„New Kids”: Dorfprolls erobern Alsdorfer Cinetower

Von: Holger Bubel
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In zivil ganz passable Bursche
In zivil ganz passable Burschen und nur für den echten Fan mit den New Kids in Verbidnung zu bringen: Flip van der Kuil (v.l.), Huub Smit und Stefen Haars schlüpfen nur für ihre Filme und Sketche in ihre 90er-Jahre-Klamotten . Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Entertainment als Importschlager aus den Niederlanden ist doch eher Mangelware - wenn nicht gerade der sportliche Sektor bemüht wird, auf dem die Herren Robben, Huntelaar und Co. (für den hiesigen Raum der technisch versierte Bas Sibum) mit fußballerischen Leckerbissen bestechen.

Fast unbemerkt vom älteren Publikum sorgen jedoch seit einiger Zeit in Deutschland fünf junge Niederländer für filmische Furore: die „New Kids”. Im Alsdorfer Cinetower stellten sie jetzt mit einer Deutschlandpremiere ihren zweiten Spielfilm, „New Kids Nitro”, vor.

Für die weniger Informierten: New Kids, das bedeutet übelstes 90er-Jahre-Styling mit Vokuhila-Frisuren (vorne kurz, hinten lang), Goldkettchen und Adiletten, Testosteron im Überschuss, prollige Sprüche, die tief, ganz tief unter die Gürtellinie gehen und nach deutschem Maßstab ein absolutes No-Go sind, dazu Dosenbier in rauen Mengen! Gegenüber den New Kids waren die einstigen niederländischen Filmstars, die auch in Deutschland berühmt-berüchtigten „Flodders”, eine Kuschel-Familie im Adelsstand.

Die fünf Dorfprolls aus dem niederländischen Maaskantje entwickelten sich binnen kürzester Zeit zu einem wahren Phänomen. Zunächst im TV-Sender Comedy Central gestartet, machten sie im Kino die Sensation komplett. Ende April 2011 sicherte sich „New Kids Turbo” mit rund 200.000 Besuchern und 1100 Besuchern pro Startkopie gleich am ersten Wochenende Platz eins der deutschen Kinocharts. Die Facebook-Seiten der New Kids haben inzwischen mehr als 650.000 Fans, auf YouTube kommen die Holländer auf über 60 Millionen Views.

Huub Smit (Richard), Steffen Haars (Robbie) und Flip van der Kuil (Barrie) staunten dennoch nicht schlecht, als sie von knapp 1000 laut grölenden Fans in Proleten-Outfit am und im Cinetower in Alsdorf empfangen wurden.

„Bei uns in den Niederlanden ist die Euphorie ja schon riesig, aber Deutschland ist ja noch verrückter”, zeigte sich Huub Smit beeindruckt von den Sympathiebekundungen der überwiegend jungen Fans. Dass diese über die Stränge schlagen könnten, damit rechnete Cinetower-Betreiber Leo Stürz nicht - auch wenn man den Eindruck hatte gewinnen können, dass deutlich mehr Security-Personal im Einsatz war, als bei anderen Events und Film-Premieren im Tower.

„Wenn man die New Kids zu Gast hat, dann muss man damit rechnen, dass die eine oder andere leere Bierdose anschließend weggeräumt werden muss. Aber das ist auch schon alles”, blieb Leo Stürz trotz grölender New Kids-Fans - viele ausstaffiert mit Sportanzügen aus Ballonstoff, Vokuhila-Perücken und übertrieben auffälligen Goldimmitat-Ketten - gelassen. „Alsdorf”, sagt Stürz, „ist die beste Location, die man für die Premiere eine New Kids-Film wählen kann. Das Foyer im Cinetower mit Gastronomie bietet den optimalen Rahmen für feierwütige New Kids-Fans.”

Was genau diese mit typisch niederländisch langgezogenen Vokalen so alles grölten, darüber wird der Mantel des Schweigens gehüllt. Warum aber ausgerechnet die Deutschen von dem Phänomen aus den benachbarten Holland so begeistert sind, versuchten besonders die zahlreich angereisten niederländischen Journalisten herauszufinden, die den jungen Deutschen dazu mit Filmkamera und Mikrofon auf den Zahn fühlten.

Nicht etwa dass die drei zur Premiere erschienenen Film-Protagonisten sich als Botschafter der Nachbarn präsentierten, nein, vielmehr entdeckten die deutschen Jugendlichen sich selbst in den Dorfprolls wieder, wie ein Student aus Aachen einem Filmteam ins Mikrofon verriet: „Diese Sprache mit ey und Jonge an fast jedem Satzanfang und -ende. Das hört man bei uns ständig. Und nicht nur wenn die New Kids imitiert werden”, amüsierte sich der Student über einen Sprachwandel, der selbst den Jugendlichen, die sich eben dieser Spielart bedienen, auffällt. Der derbe Humor und Grenzen, die dabei nicht nur berührt, sondern überschritten werden, tun ihr Übriges, um die Massen ins Kino strömen zu lassen.
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