Nordkreis - Nur selten enden Falschparker im Nordkreis am Haken

Nur selten enden Falschparker im Nordkreis am Haken

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
8318876.jpg
Abschleppen kann recht aufwendig sein: Nicht immer lässt sich ein Fahrzeug so einfach auf die Landfläche ziehen, wie es hier Matthias Gärtner vorführt. Bisweilen muss das Fahrzeug erst einmal aus der Parkfläche herausbugsiert werden. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Wer lässt sich schon gerne abschleppen? Außer im Karneval von einer oder einem ansprechenden Unbekannten – vielleicht... Geht man nach Erzählungen bei Stammtischen und Familientreffs, so ist praktisch jeder schon mal durch Abschleppen seines Autos verlustig geworden oder kennt jemanden ganz sicher, der Schlimmes zu berichten weiß – über die ungerechtfertigten Umstände und die hohen Kosten.

Dies kann jedoch für die Fahrzeughalter und -führer, die in den vier Nordkreisstädten ihre Fortbewegungsmittel abzustellen pflegen, nicht zutreffen, wie eine Befragung der Ordnungsämter ergab – weder bezüglich der Zahl der Fälle, noch mit Blick auf die Kosten. Auslöser für die Nachfrage ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe, der sich bereits zum dritten Mal mit einem Abschleppdienst beschäftigen musste. Diesmal ging es um den Betrag, den der Falschparker nach dem Abschleppen löhnen musste.

Ein Autofahrer aus Bayern hatte sich empört bis in die letzte Instanz durchgeklagt, weil er meinte, dass eine Zahlung von 250 Euro für die Freigabe seines abgeschleppten Autos zu hoch sei. Jetzt muss das Landgericht München erneut prüfen, ob dieser Betrag angemessen war. Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes legt dabei Wert darauf, dass die für das Abschleppen des Autos verlangten Kosten mit dem verglichen werden müssten, was üblicherweise in der Region dafür verlangt wird.

Jürgen Kochs, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Alsdorf, hat darauf eine klare Antwort parat: Für das Umsetzen eines Fahrzeugs vor Ort fielen im Jahre 2013 durchschnittlich 83 Euro an Kosten an, für das Ab- bzw. Einschleppen im Schnitt 120 Euro. Die einzeln in Rechnung gestellten Kosten variieren mit Blick auf den Aufwand. Dies ist an den Abschleppdienst Kickartz zu bezahlen, der direkt neben der Polizeiwache in Alsdorf angesiedelt ist und im Bedarfsfall nicht nur vom Alsdorfer Ordnungsamt, sondern auch von den Kollegen in Baesweiler und Würselen beauftragt wird. Hinzu kommen laut Kochs je nach Anlass „Knöllchen“ der Kommune zwischen 10 und 35 Euro und nach Aufwand bemessene Bearbeitungsgebühren. Allerdings wurden in Alsdorf im Jahre 2013 gerade mal 15 „Abschleppvorgänge“ vom Ordnungsamt veranlasst, wie Kochs sagte.

In acht Fällen handelte es sich um einfach vom letzten Nutzer bzw. Halter abgestellte „Schrottautos“. Hier versucht die Ordnungsbehörde über das (falls noch vorhandene) Kennzeichen oder die Fahrgestellnummer, den letzten Halter zu ermitteln, um die Kosten für die Beseitigung des Autos einzutreiben. Kochs führt die niedrige Fallzahl auf das sehr gute Parkplatzangebot in Alsdorf zurück, selbst und gerade im Bereich der Kernstadt. „Wir schleppen nicht jeden ab, der auf einem Behindertenparkplatz steht“, sieht er im Entfernen des Fahrzeugs grundsätzlich die letzte aller Möglichkeiten. Wenn aber das entsprechende Fahrzeug den Zugweg im Karneval blockiert oder aber in Mariadorf der Platz für den Wochenmarkt blockiert wird, also eine öffentliche Veranstaltung beeinträchtigt wird, wird zumindest umgesetzt.

So verfährt auch das Ordnungsamt der Stadt Würselen – etwa bei der Großkirmes oder dem Cityfest, wie Leiter Hans-Josef Weidenhaupt sagte. Aber auch in der Düvelstadt wird beim Abschleppen und Umsetzen zurückhaltend verfahren. Zudem verfüge das Ordnungsamt überhaupt nicht über das Personal, um wie etwa in Aachen zusammen mit einem Abschleppdienst durch die Stadt zu streifen – auf der Suche nach Parksündern. Auch in Würselen kommen im (seltenen) Fall des Falles Knöllchen und Verwaltungsgebühren je nach Aufwand zu den reinen Abschleppkosten hinzu. Schrottkarren werden verwertet oder der Feuerwehr überantwortet.

In Baesweiler wurden im vergangenen Jahr ganze fünf Fahrzeuge an den Haken genommen, zwei davon waren Schrott. In diesem Jahr waren es ebenfalls (schon oder erst) fünf, wie Ordnungsamtsleiter Pierre Froesch sagte. Beim reinen Umsetzen muss der Fahrer bzw. Halter mit 120 bis 150 Euro Gesamtkosten rechnen. Bevor aber das Abschleppunternehmen aktiv wird, betreiben die Baesweiler mitunter einen großen Aufwand, um den Betroffenen ausfindig zu machen. „Wenn wir über das Kennzeichen den Halter in der Nachbarschaft ausmachen können, wird der aufgefordert, sein Fahrzeug umzuparken“, sagte Froesch. Sollte der Betreffende nicht vor Ort angesiedelt sein, wird auch schon mal der Versuch unternommen, seine Telefonnummer ausfindig zu machen, um ihn fernmündlich zum „Umlenken“ aufzufordern. Ein durchaus bürgerfreundliches Vorgehen, will man meinen.

Der letzte Fall eines abgeschleppten Fahrzeuges wurde in Herzogenrath im Jahre 2007 registriert, sagte Ordnungsamtsleiter Manfred Sickert. Damals sei es darum gegangen, das Fahrzeug vor Bäumen in Sicherheit zu bringen, die umzukippen drohten – also ganz im Sinne des Halters. Nur Schrottlauben seien seitdem auf Veranlassung des Ordnungsamtes beseitigt worden, so im Jahre 2013 zwei. Die hätten der Feuerwehr als Demonstrationsobjekte etwa beim Blaulichttag gedient. Sollte hingegen wirklich mal ein Fahrzeug etwa aus Sicherheitsgründen abgeschleppt oder umgesetzt werden müssen, so richteten sich die Kosten nach dem Aufwand für das Abschleppunternehmen.

Auch die Polizei kann einschreiten

Ansonsten versucht Herzogenrath, über den „Bußgeldkatalog“ den ruhenden Verkehr sinnvoll zu steuern. Auch die Polizei lässt bei Bedarf Fahrzeuge abschleppen, wie Polizeisprecher Paul Kemen auf Nachfrage sagte. Ein Beispiel: Außerhalb der Dienstzeit des eigentlich zuständigen Ordnungsamtes meldet ein Hauseigentümer, dass er sein Grundstück mit dem Wagen nicht verlassen kann, weil die Ausfahrt zugeparkt ist. In solchen Fällen kann die benachrichtigte Polizei – nach zumutbarem Warten auf das etwaige Auftauchen des Fahrers – auf Intervention des Zugeparkten ein Abschleppunternehmen einschreiten und umsetzen lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie, liebe Leser, mit (Falsch-)Parken und Abschleppen gemacht? Welche Probleme sehen Sie, was läuft gut? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit unter www.leser-meinung.de/abschleppen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert