Herzogenrath - Oberstes Ziel: die Kirche im Dorf lassen

Oberstes Ziel: die Kirche im Dorf lassen

Von: Beatrix Oprée
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Sparen und dennoch die Türen öffnen: Pfarrer Michael Datené regt zum Denkprozess über den Fortbestand der Kirchen St. Mariä Heimsuchung in Kämpchen und St. Mariä Verkündigung in Bank an.

Herzogenrath. Folgen nach der evangelischen Kirche in Ofden in absehbarer Zeit die nächsten Gotteshäuser im Nordkreis, die geschlossen werden müssen? Die Funktionsträger in der Kohlscheider Pfarrei Christus unser Friede wollen alles tun, damit dies nicht geschieht. Dennoch haben sie – „schweren Herzens“ – zwei Kirchen auf die „rote Liste“ setzen müssen: St. Mariä Verkündigung in Bank und St. Mariä Heimsuchung in Kämpchen.

Will heißen: Für die Instandhaltung dieser beiden Kirchen wird es in Zukunft keine Bezuschussung seitens des Bischofs mehr geben, wird die Pfarrei hierfür ganz alleine aufkommen müssen. Hintergrund ist die große Umstrukturierung des Bistums Aachen, das – hauptsächlich aufgrund schwindender Kirchensteuerzahler – einen Konsolidierungskurs steuern muss. Unter anderem wurde dabei der Etat für den Unterhalt der kirchlich genutzten Immobilien um ein Drittel auf rund 11 Millionen Euro heruntergefahren.

Um ein Drittel gekürzt

Für die angegliederten Pfarreien und Gemeinschaften der Gemeinden bedeutet dies: Sie müssen ihrerseits ausweisen, wo sie auf 33 Prozent der Zuschüsse verzichten wollen bzw. können. Die im Januar 2010 zur Pfarrei Christus unser Friede fusionierten fünf Kohlscheider Gemeinden verfügen insgesamt über 16 pastoral genutzte Gebäude und Räume.

Deren Bestandsaufnahme durch Gutachter der Bamberger Joseph-Stiftung sei „sehr positiv“ ausgefallen, wie Pastor Michael Datené und Willi Brosius, Koordinator in der Verwaltung, im Gespräch mit unserer Zeitung darlegen. Allenfalls eine Dachrinne, eine Heizungsanlage oder ein Mangel an einem Balkon waren beanstandet worden. Basis für die folgende Berechnung des pastoral genutzten Raumbestands wurde dann KIM, das Kirchliche Immobilien-Management. Dieses Instrument soll helfen, die Gebäude gemäß ihrer Nutzung und baulichen Beschaffenheit zu bewerten.

Für das Raumvolumen von Pfarrheimen etwa werden pauschal 2,83 Euro pro Kubikmeter veranschlagt, für Kirchen hingegen je nach Alter 3 respektive 3,30 Euro. Die Erhebung erbrachte einen Rücklagenbedarf in Kohlscheid von insgesamt 150.000 Euro – von denen rund 50.000 Euro künftig ohne finanzielle Hilfe zu stemmen sind oder aber eingespart werden müssen.

Wo jedoch ansetzen, ohne das Leben in den Gemeinden mit seinen Besonderheiten zu gefährden? Mit nur wenigen Gegenstimmen in den Pfarrgremien fand das mittlerweile auch vom Bistum abgesegnete Konzept Billigung, St. Katharina als zentrales und größtes Gotteshaus zu erhalten, ebenfalls die Kirchen an den äußeren Rändern, St. Matthias Berensberg und St. Barbara Pannesheide.

Gemeindebüro in der Sakristei

Zu den beiden nach dem Zweiten Weltkrieg aus rotem Backstein errichteten Marienkirchen auf der „roten Liste“ gesellen sich unterdessen die kleine Hubertuskapelle an der verlängerten Pannesheider Straße, das Gemeindebüro und das Jugendheim in St. Barbara, das ehemalige St.-Katharina-Haus auf dem Kohlscheider Markt Nummer 7, das bereits verkauft worden ist (die Bücherei ist ins Haus Markt 5 umgezogen, das zum Pfarrzentrum wurde), das Gemeindebüro in St. Mariä Verkündigung sowie das Jugendheim und das Gemeindebüro in St. Matthias Berensberg.

Für die Gemeindebüros gibt es probate Lösungen, sie können in kirchennahe Räume, etwa die Sakristeien umziehen (wie es bereits in St. Mariä Verkündigung geschehen wird). Die so freiwerdenden Räume sollen weiter vermietet werden. Auch die Jugendheime lassen sich durch Vermietungen gut wirtschaftlich nutzen.

Wie aber die Unterhaltskosten für einen Kirchenbau decken? Die Möglichkeit der Mehrfachnutzung gelte es auch für diese Räume in Betracht zu ziehen, gegebenenfalls bei Abtrennung des Altarraums. Warum solle eine Kirche nicht auch Stätte für geeignete weltliche Veranstaltungen sein? Auf keinen Fall aber, so versichern Datené und Brosius, seien Konzepte wie eine Kletterhalle, ein Restaurant oder eine Grabeskirche angedacht. „Letztlich aber entscheidet die Gemeinde mit den Füßen, ob die Kirchen erhalten bleiben“, appelliert Pfarrer Datené an die Gemeindemitglieder, die Gotteshäuser deswegen wieder mit Leben zu füllen.

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