Obdachlose müssen für Flüchtlinge zusammenrücken

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Wollen ihre Kritik am Vorgehen der Stadt Würselen nicht als Ausländerfeindlichkeit gewertet wissen: Robert Bieniek (l.) und Gerd Surholt.

Würselen. Um Flüchtlinge, die nach dem Erstaufnahmeverfahren fest zugewiesen werden, unterbringen zu können, greift die Würselener Verwaltung auf bereits von (ansonsten) Obdachlosen belegten Wohnraum zurück. Die 32 Bewohner des Hauses Neustraße 40 wurden zunächst von einer Hausmeisterin per Handzettel mit neuem Belegungsplan unterrichtet, dass sie zusammenzurücken haben.

Das sagte Bewohner Robert Bieniek (29) unserer Zeitung. Am Mittwoch informierte ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts vor Ort darüber, dass der Umzug oder besser Zusammenzug bis zum Montag abzuschließen sei. Bieniek und sein Zimmergenosse Gerd Surholt (48) hörten zunächst, dass 27 weitere Personen, eben fest zugewiesene Flüchtlinge, untergebracht werden sollen.

Diese Zahl bestätigte Stadtsprecher Bernd Schaffrath nicht, den Vorgang aber schon. Allein am Montag und am Mittwoch sind demnach der Stadt Würselen weitere insgesamt 27 Asylbewerber zum Verbleib zugewiesen worden. Angesichts der Übereinstimmung der Zahlen entstand wohl der Eindruck, für diese sollten die Bewohner der Obdachlosenunterkunft Platz schaffen, mutmaßt der Pressesprecher. Laut Schaffrath sollen jedoch „nur“ 15 weitere Asylbewerber, an der Neustraße Unterschlupf finden, die aber erst am Freitag in Würselen erwartet werden.

„Das geht jetzt über unsere Möglichkeiten hinaus“, wirbt Schaffrath um Verständnis. Er führte an, dass die Stadt intensiv bemüht sei, Häuser aufzukaufen, um dort Asylbewerber unterzubringen. Klar ist, dass man mit den bisherigen Eignern von zwei Häusern bei Birk und an der Pleyer Straße handelseinig geworden ist. Ein weiteres Haus an der Pleyer Straße ist im Gespräch.

Aber dieser Wohnraum steht noch nicht zur Verfügung. Der Vertreter der Stadtverwaltung sprach perspektivisch von „kurzfristiger Unterbringung“ der Flüchtlinge in besagter Obdachlosenunterkunft. „Die Belegung dort war bislang recht großzügig“, hält er ein Zusammenrücken für zumutbar. Obdachlose hätten das Anrecht auf „angemessene und menschenwürdige“ Unterbringung. Dies sei auch unter den nun anstehenden Bedingungen gewährleistet.

Das sehen Bieniek und Surholt anders. Bieniek: „Auch für die Asylbewerber ist es nicht menschenwürdig, so auf engstem Raum zu mehreren untergebracht zu werden.“ Sie haben sich beim Amtsgericht einen „Beratungsschein“ geholt und einen Rechtsanwalt gefunden, um sich über ihre Rechte informieren zu lassen.

Sie sollen binnen kurzem mit zwei anderen in ein Zimmer ziehen und sich einen schmalen Spind Person teilen. In diesem Zimmer würden insgesamt vier Schlafplätze eingerichtet. Es könnte also noch eine weitere Person hinzukommen. „Ich habe mir in unserem Zweierzimmer etwas aufgebaut. Ich habe einen 450-Euro-Job, um hinzuzuverdienen“, sagt Elektriker Bieniek. Jeweils 87 Euro zahlen er und Surholt, der eine schmale Rente bezieht, monatlich an die Stadt an Nutzungskosten, zudem 30 Euro für Strom – der Satz gilt auch bei einem Viererbettzimmer, sagt er. Das Haus sieht arg heruntergekommen aus. In einigen Räumen werden gerade Hochbetten aufgebaut. Im Sanitärbereich freut sich Schimmel über Zuwachs. Das und andere Mängel habe Bieniek der Stadt bereits mehrfach mitgeteilt. Entscheidendes sei bislang nicht geschehen.

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