Obdachlosenasyl ist zurzeit nicht zu ersetzen

Von: jk
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Marode und ohne Wärmedämmung
Marode und ohne Wärmedämmung: Die Verwaltung soll ein Sanierungskonzept für das Asyl an der Bierstraße entwickeln. Foto: Stefan Schaum

Herzogenrath. Das Obdachlosenasyl an der Bierstraße hat sich zum Schandfleck entwickelt. Denn der Bau, eine ehemalige Gaststätte mit Diskothek, die von der Stadt 1992 gekauft und zur Notunterkunft umgebaut worden war, ist völlig veraltet und befindet sich in einem schlechten Zustand.

Die Unterkunft wird andererseits aber dringend gebraucht und könne nicht einfach durch ein anderes Gebäude ersetzt werden. 2010 waren hier insgesamt 72 Personen in der Regel in Zeiträumen von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten untergebracht worden. Zurzeit leben hier etwa zwölf Menschen, darunter eine dreiköpfige Familie schon seit mehreren Jahren.

Das Gebäude umfasst zwei Übernachtungszimmer für Männer beziehungsweise Frauen für drei respektive vier Personen, zudem sechs Zimmer für zwei Personen, zwei Zimmer für drei Personen, ein Zimmer für vier Personen sowie eine Wohnung für sechs Personen. Getrennte Eingangs- und Wohnbereiche lassen eine flexible Belegung zu, wie sie in keiner anderen Unterkunft möglich sei, legt die Verwaltung dar. In Bierstraß sei daher bei Überbelegung anderer Unterkünfte auch die kurzfristige Beherbergung etwa von Flüchtlingsfamilien möglich.

Holzwurm und Schwamm

Es gibt jedoch keine Wärmedämmung, die obere Etage des mittleren Gebäudeteils ist wegen Einsturzgefahr stillgelegt, Holzwurm und Schwamm nagen an den Dachbalken. Für eine einfache Sanierung dieser Schäden allein müssten 50.000 Euro aufgebracht werden. Marode Anbauten müssten zudem abgerissen, Mauern gedämmt, die Heizung erneuert werden, alles ein teurer Spaß. Rund 140.000 Euro würden zu Buche schlagen.

Das Gebäude gar auf einen EnEv-Standard inklusive Heizungserneuerung und Dachflächendämmung zu bringen sei zwar technisch möglich, aber „sehr kostenintensiv”. CDU- und FDP-Fraktion hatten in ihrem Antrag, ob auf die Unterkunft nicht etwa gänzlich verzichtet werden könne, die Verwaltung unter anderem um Klärung gebeten, ob nicht das Anmieten von Wohnungen für Obdachlose im Stadtgebiet ein Ausweg aus dem Dilemma sein könnte.

Die Verwaltung argumentierte, dass dies keine Lösung darstelle. Reguläre Wohnungen setzten die Motivation herab, selbst nach Wohnraum zu suchen. Die Unterbringung solle aber möglichst nur vorrübergehend sein. Es sei auch nicht damit zu rechnen, dass Vermieter eine Wohnung für Obdachlose bereitstellen, weil manchmal Streitigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten die Ursache für den Wohnungsverlust gewesen sei. In Bierstraß sei die Nachbarschaft sehr tolerant.

Die Verwaltung wurde mit knapper Mehrheit beauftragt, ein Sanierungskonzept für das Asyl zu ermitteln.
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