Niemand soll als Verlierer vom Platz gehen

Von: Verena Müller
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Berechnungen für Standort Krottstraße für die Tonne? Bürgerinitiative zweifelt an Glaubwürdigkeit der Würselener Verwaltung. Foto: V. Müller
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Ziehen in der Bürgerinitiative an einem Strang: Klaus Köhler (v.r.), Friedhelm Steinbusch, Elfriede Drabent und Hans Peter Drabent (CDU).

Würselen. Wenn man die Aufgabe von Friedhelm Steinbusch mit einer Geste beschreiben müsste, dann wären das zwei in der Luft schwebende Handflächen, die den aufmüpfigen Zwillingen Unverständnis und Zorn sanft den Kopf tätscheln und sie so beschwichtigen.

Steinbusch ist Anwalt der Bürgerinitiative gegen den Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße (BI) und saß am Dienstag mit den Wortführern der BI bei der Pressekonferenz im Vereinsheim des VfR Würselen vor Kopf. Er übernahm den Hauptredepart, gefolgt von Klaus Köhler.

Ergebnisoffen

Botschaft: Ein Runder Tisch soll es nun richten. Ergebnisoffen wolle man ins Gespräch reingehen – und sich sogar davon überzeugen lassen, dass ein Gesamtschul-Neubau auf dem Ascheplatz an der Krottstraße die bessere Alternative zu einer Sanierung des Baus an der Tittelsstraße ist. Wenn, ja wenn Würselener Politik und Verwaltung plausible Argumente liefern können. „Niemand soll als Verlierer vom Platz gehen“, so Steinbusch. Es gehe nicht darum, einzelne Personen zu diffamieren. Aber man dürfe eine schlechte Idee nicht allein aus dem Grund weiterverfolgen, weil sie schon viel Geld gekostet hat.

Warten auf den Bürgermeister

Ein Termin für einen Runden Tisch stehe noch nicht, so Steinbusch weiter, aber Bürgermeister Nelles habe versprochen, zeitnah einen Termin zu nennen. Teilnehmen sollen neben Nelles und der Bürgerinitiative Vertreter der Verwaltung und aller Parteien. Mit dem neutralen Mediator – der ein anderer als Steinbusch sein wird – sollen im Vorfeld alle Themen abgestimmt werden, die besprochen werden müssen. „Das können von Verwaltungsseite durchaus andere sein als von der Bürgerinitiative gewünschte“, so Steinbusch.

Die Argumente, warum Köhler und die Mitstreiter den Standort Krottstraße ablehnen, sind bekannt: fehlende Untersuchungen und Prognosen zu Lärm, Emissionen, einer möglichen Kontaminierung des Bodens aus Zeiten der Teerfabrik sowie zur Entwässerung des Geländes. Nichts davon sei im Vorfeld geklärt worden, mögliches Gefährdungspotenzial werde einfach in die Baugenehmigung verschoben. Außerdem sei unklar, wie die geringen räumlichen Kapazitäten bei steigenden Schülerzahlen behoben werden sollen. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass die Verwaltung aus Sicht der BI mit falschen, beschönigten oder nicht vergleichbaren Zahlen jongliert. Beispiel: zu erwartende Verkehrsströme am zentralen Verkehrsknoten Willy-Brandt-Ring/Stadtmitte (siehe Kurzinterview), nicht berücksichtigte Kosten für die Vorbereitung des Geländes (damit die Kosten bei der ÖPP-Ausschreibung die 23 Millionen Euro nicht überschreiten, seien die Erschließungs- und Folgekosten in Höhe von fünf Millionen Euro einfach rausgerechnet worden) und unterschiedliche Vergleichsgrößen in der Gegenüberstellung Tittelsstraße – Krottstraße. Für eine Sanierung des Baus der auslaufenden Realschule an der Tittelsstraße seien rund 1000 Quadratmeter zu viel berechnet worden. Oder anders formuliert: Der geplante Neubau an der Krottstraße sei von vornherein zu klein dimensioniert worden.

Warum neu diskutiert werden darf oder sogar muss, obwohl ein gültiger Ratsbeschluss vorliegt, erklärt die BI mit der „Änderung der Geschäftsordnung“. Zunächst gehe der Beschluss auf ein Junktim zurück, unter dem Motto: Wenn die CDU in der großen Koalition die Kröte „Standort Krottstraße“ schluckt, trägt die SPD auch den Sportstättenentwicklungsplan mit. Nun ist die Groko aber auseinandergebrochen, ein Teil des Ratsbeschlusses zum Gesamtschulstandort aus Sicht der BI nicht umgesetzt und somit der gesamte Beschluss in Frage zu stellen. Darin habe es geheißen, vor dem Neubau sei ein Ersatz-Aschenplatz zu schaffen.

Der Punkt ist also eng mit dem Sportstättenentwicklungsplan verknüpft. Und wie es damit weitergeht, steht in den Sternen. Zuletzt hatte Nelles einen Bürgerentscheid angeregt, der im September durchgeführt werden könnte. Im Herbst soll aber schon an der Krottstraße gebaut werden. Damit wäre ein rechtzeitiges Fertigstellen einer Ersatzfläche faktisch ausgeschlossen.

Worum sich die BI nun bemühen will, ist eine Aussetzung der Offenlegung, die am 19. Juni beginnen soll, und das Gespräch mit allen Beteiligten am Runden Tisch. Ihr Ziel bleibt dabei die Sanierung des Gebäudes an der Tittelstraße. Warum die Stadt nicht die gegenüberliegende Rasenfläche zwecks Erweiterung zu einem größeren Bildungskomplex, beispielsweise mit einer Kita, erworben hat, sei unverständlich, so Köhler, der bis zuletzt ebenso wie die anderen Anwesenden ruhig und sachlich geblieben ist.

Steinbusch kann also aufatmen. Das Bild der „fröhlichen Bürgerinitiative“ würde ihm viel besser gefallen als das der „Wutbürger“, hatte er eingangs noch gesagt. Aber soweit war es Dienstag dann doch nicht.

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