Notunterkünfte: Vereine und Schulen rücken zusammen

Von: bea/-ks-/vm/ssc
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Auch Platzwart Leo Leufgen kann zufrieden sein: Die Hälfte des Sportplatzes an der Waidmühl bleibt auch nach der Erweiterung der Notunterkunft fürs Training der Concordia nutzbar. Die bisherigen Zelte (links) werden gegen Exemplare in Leichtbauweise ausgetauscht. Foto: Beatrix Oprée

Nordkreis. Einen Nachmittag lang hatten Mitarbeiter des Bereichs Schule, Sport und Kultur der Stadtverwaltung und der Vorstand des Herzogenrather Stadtsportverbands (SSV) über Raum- und Terminplänen gebrütet. Dann waren fast alle Vereine mit ihren Sportangeboten wieder untergebracht.

Auch wurde Ersatz geschaffen für die Halle des Berufskollegs am Schulzentrum Bardenberger Straße, die ebenso wie die Halle an der Waidmühl zurzeit als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird.

Auf der Suche nach Ersatzflächen hatte die Verwaltung schon vor Wochen alle möglichen Institutionen angefragt. „Mit großem Erfolg“, wie die Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann im Gespräch mit unserer Zeitung betont. Alle seien mitgezogen, darunter jede Kita in der Stadt, das THW, die AWO und die Pfarren. So würden jetzt etwa der Saal des HOT sowie das Pfarrhaus von St. Gertrud auch für sportliche Angebote genutzt. „Mehr kann man sich nicht wünschen“, sagt Froese-Kindermann.

Zufrieden zeigt sich auch der SSV. Irritationen um die Aufstockung der Notunterkunftsplätze durch winterfeste Zelte auf dem Sportplatz an der Waidmühl sind zuletzt noch ausgeräumt worden. Zunächst, so Manfred Borgs, Josef Begiebing und Jürgen Jekewitz vom Vorstand, habe es so ausgesehen, als würde dazu demnächst fast der ganze Tennenplatz genutzt. Doch nach gemeinsamen Beratungen mit der Verwaltung habe sich eine Lösung gefunden, so dass die Kicker des SV Concordia Merkstein weiter auf der hintere Hälfte trainieren können.

So stellt sich die Situation in Herzogenrath erheblich entspannter dar als in diversen anderen Städten, in denen sowohl Vereins- als auch Schulsport aufgrund der Umwandlung von Sporthallen in Flüchtlingsunterkünfte teils sogar zum Still stand gekommen sind. Auch in Herzogenrath hatten Eltern Sorgen geäußert, das will die Beigeordnete gar nicht verhehlen.

Richtige Beschwerden habe es jedoch keine gegeben. Und das, obwohl auch die Schulturnhalle in Pannesheide geschlossen ist, für die eine Lösung in Sachen Rettungswege gefunden werden müsse. Und die Turnhalle in Straß lasse sich nur eingeschränkt nutzen: Die Deckenabhängung musste entfernt werden – vor Jahrzehnten nicht ordnungsgemäß installierte sogenannte Sauerkrautplatten.

Letztlich hätten sich alle Schulen beim Sportunterricht gut arrangiert, unter anderem durch Anpassen der Stundenpläne. Ausweichstandorte für gebe es zudem in Kerkrade, Bustransfer inklusive. „Das Entgegenkommen in der Bevölkerung ist sehr groß“, sagt Froese-Kindermann. Bedenken seien allenfalls geäußert worden, ob man für die hilfesuchenden Menschen nichts Besseres als Turnhallen zu bieten habe ...

Die Stadt Würselen hat es nochvermeiden können, Sporthallen für Asylbewerber nutzen zu müssen. Die Kommune kommt noch mit der Bereitstellung der früheren Albert-Schweitzer-Schule für das Erstaufnahmeverfahren zurecht, das die Städteregion bzw. das DRK dort abwickeln, wie Erster Beigeordneter Werner Birmanns auf Anfrage sagte. Aber vor kurzem, als die Bezirksregierung Köln pro Kommune 70 zusätzliche Asylbewerber auf einen Schlag angekündigte, stand die Stadt kurz davor, die Walter-Rütt-Sporthalle dafür herzurichten.

Eigens wurde ein Einlegeboden bestellt, der bald geliefert wird. Letztlich hat die Bezirksregierung ihr Ansinnen, das auch bei vielen anderen Kommunen auf Bedenken stieß, zurückgezogen. Birmanns sagte, dass bei aller Hilfsbereitschaft und Verständnis auch die Situation der Vereine und des Schulsports zu berücksichtigen seien: „So bin ich heilfroh, dass wir die Halle nicht für die Unterbringung von Asylbewerbern nutzen müssen.“ Wie es weiter geht, stehe aber in den Sternen.

Für Günter Kuckelkorn, Vorsitzender des Stadtsportverbands Würselen, sind die Prioritäten klar: „Wenn es nicht anders geht, erfordern es Solidarität und Menschlichkeit, Asylbewerber auch in Sporthallen unterzubringen!“ Zuvor sollten aber intensiv alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein.

Den Hinweis des Landessportbunds, dass manche Vereine in ihrer Existenz bedroht seien, wenn sie länger auf ihre Sportstätten verzichten müssen und Vereinsleben sowie Wettkämpfe nicht stattfinden oder verlegt werden müssen, erweitert Kuckelkorn um einen Aspekt: Nicht ohne Grund fördern Landesregierung und Landesportbund das Engagement von Sportvereinen in der Flüchtlingshilfe. Um Asylbewerbern die Möglichkeit zu geben, unter Anleitung Sport zu treiben und so zur Integration beizutragen. Da wäre es kontraproduktiv, bei schlechter werdendem Wetter dazu dringend benötigte Sportstätten mit Flüchtlingen zu belegen.

Joachim Blume, Vorsitzender des Stadtsportbunds Alsdorf: „Noch gibt es keine Engpässe. Das hat sich innerhalb des Stadtgebiets gut eingespielt. Sollten weitere Turnhallen umfunktioniert werden, könnte es aber zu Schwierigkeiten kommen. Besonders – das kann man sich ja denken – wären Sportarten wie Handball oder Turnen betroffen, die drinnen stattfinden, im Wintertraining aber auch Fußball.“

Engpässe befürchtet man auch in Baesweiler nicht, was die Hallennutzung während der Wintermonate betrifft. Bislang musste eine Halle umfunktioniert werden, das konnten die Sportler insgesamt verkraften. Zwar mussten die Bogenschützen und die Turngemeinde Setterich umquartiert werden, als die Turnhalle der ehemaligen Lessingschule zur Notunterkunft wurde, doch gab es noch genug Puffer im Zeitplan.

Und Schulsport fand in der Halle ohnehin nicht mehr statt. „Wir schauen sehr darauf, dass alle Vereine in der Stadt Möglichkeit zur Hallennutzung haben“, sagt Marco Engels, Geschäftsführer des Stadtsportverbands. Auch die Fußballer, die dieser Tage ihr Training unter freiem Himmel beenden.

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