Obdachlose richten sich im EBV-Haus ein

Von: Beatrix Oprée
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Charakteristisch und für viele Menschen im Nordkreis noch immer von Bedeutung: Die einstige Hauptverwaltung des Eschweiler Bergwerksvereins steht schon seit vielen Jahren leer. Foto: Beatrix Oprée
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Versteckt hinter Strauchwerk: Durch dieses Fenster haben sich die Eindringlinge offenbar Zugang verschafft. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Nachbarn haben es jetzt entdeckt: In einer der prägendsten Immobilien an der Roermonder Straße, der altehrwürdigen einstigen EBV-Hauptverwaltung mit den beiden markanten Spitzdächern, haben sich Obdachlose und Drogensüchtige eingerichtet. Wie lange ein Teil des seit rund acht Jahren leerstehenden Gebäudekomplexes bereits dieser neuen „Nutzung“ unterliegt, ist unklar.

Sicher ist nur, dass die neuen Bewohner der verwinkelten Anlage offenbar längere Zeit unentdeckt waren. Darauf weisen ihre Spuren auf Fluren und in Büroräumen hin. Unter anderem hatten sich die Eindringlinge ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Alarmsystem ausgedacht: in Form von Gegenständen, die sie vor die Hauptzugangstüren rückten respektive auf deren Klinken legten. Und die sofort lautstark umkippen, sobald jemand eine dieser Türen öffnen möchte.

Wie jetzt einer der Nachbarn. Er ist mit seinem Gewerbe Mieter von Büroräumen in einem der Gebäude auf dem Hof hinter der Hauptimmobilie an der Roermonder Straße. Wegen Arbeiten an seiner Telefonanlage erhielt er durch einen weiteren Nachbarn mit Schlüsselgewalt Zutritt zum Gebäude. Was sich dann ereignete, ist filmreif: Die beiden Nachbarn stellten diverse Veränderungen in den weitläufigen Fluren fest und hörten dann ein Klirren. Ein Unbekannter sprang aus einem der Fenster.

Der erste Nachbar nahm die Verfolgung auf und stellte einen Mann, der zwei Stofftaschen voller kleinerer Metallteile mit sich trug. Auf Aufforderung zeigte er schließlich seinen Personalausweis. Der Nachbar fotografierte das Dokument und ließ den Mann laufen – einen 42-Jährigen ohne festen Wohnsitz, wie die unverzüglich alarmierte Polizei später ermittelte. Die Beamten sicherten Spuren im gesamten Haus und stellten fest, dass sich dort offenbar „eine Vielzahl“ an Menschen häuslich eingerichtet hatte.

„Die Personen haben wohl bewusst nur rückwärtige Teile des Gebäudes genutzt, die von der Straße aus nicht einsehbar sind“, schildert der Nachbar. Neben in diversen Räumen wild verstreuten Habseligkeiten, provisorischen Kochstellen und Nachtlagern habe sich auch für Junkies typisches Spritzbesteck gefunden.

Hinter einem Busch zur Straßenseite hin findet sich ein zerschlagenes Fenster, durch das die „Hausbesetzer“ offenbar erstmals ins Gebäude eindrangen. Hinter einem weiteren Busch verborgen fanden die Nachbarn ein offenes Fenster, das in Folge augenscheinlich als Ein- und Ausgang genutzt worden war: „Alles haben wir jetzt wieder gesichert“, sagt der Nachbar. „Doch das ganze Gelände ist so unübersichtlich, wer weiß, wo sie als nächstes eindringen?“

Über die Besitzverhältnisse der ehemaligen EBV-Hauptverwaltung kursieren Gerüchte, unter anderem sogar über einen jüngst erst vollzogenen Verkauf an eine angebliche Briefkastenfirma auf den Seychellen. Verifiziert werden konnte das noch nicht. Wie aus vertrauenswürdiger Quelle lediglich zu erfahren war, ist die Verwalter-GmbH mit Sitz in München zum Jahreswechsel an zwei ausländische Gesellschafter veräußert worden.

Fakt ist, dass bei einer Gebäudebegehung im November vergangenen Jahres zusammen mit einem Vertreter der Stadt und des Denkmalamtes ein Beauftragter mit vor Ort war, der, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, allerdings längst in keiner Beziehung mehr zu dem damaligen Auftraggeber stehe. Auch für die Nachbarn ist der derzeitige Ansprechpartner unklar.

Fakt ist auch, dass bei besagter Besichtigung Schäden am Dach und Wassereinbrüche festgestellt worden waren, die auch weitergeleitet wurden, es daraufhin aber keinerlei Reaktionen respektive Reparaturmaßnahmen gegeben habe.

„Das Gebäude verrottet immer mehr“, sagt der Nachbar und zeigt auf lange Risse, die sich in der rückwärtigen Fassade gebildet haben. Rings um den Komplex wuchert das Unkraut, an mehreren Stellen findet sich Unrat.

Dass eine so große und ortsbildprägende Immobilie seit Jahren leersteht und nun offenbar dem Verfall preisgegeben ist, stößt auch beim Bürgermeister auf wenig Gegenliebe: „Es ärgert mich ungemein, dass hier nichts geschieht!“, sagt Christoph von den Driesch auf Anfrage unserer Zeitung. Doch zurzeit sind der Stadt die Hände gebunden, beschränkt sich ihre Einflussmöglichkeit auf die Wahrung der Verkehrssicherungspflicht und eventuelle Ersatzvornahmen, falls diese seitens des Eigentümers maßgeblich verletzt wird, sprich etwa aufgrund fortschreitenden Verfalls eine Gefahr für Passanten ausgeht.

Immer wieder, so blickt der Bürgermeister zurück, seien mögliche Projektentwicklungen vorgestellt worden, aber dann stets stecken geblieben. Zwischenzeitlich habe es sogar das ernsthafte Interesse eines Investors gegeben, den Komplex in sozialen Wohnungsbau umzuwandeln, doch auch der sei bei den Eigentümern nicht weiter gekommen.

Von den Driesch: „Natürlich könnte man über Maßnahmen im Rahmen von Städtebaufördermitteln nachdenken. Doch wir haben zurzeit Herzogenrath-Mitte und Kohlscheid im Fokus und nicht die Roermonder Straße. Wir würden das Gebäude natürlich gerne erhalten wissen“, lenkt von den Driesch den Blick auf diverse Möglichkeiten für ein privates Investment, etwa Studentenwohnungen, wie sie zurzeit unweit auf der anderen Straßenseite projektiert würden. Für Wohnungen gebe es schließlich attraktive Förderprogramme.

Ein Dienstleistungskomplex wäre mit Blick auf den ausgelasteten Technologiepark Herzogenrath (TPH) ebenfalls denkbar. Aber derartige Dinge würden durch den Eigentümer respektive Projektentwickler halt leider nicht weiterverfolgt. Stattdessen machen sich Unbefugte breit, die offenbar peu à peu zu Geld machen, was aus Metall ist. Die Frage sei erlaubt: Droht dem EBV-Haus etwa das Schicksal von Gut Kaisersruh in Würselen?

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