Würselen - Neujahrsempfang: Viele Ideen müssen entwickelt werden

Neujahrsempfang: Viele Ideen müssen entwickelt werden

Von: ehg
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Anerkennung: Bürgermeister Arno Nelles (l.) dankte dem 16-jährigen Fabian Schmitz für die Rettung eines verunglückten Motorradfahrers. Foto: Wolfgang Sevenich
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In der Aula an der Klosterstraße: Beim Neujahresempfang der Stadt Würselen stimmte Bürgermeister Arno Nelles (r.) die Gäste auf die Herausforderungen des neuen Jahres ein. Fotos (2): Wolfgang Sevenich Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Mit Bürgern, die sich auch in 2014 haupt- oder ehrenamtlich gesellschaftlich – angefangen bei der Politik über die Schulen und die Vereine bis zur Wirtschaft – engagiert haben, stieß Bürgermeister Arno Nelles beim traditionellen städtischen Neujahrsempfang in der Aula an der Klosterstraße auf ein „gutes neues Jahr“ an.

Er dankte nicht nur ihnen, sondern allen Bürgern der Stadt für deren Engagement um das Allgemeinwohl im vergangenen Jahr. Einen Segensgruß Gottes überbrachten die Sternsinger, deren drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar in diesen Tagen von Haus zu Haus ziehen. Sie baten um eine „milde Gabe“ für rund 2000 Projekte des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“ weltweit. In ihnen werden Kinder betreut, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind.

Vorab gratulierte Würselens Bürgermeister sowohl seinen hoch geschätzten Vorgänger, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, aber auch der Karls-Preiskommission der Stadt Aachen zu dessen Wahl. Er habe Europa ein Gesicht gegeben.

Mit überaus zahlreichen Gästen blickte Nelles zurück auf „ein äußerst spannendes und auch persönlich ereignisreiches Jahr“. Offen gestand er nach seiner Wiederwahl im Mai, „nicht nur dankbar zu sein, Ihr Bürgermeister sein zu dürfen. Vielmehr macht es mir auch Spaß.“ Er konfrontierte sie offen mit den Herausforderungen, die in naher Zukunft gemeistert werden müssen. „Um sie zu bewältigen, werden wir angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen viele Ideen entwickeln müssen.“ Dabei ist es für ihn kein Trost, dass das Haushaltsproblem mittlerweile fast alle Kommunen betreffe.

Das liege daran, „dass die Finanzausstattung der kommunalen Ebene grundsätzlich zu knapp ist und deshalb überarbeitet werden muss“. Den Menschen in Würselen sei es zu verdanken gewesen, dass die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben geschlossen werden konnte, „die ohne sich zu beklagen, viele Zugeständnisse machten, sowohl was die städtischen Leistungen aber auch bei den städtischen Kosten machten“. Doch Mitte 2014 habe sich gezeigt, „dass wir vor Ort zwar vieles wünschen, aber nur wenig selbst bestimmen können“.

Durch zahlreiche Krisen in der Welt sei auch die Zahl der Menschen, die in Deutschland und damit auch in Würselen Schutz suchten, rasant gestiegen. „Es kamen Menschen zu uns, die auf ihrer Odyssee Schreckliches erleben mussten. Wir müssen diesen Menschen helfen!“, steht für Arno Nelles außer Frage. Dabei dürfe es aber nicht die überwiegende Aufgabe der Kommunen sein, den Asylsuchenden unter die Arme zu greifen.

Mit Nachdruck betonte er: „Menschen in Not Asyl zu gewähren, ist eine nationale Verpflichtung.“ Es dürfe nicht sein, dass mehr als 80 Prozent der entstehenden Kosten von den Städten und Gemeinden getragen werden, während die Bundesregierung sich eines ausgeglichenen Haushalts rühme. „Wir wollen und können uns nicht davor drücken, die Menschen zu integrieren“, sprach Nelles „seine“ Bürger direkt an.

Keine Politikverdrossenheit

Um sie einzubinden, werde es in der nächsten Woche schon eine Veranstaltung vor Ort geben. Die zentralen Unterkünfte müssten neu definiert werde. Ziel müsse es sein, Asylsuchende möglichst schnell in ein „normales“ Umfeld einzuordnen. Es sei eine Illusion zu glauben, dass sich schon bald eine globale Entspannung in den diversen Krisengebieten der Welt einstellen werde. Zu Bedenken gab Nelles: „Die Menschen, die zu uns kommen, bieten eine Chance für uns, unsere eigene Zukunft zu gestalten.“

Einen dicken Strich durch die Bemühungen um Konsolidierung der Finanzen habe – so Nelles – die angekündigte Erhöhung der Regionsumlage gemacht, die mit zwei Millionen Euro zu Buche schlage. Er appellierte an die Städteregion, das Land und den Bund die Kommunen mit ihren finanziellen Problemen nicht alleine zu lassen. „Politikverdrossenheit darf nicht in Demokratieverdrossenheit ausarten.“ Nicht allein Würselen stehe das Wasser mehr als nur bis zum Hals. Nachdem neun von zehn Städten dem Haushaltsentwurf der Städteregion ihr Votum versagt hätten, sei er (Nelles) gespannt, wie die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde mit deren ablehnender Haltung umgehen werde.

„Würselen hat sich auch in 2014 sehr gut weiter entwickelt“, hatte der Bürgermeister auch Positives zu vermelden. Zahlreiche in Würselen ansässige Unternehmen hätten sich gut entwickelt und genössen in der Fachwelt einen exzellenten Ruf. Nicht zuletzt habe ein Unternehmen aus Würselen bei der WM in Brasilien vor den Augen der Welt bewiesen, was es zu leisten im Stande ist. Noch kurz vor Jahresende konnten Abschlüsse getätigt werden, die auch für das nächste Jahr und darüber hinaus von großer Bedeutung sein dürften.

Nicht zuletzt wurden für das Gewerbegebiet Merzbrück Schlüsselgrundstücke für ein interkommunales Gewerbegebiet erworben. Es seien beste Voraussetzungen geschaffen worden, Impulse für die gesamte Region zu geben.

Dank sagte Nelles seinem Aachener Amtskollegen Marcel Philipp für seine Unterstützung. „Unsere Stadt erfreut sich nach wie vor einer ungebrochenen Beliebtheit“, freute sich Nelles darüber, dass die Zahl der Einwohner mittlerweile auf über 39 000 Einwohner gestiegen ist. Nun sei es an der Politik, „zukunftsorientierte Parameter“ für die Versorgung der Neubürger auf den Weg zu bringen.

Ehrenamtler gelobt

Schließlich fand er noch ein kritisches Wort zu den Leerständen in der City, die nicht durch herunter gelassene Rollos und zugeklebte Schaufenster unterstrichen werden dürften. „Wir dürfen unsere Innenstädte nicht sterben lassen.“ Es gelte, schnell aktiv zu werden.

Am Ende lenkte Nelles noch den Blick auf die unbestreitbare Stärke des Ehrenamtes. „Die Ehrenamtler haben auch in 2014 wieder Unschätzbares geleistet.“ Als ein leuchtendes Beispiel präsentierte er den 16-jährigen Feuerwehrmann Fabian Schmitz. Er rettete einem verunglückten Motorradfahrer das Leben. Da er weder eine Ehrung noch eine Belohnung entgegen genommen hatte, überreichte ihm Bürgermeister Nelles eine Spende für die Jugendfeuerwehr, der er seit zweieinhalb Jahren angehört.

Musikalisch umrahmt wurde der Stadtempfang 2015 durch einen syrischen Asylbewerber auf seiner Gitarre sowie durch Pater Barnabas (Missionshaus Broich) und seinen Freunden auf ihren Trommeln.

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