Nur 32 Prozent haben einen Organspendeausweis

Von: mas
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Organspender kann ab 16 Jahren jeder Mensch sein. Brigitte Hinkelmann, leitender Oberarzt Dr. Hans Joachim Kreß und Alsdorfs Vizebürgermeister Friedhelm Krämer (rechts) werben für den Spenderpaß. Foto: Sigi Malinowski

Alsdorf. 81 Prozent der Befragten äußern sich positiv. Sie befürworten einen Organspendeausweis. Aber nur gut 30 Prozent entscheiden sich auch dafür, einen solchen Ausweis mit sich zu führen. Das ist nach Ansicht des Aachener Facharztes Dr. med. Hans-Joachim Kreß mindestens ausbaufähig – und auch dringend nötig.

 Der Mediziner und Transplantationsbeauftragte am Marienhospital Aachen (MHA) referierte beim Alsdorfer Gesundheitsforum zum Thema „Organspendeausweis: Ja oder Nein?“. Bevor der Leitende Internist des MHA in seinen Fachvortrag mit Diskussion einstieg, begrüßte Brigitte Hinkelmann unter anderen Alsdorfs Vizebürgermeister Friedhelm Krämer und weitere Ehrengäste zum fünften Gesundheitsforum in diesem Jahr.

„Das Interesse an unseren Foren ist weiterhin sehr groß“, führte Hinkelmann in der Alsdorfer Stadthalle das auf die interessanten Themen und auf die fachlich sehr qualifizierten Referenten zurück. Brigitte Hinkelmann hatte als Alsdorfer Chefin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und Mitarbeiterin des Aachener Marienhospitals die Veranstaltungsreihe seinerzeit mitgegründet.

„Jeder Mensch über 16 Jahren bekommt, wenn er möchte, einen Organspendeausweis“, bemerkte Dr. Kreß, er ist Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie. Im Februar 2016 sei eine Umfrage gestartet und dabei festgestellt worden, dass 32 Prozent der Menschen in Deutschland den Organspendeausweis besitzen. „Das ist ein Anstieg gegenüber früheren Jahren“, freut sich der Transplantationsbeauftragte. Er räumt aber auch ein, „wünschenswert ist sicherlich eine Quote wie in den USA“.

Dort haben sich 50 Prozent für den Ausweis entschieden. In den USA wird die Zustimmung zur Organentnahme über den Führerschein des Spenders festgelegt. Die Umfrage aus dem Frühjahr ergab zudem, „etwa 50 Prozent fühlt sich ausreichend informiert, aber die andere Hälfte eben nicht“, bedauert Dr. Kreß. Ihn stimmt es nachdenklich, „dass gerade bei jungen Menschen das Thema leider nicht so präsent ist“. Ältere Menschen würden sich „damit schon eher offen befassen“. Warum ist das so schwierig? „Man muss sich mit dem Tod auseinandersetzen“, gelingt dies älteren Menschen eher als den jüngeren, die das äußerst sensible Thema oft verdrängen. In erster Linie werden Herz, Lunge, Leber und Nieren gespendet.

Diese Organe werden über „Vermittlungsstellen“ wie die niederländische Stiftung Eurotransplant an der Universität in Leiden weitergereicht. Die noch verhaltenen Reaktionen zum Thema Organspende würden sich auch darin begründen, „dass durch verschiedene Skandale in letzter Zeit viel Misstrauen entstanden ist“. Die Konsequenz daraus, „Organspenden sind in Deutschland auf weniger als 900 im Jahr gesunken“. „Benötigt werden aber etwa 10 000 Organe jährlich“, sagt Kreß, auch als Schmerztherapeut am MHA tätig. Sein Ziel: „Ich möchte unschlüssige Zuhörer ausreichend informieren, um eine Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen.“

Das nächste Gesundheitsforum steht unter dem Titel, „die Sonne und ihre Schattenseiten“. Es findet am Mittwoch, 6. Juli, um 18 Uhr in der Stadthalle statt. Referentin ist Dr. med. Julia Hepp, Fachärztin für Dermatologie, niedergelassen in Aachen Burtscheid.

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