Nordkreis - Nordkreis: Fehlanzeige bei Kampf-Radlern

Nordkreis: Fehlanzeige bei Kampf-Radlern

Von: Thomas Vogel
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Setzen auf Aufklärung: Auch die Mitarbeiter der Stadt Alsdorf weisen beizeiten Radfahrer auf ihr Fehlverhalten hin, ansonsten sind sie in erster Linie für den ruhenden Verkehr zuständig. Foto: Thomas Vogel

Nordkreis. Kampf-Radler: was sich martialisch anhört, ist die Umschreibung für Radfahrer, die im Verkehr bewusst Gefahren eingehen. Geprägt hat sie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der damit eine bundesweite Debatte ausgelöst hat.

Auch die Gewerkschaft der Polizei fordert härtere Strafen für die Delinquenten auf zwei Rädern. Ein Indiz dafür, dass es für derartige Maßnahmen an der Zeit sein könnte, sind Unfallzahlen. Die Polizei in Aachen wertet fortlaufend Unfälle mit Personenschäden aus. Auffallend: Im Vergleich zu 2010 ist die Zahl verunglückter Radfahrer in der Städteregion 2011 um 116 auf 451 Unfälle gestiegen. Auf den Nordkreis entfallen davon 102 Unfälle (2010 waren es noch 80), von denen wiederum 48 von Radfahrern verschuldet wurden. Auch die Unfallursachen zählt die Auswertung auf: Benutzung der falschen Fahrbahn, Nichtbeachten der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen sowie andere Fehler der Fahrzeugführer.

Vier Unfälle mit Personenschaden sind 2011 von Radfahrern unter Alkoholeinfluss verursacht worden. Welche der von den Radlern verschuldeten Unfälle auf Gedankenlosigkeit oder unglückliche Zufälle zurück gehen, oder wann sie eine Verkehrsgefährdung bewusst in Kauf genommen haben, darüber schweigen die Zahlen. Bundesweit wollen nun die Wortführer der Kampf-Radler Debatte übermäßigem Alkoholgenuss und Rowdytum nicht nur mit härteren Strafen zu Leibe rücken. Auch Helmpflicht oder Kennzeichen für Fahrräder sind im Gespräch.

Maßnahmen, die alle Radler treffen. „Ramsauer pauschalisiert”, sagt Oliver Schmidt verärgert. Der Radwegebeauftragte der Stadt Alsdorf war selbst drei Jahre lang Tag für Tag mit dem Rad unterwegs, ist während dieser Zeit dreimal auf dem Radweg von Autos angefahren worden. „Ram-sauer sollte sich im Berufsverkehr selbst mal aufs Fahrrad setzen”, schlägt er vor. Dann sehe er, wie schwer es generell sei, sich auf dem Drahtesel im Verkehr zu behaupten. Rowdies auf dem Rad sind Schmidt im Nordkreis bisher nicht aufgefallen. In Aachen sei das anders. Dort gebe es zum Beispiel Rotlichtverstöße schon mal zu beobachten. Dennoch ist seiner Erfahrung nach der größte Teil der Radler vernünftig unterwegs. Mehr Radfahrer bedeuteten gleichzeitig weniger kaputte Straßen, weniger Staus und Parkplatznot, es fördere die Gesundheit und schone nicht zuletzt die Umwelt.

Das sich die gesamte Radfahrgemeinde dann solche Kommentare anhören müsse, darüber ist Schmidt wütend. „Mein Wunsch ist, dass jeder innerhalb der Führerscheinausbildung eine Pflichtstunde auf dem Fahrrad im Straßenverkehr absolvieren muss, um auch die andere Seite einmal kennenzulernen und das gegenseitige Verständnis zu fördern”, erklärt er. Einen Grund für Rotlichtverstöße vermutet Jochen Papke in den für Radler ungünstigen Ampelschaltungen. Schon oft sei er unterwegs an Ampeln fast verzweifelt, weil er die Grünphase durch niedrigere Geschwindigkeit als bei Autos nicht erwischt, erzählt das Mitglied im Radfahr-Club 09 Noppenberg.

Erst einmal von einer Rotlichtphase ausgebremst, könnten sich einige Radfahrer dazu verleitet fühlen, das Haltesignal zu „übersehen”. Kampf-Radler hält er dennoch für einen zu harten Begriff, zumindest für die Städte des Nordkreises. Seiner Erfahrung nach gebe es zwar Verstöße, die seien aber nicht so häufig und weniger schwer als in großen Innenstädten. Auch der passionierte Zweirad-Fahrer plädiert für eine Erziehung der Radfahrer. Durch höhere Strafen und somit verstärkter Abschreckung, intensivere Kontrollen oder eine bessere Ausbildung.

Eine Verkehrserziehung gibt es, wenn auch in anderem Kontext. Mit speziell auf den Radverkehr ausgerichteten Übungen beginnt die Direktion Verkehr, Verkehrsunfallprävention und Opferschutz der Polizei in den vierten Schulklassen, um auf die Gefahren auf dem Schulweg zu den weiterführenden Schulen vorzubereiten. Nachdem die Unfallzahlen in der Vergangenheit signalisierten, dass zunehmend ältere Kinder mit dem Rad verunglücken, ist die Prävention an weiterführenden Schulen forciert worden.

Für den Nordkreis ist Willi Lersmacher in den Bildungsstätten unterwegs - im Auftrag der Verkehrssicherheit. „Bei der Fahrradausbildung merkt man, wer zur Selbstüberschätzung neigt”, erklärt der 57-jährige Polizeibeamte. Das wird dann auch auf dem Radfahrprüfbogen vermerkt, den die Eltern bekommen, um darauf regieren zu können. Außerdem sind Konzepte in der Direktion Verkehr erarbeitet worden, um mehr in Sachen „falsches Verhalten von Radfahrern” zu unternehmen. Eine erste kleine Aktion wird die technische Überprüfung der Schülerbikes am Schulzentrum Herzogenrath sein. Außerdem wird es verstärkte Kontrollen von Radfahrern geben, schwerpunktmäßig in Aachen, aber auch im Nordkreis.

Ideen und Ziele formuliert

„Gegen Verstöße aus planerischer Sicht vorzugehen ist sehr, sehr schwierig”, gibt Rodas Verkehrsingenieur Joachim Hergesell zu bedenken. Das einige Radfahrer vermeintlich im Glauben leben, Verkehrsregeln gelten nicht für sie, könnte an der stärkeren Individualität des Rades innerhalb des Straßenraumes liegen, vermutet er. Da werden Nebenflächen ebenso einfach nutzbar wie die Straße. Logische Maßnahmen gegen Raser auf dem Rad, wie Poller auf abschüssigen Wegen, seien oft mit Blick auf die Barrierefreiheit nicht umsetzbar.

Herzogenrath als fahrradfreundliche Stadt legt besonderes Augenmerk auf den Ausbau des Radwegenetzes. Zuletzt hat die Stadt im Rahmen des Programms ByPad eine Arbeitsgruppe gebildet, um Maßnahmen zur Sicherung und Stärkung des Radverkehrs auszuarbeiten. Im Moment wird der Endbericht erstellt, in dem Ideen und Ziele formuliert werden. Die Hoffnung auf umfangreiche Verwirklichung ist angesichts der miserablen Haushaltslage jedoch nicht sehr groß.
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