige Obstwiesen, Bienenstöcke und Nutzvieh hatte Elsässer seit frühesten Kindertagen um sich. Dass er sich 2015 zum „Obstbaumwart“ der Städteregion ausbilden ließ, ist daher nicht verwunderlich.

Die Biologische Station der Städteregion Aachen e.V. hat im Zuge des LVR-Projektes „Netzwerke der Obstbaumwarte und Streuobstwiesen“ im Zeitraum von 2013 bis 2016 70 neue Warte ehrenamtlich ausgebildet.

Um den Erhalt der Bäume und die Nutzung des Obstes zu gewährleisten, sind regelmäßige Maßnahmen wie Schnittarbeiten, Mahd, Beweidung, Ernte und anderes notwendig. Insbesondere in Herzogenrath ist der Bedarf groß, da in den letzten Jahren viele neue Streuobstwiesen angelegt und erweitert wurden.

Auch Obstbaumwartin Elisabeth Schoenen ist mit der Materie seit Jahrzehnten vertraut. Die leidenschaftliche Pferdehalterin kam einst durch ein Praktikum mit der Bio-Station in Kontakt. „Durch den Baumwartkurs habe ich mein Wissen immens erweitert. Seitdem kümmere ich mich nicht nur um die Bäume auf der Koppel, sondern kann mein Wissen mit der gesamten Region teilen“, erzählte sie. Besonders stolz ist Schoenen, dass sie von alten Bäumen Ableger heranziehen konnte.

2015 haben Schoenen und Elsässer die einjährige Ausbildung gemeinsam abgeschlossen. Vorkenntnisse waren bei den Teilnehmer nicht zwingend erforderlich und doch trug die Vielfalt an mitgebrachten Erfahrungsschätzen zu einem zusätzlichen Lerneffekt der Gruppe bei. „Auch die Ausbilder profitierten davon, Fachkenntnisse in der Viehzucht oder in der Landwirtschaft flossen beim gemeinsamen Lernen mit ein“, erinnerte sich Elsässer.

Ein Großteil des „2015er Jahrgangs“ ist am Ball geblieben. Es hat sich ein richtiges Netzwerk unter den Obstbaumwarten eingestellt, jeder steht den Kollegen mit Rat und Tat zur Seite. „Keiner von uns kann ein Profi auf allen Ebenen sein. Wenn jemand sehr erfahren beispielsweise bei Schnittarbeiten ist, wird dessen Hilfe gesucht. Im Umkehrschluss wird ihm dann bei anderen Sachen geholfen“, erzählte Schoenen.

Mit rund 190 Kursabsolventen seit 2009 sieht die Biologische Station die Städteregion gut aufgestellt für die kommenden Jahre. Erneute Ausbildungsangebote seien laut Christoph Vanberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Station, momentan nicht geplant. Für nahezu jede Kommune konnte bislang ein Baumwart ausgebildet werden.

Ihr erlerntes Wissen rund um die zahlreichen Obstwiesen in und um Herzogenrath wollen Schoenen und Elsässer natürlich nicht nur für sich behalten. In vielen Disziplinen können die beiden Interessierte anlernen und beraten. „Die Schädlingsbekämpfung, aber auch Möglichkeiten zur Förderung von Nützlingen stehen bei Nachfragen an oberster Stelle“, erklärte Elsässer. Noch vor wenigen Jahren war das Übermaß von solchen Anfragen ein echtes Problem an der Biologischen Station. Mittlerweile ist die Aufklärung auf viele Schultern verteilt.

Elisabeth Schoenen hat über die praktische Arbeit auch ihre Sammelleidenschaft entdeckt. Seit geraumer Zeit sammelt sie alte Rezepte, welche sich spezifisch auf alte Obstsorten berufen. Arten wie die „Münsterbirne“ oder die lokale „Beggendorfer Mehlbirne“ dürften den wenigstens noch ein Begriff sein. „Viele Leute wissen gar nicht, welche Sorten sie im Supermarkt kaufen. Teilweise werden diese dann auch viel zu früh gegessen“, erläuterte Schoenen. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit wolle sie den Leuten die Vielfalt der verschiedenen Obstsorten wieder schmackhaft machen.

Philipp Elsässer fügte hinzu, dass Äpfel beispielsweise immer zum idealen Reifezeitpunkt im Laden lägen. Für den Einzelhandel sei eine Lagerung des Obstes zu aufwendig. Diese „Erntereife“ ist aber in den seltensten Fällen identisch mit der „Verzehrreife“, der Geschmack bleibe da zwangsläufig auf der Strecke. Lagersorten wie der „Boskopp-Apfel“ ruhten seit September in seinem Keller, ehe das Obst im April reif zum Verzehr wurde.

Zur Erntezeit im Herbst häufen sich bei Schoenen und Elsässer die Verkaufsanfragen. Eigentlich haben die beiden laut Elsässer aber in erster Linie einen „Missionierungsauftrag“, damit das Obst „fach- und zeitgerecht“ verzehrt werden kann. Frisch gepresster Saft aus den gepflügten Obstsorten sei schon fast ein Affront, die Sortenvielfalt sei viel zu schade für einen „Einheitsbrei“.

„Freie Bedienung“ auf der Obstwiese ganz ohne Nachfrage stellt jedoch nicht nur die beiden Herzogenrather vor große Probleme. Durch die massenhafte Anlegung von Streuobstwiesen durch die Kommune seien viele Areale in schlechtem Zustand und dementsprechend ungesichert. Bei einigen Mitbürgern habe sich daher der Eindruck eingestellt, jede Obstwiese stehe frei zur kostenlosen Selbstbedienung.

„Anfragen zum Kauf von Obst von unseren Bäumen beantworten wir sehr gerne, aber auch hier müssen Regeln gelten. Durch heimliches Pflücken können große Schäden an den Bäumen entstehen.

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