Nordkreiskommunen sind sich einig: Nein zu Facebook

Von: Naima Wolfsperger
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Rechtliche Grauzone: Die Kommunen im Nordkreis haben sich jeweils gegen Auftritte in den Sozialen Medien entschieden. Foto: dpa

Nordkreis. Die Selbstdarstellung in den Sozialen Medien gehört für große Unternehmen – und immer öfter auch für öffentliche Einrichtungen zum Alltag. Die Städteregion Aachen tritt nicht nur über Facebook, sondern auch über Twitter und Youtube mit den Menschen in Kontakt.

Internetaffine Bürger in den Nordkreiskommunen Alsdorf, Baesweiler, Würselen und Herzogenrath können dabei nur über die Homepage mit den Verwaltungen in kommunizieren. Warum nicht über die niedrigschwelligen Sozialen Netzwerke?

Alsdorf: Für Bürgermeister Alfred Sonders hat sich das Thema Facebook vorerst erledigt: „Es ist besprochen worden. Aber es fehlt an Personal, um solch einen Kanal zu pflegen und fortlaufend aktuell zu halten.“ Außerdem sehe er die Stadt über die reguläre Internetseite gut vertreten und durchaus in der Lage, Information an die Bürger heranzutragen.

Würselen: Auch hier fehle es an Personal, gesteht Sprecher der Stadt Bernd Schaffrath ein. Aber auch wegen des oft unangemessenen Tons auf Facebook und anderen Plattformen habe sich der Verwaltungsvorstand bereits 2015 gegen die Präsenz in den Sozialen Medien entschieden. „Die Umgangsformen auf Facebook sind oft erschreckend. Dem wollen wir uns nicht aussetzen.“

Müsse man sich auch nicht, findet Schaffrath, der einen Schwerpunkt auf die inhaltliche Qualität des Bürgerkontaktes legen möchte: „Wir wollen in Würselen neutral und objektiv informieren. Und wir schaffen das auch über unsere Homepage, über einen Newsletter und die traditionellen Medien.“

Baesweiler: „Auftritte in den Sozialen Medien sind sehr arbeitsaufwendig“, sagt Birgit Kremer-Hodok von der Stadt Baesweiler. Über die Homepage sei man gut vertreten, und die Bürgernachfrage nach einem Facebook-Auftritt der Verwaltung sei in den vergangen Jahren zurückgegangen. „Wir sind unmittelbar am Bürger und somit viel näher an der Bevölkerung, als es beispielsweise die Städteregion Aachen ist.“

Die wöchentlichen Sprechstunden des Bürgermeisters Dr. Willi Linkens seien immer gut besucht und auch über die Homepage ermögliche die Verwaltung gute Absprachemöglichkeiten für die Bürger. Bei der Diskussion über einen Facebook-Auftritt sei man auch an der Frage gescheitert, wer den Bürgern eigentlich antworten müsse. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das eigentlich nur der Bürgermeister sein kann“, sagt Kremer-Hodok. Darüber müsste er dann aber andere Aufgaben vernachlässigen, „das geht nun wirklich nicht.“

Herzogenrath: Vor allem aus rechtlichen Gründen habe sich die Verwaltung in Herzogenrath gegen einen eigenen Auftritt in den Sozialen Netzwerken entschieden. „Sie bergen Probleme und Fallstricke, unter anderem in Bezug auf den Datenschutz, Urheberschutz, Mitarbeiterschutz und die Problematik von sogenannten Shitstorms“, erklärt Petra Baur, Sprecherin der Stadt Herzogenrath. Außerdem sei ein großer Personalaufwand erforderlich. „Wir beobachten die weitere Entwicklung, insbesondere zum Datenschutz, und werden uns bei Verbesserungen der Rahmensituation den Sozialen Medien nicht verschließen.“

Die Städteregion Aachen hat 2014 eine Mitarbeiterin zur Social-Media-Managerin ausbilden lassen. „Damit wir nicht in die Fallen tappen, die das Internet stellen kann“, sagt Detlef Funken, Sprecher der Städteregion. Er betont die Berechtigung der Sorgen kommunaler Verwaltungen, ob ihr Facebook-Auftritt überhaupt vertretbar ist.

Für die Städteregion seien die verschiedenen Kommunikationskanäle im Internet eine tolle Form, um den Bürgern auf Augenhöhe zu begegnen. „Informationen und gegebenenfalls Kritik der Bürger erreichen uns unmittelbar; und wir nehmen die Einwände der Bürger sehr ernst.“

Nachrichtliche Information laufe über Twitter. Als immer wichtiger empfinde Funken aber den Youtube-Auftritt der Städteregion. „Videos und Tutorials, die auch auf Gebärdensprache ausgestrahlt werden, erleichtern den Bürgern den Einstieg in die Verwaltung.“

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