Alsdorf - Noah Nagelsdiek: Rennfahrer startet mit 17 voll durch

Noah Nagelsdiek: Rennfahrer startet mit 17 voll durch

Von: Helena Mertens
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In voller Kluft: Rennstrecken betrachtet der 17-jährige Noah Nagelsdiek als seine zweite Heimat. Foto: Helena Mertens
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Ein PS-starker Bolide: Mit diesem Wagen meisterte der 17-jährige Noah die Challenge. Foto: Gerd Nagelsdiek

Alsdorf. Sein Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Mal fegt er im Rennoutfit mit 220 Stundenkilometern über den Nürburgring, am anderen Tag schleicht er mit einem Elternteil auf dem Beifahrersitz durch die 30er Zonen der Nachbarschaftsgegend. Der 17-jährige Noah Nagelsdiek hat ein Hobby, von dem viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene nur träumen können: Er ist Rennfahrer.

Angefangen hat Noahs Leidenschaft für hohe Geschwindigkeiten mit einem Geschenk seines Vaters. Mit zehn Jahren saß der Schüler dann zum ersten Mal in einem Go-Kart, hat einen Wochenendkurs gemacht und einen Lizenzlehrgang bestanden. Nach einer Trainingsphase trat er seine ersten Wettkämpfe mit den knapp 100 Stundenkilometern schnellen Karts an und lernte auf seine ganz eigene Weise, was das Wort Disziplin bedeutet.

„Ich bin ins Fitnessstudio gegangen, habe Fußball gespielt und bin gejoggt, um das ideale Gewicht und somit eine bessere Geschwindigkeit bei den Rennen zu erzielen“, sagt der heute 17-Jährige. Mit seinem Vater, der ihn zu den Rennen in ganz Deutschland begleitet, einem Fitnesstrainer und mehreren Mechanikern, die das Kart warten und den Datenaufzeichner auswerten, hatte der Schüler schon früh ein ganzes Team um sich.

„Viele sehen das Kartfahren nicht als Sport an. Die denken es sei einfach nur Spaß. Dass man unter dem Helm bei 40 Grad schwitzt oder Ahnung von Technik haben muss, können die nicht verstehen“, erklärt der 17-Jährige. Um die Rennen an den Wochenenden antreten zu können, wurde der Jugendliche vom Unterricht in seiner Alsdorfer Realschule freigestellt. „Trotzdem hatte die Schule immer die erste Priorität. Er sollte nur fahren, wenn die Noten auch gut waren“, betont Gerd Nagelsdiek, Vater des 17-Jährigen.

Mit seinem 16. Lebensjahr hat Noah sein Kart gegen einen BMW M235i eingetauscht. Seitdem fährt er mit einem 330 PS starken Rennwagen auf Grand-Prix-Strecken wie dem Hockenheimring. Nach elf gefahrenen Rennen in diesem Jahr darf sich der Schüler Saisonmeister der BMW Challenge 2017 nennen. Dass Noah seine Träume verwirklichen kann, hat er vor allem seinem Vater zu verdanken.

Nur durch dessen finanzielle Unterstützung kann er sein kostspieliges Hobby stemmen. Denn statt üppiger Preisgelder gibt es für den 17-jährigen Schüler bislang Pokale oder Sachgeschenke. Der Weg zum Erfolg ist mühselig und langwierig, wie Gerd Nagelsdiek, Geschäftsführer eines Alsdorfer Elektrounternehmens, weiß: „Meist scheitert es am Geld und das wollte ich verhindern. Um ein Profi werden zu können, muss man erstmal jahrelang investieren. Wir wissen aber auch, dass die Teamchefs nur so auf ihn aufmerksam werden können.“

Obwohl das nicht alltägliche Hobby des 17-jährigen Schülers aus Alsdorf alles andere als ungefährlich ist und schon manch eine Familiendiskussion ausgelöst hat, überwiegen für den Vater die Vorteile des Motorsports. Angst habe er um seinen Sohn nicht, weil er auf seine Fähigkeiten vertraue.

Die Frage, wie sehr das eigene Privatleben unter der zeitintensiven Passion leidet, beantwortet der Schüler lächelnd: „Ich habe genug Zeit und betrachte die Rennstrecke als meine zweite Heimat. Und auch wenn man es schon hundert Mal gemacht hat, ist es immer wieder ein Adrenalinkick, wenn die roten Lampen ausgehen. Das ist ein ganz besonderes Gefühl.“

Ob Noah eines Tages sein Hobby zum Beruf machen kann, ist noch ungewiss. In jedem Fall wird er im nächsten Jahr sein Fachabitur machen und im Anschluss Elektrotechnik studieren. Mit einem zweiten Standbein will der Alsdorfer auf Nummer sicher gehen. „Die Belastung auf den Körper ist sehr hoch. Nach dem ersten Rennen konnte ich meinen Nacken tagelang nicht bewegen. Das wäre ein Job, den man kein Leben lang macht“, weiß der 17-Jährige.

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