Obdachlosenunterkunft Neustraße: Anwohner protestieren gegen Ausbau

Von: Karl Stüber
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Dringend sanierungsbedürftig: Die Obdachlosenunterkunft an der Neustraße in Würselen soll modernisiert und aufgestockt werden. Dies und die geplante Unterbringung von Asylbewerbern in einem noch zu errichtenden Anbau trifft auf Kritik von Anwohnern. Fotos (2): Karl Stüber Foto: Karl Stüber

Würselen. Pläne der Stadt Würselen, die Obdachlosenunterkunft Neustraße 40 auszubauen und in einem Anbau Asylbewerber unterzubringen, sind auf teils heftige Kritik gestoßen. In der Einwohnerfragestunde der Sitzung des Stadtrates in der Mehrzweckhalle Bardenberg mussten sich Politik und Verwaltung harsche Kritik von Anwohnern anhören.

„Verschiedene Kulturen“ mit großem Konfliktpotenzial würden aufeinandertreffen. Verstärkt durch Alkohol. Kein Verständnis wurde für das „Ausmaß“ der Aufstockung der Personenzahl gezeigt, die mit Sanierung und Ausbau des Gebäudes einhergehen sollen. Zudem wurde der Stadtverwaltung vorgeworfen, vorab keine oder nicht ausreichende Rücksprache mit den Nachbarn gehalten zu haben. Die Nachbarn seien schließlich „keine Bürger zweiter Klasse“. Die Rede war gar davon, besondere „Schutzmaßnahmen“ ergreifen zu wollen, wenn die Stadt Würselen ihr Vorhaben realisieren wolle. Ein Beschwerdeführer wollte sich gar einen Hund anschaffen.

Die Nachbarn „mitnehmen“

Bürgermeister Arno Nelles (SPD) suchte die Wogen zu glätten. Es gehe darum, den von Obdachlosigkeit Betroffenen und Asylbewerbern angemessene Wohnverhältnisse zu schaffen. Zugleich suchte Nelles auch, den beschwerdeführenden Anwohnern entgegenzukommen. Ihre Bedenken würden bei den weiteren Planungen berücksichtigt.

Die Proteste, die auch schon im Zuge der die Ratssitzung vorbereitenden Zusammenkunft des Ausschusses für Soziales, Sport und Kultur im Ansatz zu hören waren, blieben nicht ohne Wirkung. Karl-Heinz Pütz (SPD) schlug später bei der Behandlung des eigentlichen Tagesordnungspunktes vor, das Thema auf die nächste Sitzung zu verschieben, um die Zwischenzeit für erneute Bedarfsberechnungen zu nutzen und die „Anwohner mitzunehmen“, also ihre Anmerkungen besser zu berücksichtigen. Allerdings sei es traurig, solche Äußerungen über Menschen zu hören, die Heimat und Familie verloren hätten und hierzulande vertrauensvoll Zuflucht suchten. Dem Vorschlag folgte der Stadtrat.

Sylvia Köhne (CDU) sah es kritisch, psychisch Kranke, Jugendliche und Obdachlose nebeneinander unterzubringen. Ihr fehle das Konzept.

Theo Scherberich (UWG) sagte, man solle Bevölkerungsgruppen nicht gegeneinander ausspielen, mit mehr Sensibilität vorgehen und sich zeitnah mit den Anwohnern in Verbindung setzen. Zudem mahnte Scherberich: „Dezentralisierung bei der Unterbringung trägt mehr zur Akzeptanz bei als Konzentration!“

Dr. Renate Knauf (Grüne) votierte ebenfalls für Vertagung und eine spätere Entscheidung auf Basis einer genaueren Bedarfsanalyse.

Asylunterkünfte aufgegeben

Dagegen wurde das Vorhaben, die ehemalige Albert-Schweitzer-Schule im Helleter Feldchen für eine dauerhafte Unterbringung von Asylbewerbern umzubauen, positiv aufgenommen. Dafür werden nun 150.000 Euro aus dem Eigenanteil der Kommune zum Integrierten Handlungskonzept „Altes Rathaus“ zeitnah aufgebracht. Der Hintergrund für diese Maßnahme: Aus Kostengründen sollen einige angemietete Asylunterkünfte aufgegeben werden. Im Gegenzug soll die alte Schule hergerichtet werden, um dauerhaft 36 Personen unterbringen zu können.

Durch diese Maßnahme und die geplante Erweiterung der Neustraße 40 wären genügend Unterbringungsmöglichkeiten für die derzeit 54 Bewohner der Kaiserstraße 114-188 vorhanden, wenn diese Häuser im Rahmen der Neunutzung des angrenzenden Singergeländes aufgegeben werden müssen.

Die beiden Objekte sind derzeit im Besitz der kommunalen Stadtentwicklungsgesellschaft (SEW). Die Grundstücke, auf denen sie stehen, sollen laut SEW in die Neunutzung der Industriebrache „einfließen“ und dazu dem Investor – falls sich einer findet – angeboten werden.

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