NRW-Waldjugend trifft sich zum Landeslager im Würselener Wald

Von: Johannes Schaffeldt
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Treffpunkt Lagerfeuer: Waldjugendgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen treffen sich im Würselener Stadtwald. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Das Tor sieht aus wie ein gestrandetes Schiff, dahinter öffnet sich der Blick auf rund 50 große Jurten. Über dem Lagerplatz hinter dem Forsthaus Weiden schwebt der Geruch von Lagerfeuer und aus den Zelten steigt Rauch. Die nordrhein-westfälische Waldjugend hat sich auf die Wetterkapriolen vor dem alljährlichen Landeslager eingestellt.

Eingeladen hatte in diesem Jahr der Horst Würselen, wie die Waldläufer ihre lokalen Gruppierungen nennen. Für die Würselener gab es dieses Jahr einen besonderen Anlass, wie Gruppenleiter Daniel Gilliam informiert: Seit vierzig Jahren kümmern sie sich um ihren Patenforst, den Würselener Wald und angrenzende Waldgebiete. So einfach war es gar nicht, vor Ort einen geeigneten Lagerplatz zu finden.

Dank der Vermittlung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald konnte eine Wiese der Stawag genutzt werden. Aufgrund der Lage im Trinkwasserschutzgebiet kein einfaches Unterfangen: Das gesamte Abwasser muss aufgefangen und abtransportiert werden. Die Untere Wasserbehörde hatte da so ganz eigene Vorstellungen, wie viel dabei pro Person an einem Wochenende anfällt. Bei kaltem Wasser bleibe es doch eher bei der kleinen Morgenwäsche, sagt Gilliam lachend.

Klimawandel ist das Thema

Umweltschutz und die kritische Auseinandersetzung mit dem Klimawandel spielte auch bei der Wahl des Lagermottos eine große Rolle. Auf den ersten Blick mag dies bei dem flapsigen Spruch „Wenn Holland nicht wär, lag Aachen am Meer“ nicht offensichtlich sein, in Anbetracht der Lage großer Teile der Niederlande unter dem Meeresspiegel hat dies aber durchaus einen ernsten Hintergrund.

Die Würselener wollten vor allem die Gruppenleiter als Multiplikatoren in ihren Heimathorsten für das Thema sensibilisieren, im Café Klön genannten Treffpunkt des Lagers hatten aber auch andere Interessierte die Möglichkeit, sich zu informieren und auszutauschen.

In Koten und Jurten

Die Gäste waren aus dem ganzen Bundesland angereist. Auch Waldläufer aus Schleswig-Holstein und Hessen waren der Einladung gefolgt. Plötzlich stand noch eine Delegation der Pfadfinder aus Langerwehe vor der Vogtei, dem Empfangszelt auf dem Lagerplatz. Sie waren einer lockeren Einladung gefolgt und mischten sich mit ihren beigen Kluften unter das Grün der Waldjugend.

So unähnlich sind sich die Jugendbewegungen manchmal gar nicht. Gezeltet wird bei beiden in Koten und Jurten aus schwerem schwarzen Stoff. Wer mit einem Igluzelt auftauche, dürfe bleiben, müsse sich aber hämische Kommentare gefallen lassen, sagt Daniel Gilliam schmunzelnd. Da sind sich viele Jugendbewegte einig.

Nicht nur die Vorliebe zum schwarzen Zeltstoff und die grüne Kluft zeigen das jugendbewegte Leben und die bündischen Traditionen. An einem Tag kam es zum großen Wettstreit der Sänger und Jagdhornbläser. Im Verlauf eines größeren Lagers des Verbandes haben Programmpunkte wie dieser einen festen Platz. Fast noch wichtiger für die jungen Waldläufer allerdings war die Haik, eine Art Stationslauf, am Tag zuvor. Neben Stationen, die den Gruppengeist stärken sollten, gab es auch Aufgaben aus der Späherprobe.

Nur wer einige dieser Aufgaben gut gemeistert hat, darf als Auszeichnung die grüne oder silberne Kordel an der Kluft tragen. Neben diesen bündischen und jugendbewegten Anteilen ist der aktive Umweltschutz das zweite Standbein im Alltag der Waldjugend. So kümmert sich der Horst Würselen beispielsweise um die Nistkästen im Patenforst. Im Landeslager bekamen sie kräftige Unterstützung von ihren Gästen beim Bau neuer Nisthilfen für die heimischen Vögel.

Samstags in der Hütte

Dass dieses gemeinsame Erleben eine lange und feste Bindekraft haben kann, zeigte sich im gemeinsamen Gottesdienst: Hier ließen einige Waldläufer ihre Kinder taufen. Vielleicht bauen auch diese dann bald ihre Koten im Wald auf und jagen nach den Kordeln.

Wer Lust hat, die Waldjugend in Aktion zu erleben, kann sie alle zwei Wochen samstags in ihrer Hütte in der Nähe des Wanderparkplatzes Forsthaus Schwarzenbruch antreffen. Der jetzige Horst besteht aus 15 Kindern und Jugendlichen ab sieben Jahren und zehn jungen Erwachsenen. Der Verband ist politisch wie konfessionell völlig ungebunden.

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