Nur 52 Elektrofahrzeuge im Nordkreis gemeldet

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
a2_emobil
E-Autos: Auf der Autobahn gibt es Schnellladestationen. Das aufladen dauert dann etwa 30 Minuten. Foto: dpa

Nordkreis. Er ist bisher der einzige elektrisch mobile Bürgermeister weit und breit und schon restlos begeistert: Wie auf einem fliegenden Teppich gelangt Alfred Sonders jetzt zu seinen Terminen.

Sagt er selbst. Seit wenigen Wochen steht er buchstäblich unter Strom und steuert ein schickes E-Mobil. „Man schwebt – selbst wenn eine Straße nicht so toll ist“, sagt er und lacht. „Lautlos und ohne Abgase.“

Natürlich wäre der Erwerb eines neuen E-Mobils für eine Kommune im Haushaltssicherungskonzept, wie Alsdorf eine ist, völlig undenkbar. Doch ein Sponsoring durch RWE macht es möglich: So kostet 41.000 Euro teure Fahrzeug die Stadt Alsdorf nur 4300 Euro.

Im Vergleich zum motorisierten Dienstwagen zahlt sich das elektronische Auto überdies aus: durch eine jährliche Ersparnis von 2700 Euro.

Mit der Akku-Reichweite zeigt sich Testfahrer Sonders zufrieden. Eigentlich nur alle paar Tage müsste nachgeladen werden. Die Zapfsäule am Rathaus erleichtert auch dieses Prozedere: ankommen, parken, Stecker rein. In zehn Sekunden sei das immer schnell erledigt. Auch zu Hause lasse sich der Wagen mittels Extrakabel an der herkömmlichen Steckdose problemfrei unter Strom setzen.

Mit dem elektronischen Dienstwagen auch nach Düsseldorf oder Köln zu den entsprechenden Institutionen bei der Landes- oder Bezirksregierung gelangen zu können, sei eine Grundbedingung gewesen. „Aber eigentlich braucht man sich darüber auch keine Gedanken mehr zu machen“, sagt Sonders. „Auf Autobahnen gibt es mittlerweile Schnellladestationen, die einen Wagen in 30 Minuten wieder volltanken. Das habe ich vorher aber auch nicht gewusst.“ Die Stromzapfsäule am Rathaus schaffe einmal volltanken immerhin in zwei Stunden.

Mindestens den Rest seiner Amtszeit möchte Sonders mit dem komfortablen E-Flitzer mobil sein, für acht Jahre steht es der Stadtverwaltung insgesamt zur Verfügung.

„Leider gibt es E-Fahrzeuge noch nicht im Leasing“, bedauert der Bürgermeister. Denn mit diesem Finanzmodell sei die Stadt Alsdorf, die jeden Pfennig zweimal rumdrehen muss, bisher bestens gefahren.

Die hohen Kosten aber sind offenbar der Knackpunkt, warum das viel beworbene E-Mobil immer noch nicht zum Renner auf Deutschlands Straßen geworden ist. Der e-Golf von Volkswagen beispielsweise kostet mit mindestens rund 35.000 Euro etwa doppelt so viel wie sein Sprit-Bruder. Da will eine Kosten-Nutzen-Rechnung schon sehr genau durchdacht sein.

Den hohen Kaufpreis kompensieren könne man nur, wenn man regelmäßig längere Strecken absolviere, so die einhellige Expertenmeinung. Dem stehe bislang die vergleichsweise geringe Reichweite der noch sehr teuren Akkus entgegen. Und 150.000 Kilometer sollte das Speichermedium halten, um die Kosten durch einen verfrühten Batteriewechsel nicht noch mehr in die Höhe zu treiben.

Das hehre Ziel der Bundesregierung, im Jahr 2020 mindestens eine Million E-Mobile deutschlandweit im Umlauf zu haben, könnte daher in weitere Ferne rücken. 25.300 E-Fahrzeuge waren es Anfang des Jahres gerade einmal in der kompletten Republik.

Wenn es auch teure Karossen sind, die sie im Angebot haben, so sehen die Autobauer ihre Pflicht erfüllt, immerhin sind rund 30 verschiedene E-Fabrikate auf dem Markt. Die Bundesregierung sei in der Pflicht, blickt die Industrie in nun Richtung Berlin.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat mit dem Elektromobilitätsgesetz reagiert, das im März verabschiedet wurde. Es überlässt den Kommunen, ob sie mit besonderen Kennzeichen versehenen E-Mobilen Vorteile durch Nutzung der Busspuren oder kostenfreies Parken gewährt. Größere Städte haben längst angekündigt, dies für wenig praktikabel zu halten.

Ein Zuschuss als Kaufanreiz, wie ihn etwa Norwegen bis vor kurzem in Form von Befreiungen von Kfz- und Mehrwertsteuer gewährte, war zunächst nicht in der Diskussion. Das soll sich laut Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel noch in diesem Jahr ändern.

Dobrindt setzt derweil auf den Ausbau der Infrastruktur und den Goodwill öffentlicher Institutionen, die er auffordert, ihre Fahrzeugflotten gegen E-Mobile auszutauschen. Um den Markt dereinst mit für den Privatmann erschwinglichen E-Gebrauchten bereichern zu können.

Für den e-mobilen Bürgermeister aus Alsdorf stellen die bisherigen Ideen der Bundesregierung keine brauchbaren Anreize dar: „Das ist alles Mumpitz.“ Sonders ist überzeugt: „Die Leute steigen nur auf E-Mobilität um, wenn der Kostenrahmen der gleiche bleibt wie vorher.“ In der Bundesrepublik seien neue politische Ziele schließlich immer über Förderanreize erreicht worden.

Norwegen mag da als probates Beispiel dienen, wo die staatliche Bezuschussung von E-Mobil-Fahrern aufgrund des übergroßen Erfolgs nun schrittweise wieder zurückgeschraubt wird. Ähnlich sieht Sonders auch Dobrindts Vision, öffentliche Institutionen zu Vorreitern zu machen: „Dafür haben wir gar kein Geld. Wir können es uns nicht leisten, mehr auszugeben, nur weil ,E‘ draufsteht!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert