Oberstudiendirektorin zu Gast beim „Würselener Treff“

Von: ro
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Kurzweiliger Abend mit der Oberstudiendirektorin Lydia Becker-Jax (Mitte) bei der Senioren-Union: (v.l.) Vize-Vorsitzender Hans Peter Drabent, Moderator Rolf Rüland, Vorsitzender Harald Gerling und Musiker Christoph Birken. Foto: Markus Roß

Würselen. Die Würselener Senioren-Union hatte bei der Gesprächsreihe „Würselener Treff“ schon immer ein gutes Händchen bei der Auswahl interessanter, sympathischer und spannender Gäste. Bei der sechsten Auflage dieses Formats im Alten Rathaus war erstmalig eine Frau zu Gast: die Schulleiterin des Gymnasiums der Stadt Würselen, Lydia Becker-Jax.

Die Oberstudiendirektorin leitet seit sechs Jahren das Gymnasium mit fast 900 Schülern und einem Kollegium von über 90 Lehrkräften. Die Zuhörer erfuhren dank eines sehr offen geführten, kurzweiligen Interviews unter der Moderation von Rolf Rüland sehr viel über ihren beruflichen Werdegang, ihren Weg nach Würselen und ihre größten Wünsche und Hoffnungen.

Dabei ging es nicht nur um das Thema Schule, auch viel Persönliches kam zur Sprache. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Würselener Musiker, Songwriter und Pädagogen am Gymnasium der Stadt Würselen, Christoph Birken. Mit „Meine Zeit“ brachte er unter anderen ein altes Stück aus seinem Repertoire zu Gehör, die anderen drei („Guten Tag!“, Gutmensch“ und „Und außerdem“) waren bisher unveröffentlichte Lieder, die auf seinem nächsten Album „Endlich!“ zu hören sein werden, das 2018 fertig sein soll.

Seit elf Jahren lebt Lydia Becker-Jax, eine gebürtige Moselanerin, mit ihrem Mann in Würselen. Der im Raum Aachen eher ungewöhnliche Name ihres Mannes stammt übrigens aus dem Hünsrück mit weiteren Wurzeln in Lothringen. In den USA sei der Name Jax heute noch sehr verbreitet, da Ende des 19. Jahrhunderts viele Menschen mit dem Namen Jax dorthin auswanderten. Die 62 Jahre alte Oberstudiendirektorin wuchs an der Mosel auf, genauer gesagt im Herzen von Trier, unweit der Porta Nigra.

Nach dem Abitur – damals übrigens auch schon nach acht Jahren – wollte sie so schnell wie möglich „von Zuhause weg“. Um nicht in Trier studieren zu müssen, suchte sie Studienfächer, die man in Trier nicht studieren konnte. Und so kam Aachen ins Spiel. In der Kaiserstadt begann Lydia Becker-Jax ihr Studium in den Fächern Pädagogik und Englisch. „Englisch fiel hier jedoch stark ab, deshalb wechselte ich das zweite Fach und studierte Sozialwissenschaft. Für mich war sofort aber ganz klar: Ich will Lehrerin werden!“. Und diese Entscheidung hat sie bis heute nicht bereut.

Auf die Frage von Rolf Rüland, selbst Lehrer, ob sie den Beruf wieder ergreifen würde, kommt ein „Ja“ mit drei Ausrufezeichen. Lydia Becker-Jax: „Seit 1979 bin ich an Schulen, den Beruf würde ich immer wieder ergreifen, ich arbeite sehr gerne mit Kindern und Jugendlichen – er ist so vielfältig und spannend. Lehrerin ist ein toller Beruf – Schulleiterin auch, aber ganz anders.“ Besonders das Fach Sozialwissenschaft sei immer sehr abwechslungsreich.

Dass ihr beruflicher Weg einmal zum Gymnasium Würselen führen sollte – dies hätte sie allerdings nicht gedacht. 25 Jahre lebte die Familie Becker-Jax in Kohlscheid, seit elf Jahren leben die Eheleute –nachdem die Kinder aus dem Haus sind – in Würselen, genauer gesagt in Scherberg. „In Würselen fühlen wir uns sehr wohl, wir genießen die Nachbarschaft mit Freunden.“ Dass sie aber seit sechs Jahren zu Fuß zu ihrer Schule gehen kann – dies sah die Lebensplanung so nicht vor.

21 Jahre lang wirkte die Pädagogin am St. Leonhard Gymnasium in Aachen. Dabei interessiert sie sich in ihrem ganzen Berufsleben schon sehr für die Entwicklung der Schullandschaft. Vor knapp zwei Jahrzehnten suchte sie eine neue berufliche Herausforderung, ein „neues Abenteuer“: Sie wechselte zur damals neugegründeten Maria-Montessori-Gesamtschule in Aachen. Das Konzept der Montessori-Ausbildung als Schule für alle Kinder findet sie sehr gut.

Doch wie kommt sie nach Würselen? „Im Alter von 56 hat es mich gereizt, neue Aufgaben zu übernehmen.“ Sie startete eine Fortbildung zum Schulmanagement, aber nicht mit dem Ziel, einmal die Leitung einer Schule zu übernehmen – vielmehr zog es sie ins Ausland. Rio de Janeiro, Neu Delhi und zuletzt die Deutsche Schule in Helsinki waren ihre „Favoriten“, sagte Frau Becker-Jax.

Zeitgleich wurde am Gymnasium Würselen nach dem Abschied von Günther Sonnen eine neue Schulleitung gesucht – sie schickte kurzerhand ihre Bewerbung ab. „Der Gedanke hat mich schon beschäftigt“, sagte sie. „Ich hatte ein gutes Bild vom Gymnasium Würselen, auch schon ohne die Schule genau zu kennen“. Freundschaftliche Kontakte gab es aber seit vielen Jahren zum Mathematik- und Physiklehrer und langjährigen Chorleiter Bernhard Wiesemann.

Zum Gespräch mit dem Schuldezernenten fuhr sie mit der Erwartung, ins Ausland nach Finnland zu gehen – der Dezernent überzeugte sie aber schnell vom Gymnasium Würselen. Heute ist sie Schulleiterin des Gymnasiums mit Leib und Seele. Lydia Becker-Jax: „Diese Entscheidung hat mir noch keine Minute leidgetan! Ich fühle mich hier in Würselen so richtig wohl.“ Und zwar beruflich wie privat. Becker-Jax: „Die Träume von der weiten Welt kann ich mir ja noch nach meiner Pensionierung erfüllen.“

Gefragt, welchen Wunsch sie sich erfüllen würde, wenn sie zaubern könnte? „Ein schönes, modernes Schulgebäude, das dem Innenleben des Gymnasiums, das dem modernen zukunftsweisenden Ansatz der Schule entspricht.“ Die derzeitige Infrastruktur eines 50 Jahre alten Gebäudes entspreche nicht mehr dem, was Schule braucht. „Dies ist sehr traurig für Schüler, Eltern und Lehrer“, manche seien gar frustriert, weil sich schon so lange nichts tut. Wichtig seien die Perspektiven: „Ich hoffe sehr, dass wir in zwei bis drei Jahren ein modernes Gebäude haben werden!“

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