Neujahrsansprache: Haushalt bleibt auch 2014 ein Sorgenkind

Von: Stefan Schaum
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Feine Musik: Der Harmonieverein St. Petrus umrahmte den Baesweiler Neujahrsempfang mit einer Mischung aus Klassik und Pop. Foto: S. Schaum
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Willkommen in einem besonderen „Rudel“: Als siebtem Empfänger überreichte Bürgermeister Willi Linkens (l.) Jürgen Drewes den Baesweiler Ehrenlöwen.

Baesweiler. Neujahrsempfang der Stadt Baesweiler: Ein starkes Wir-Gefühl soll helfen, Probleme zu lösen. Alarmstimmung gab es bei dem Empfang nur ganz zu Beginn. Als die meisten der gut 500 Gäste schon ihren Platz im Pädagogischen Zentrum gefunden hatten, schreckte ein lautes Piepen sie wieder auf.

Doch prompt kam Entwarnung: bloß ein Fehlalarm! „Immerhin konnten wir so feststellen, dass in unserem energetisch sanierten Gymnasium auch die Brandmeldeanlage funktioniert“, scherzte Bürgermeister Dr. Willi Linkens kurz darauf in seiner Neujahrsansprache. Und diese Anlage sei beileibe nicht das einzige, das in der Stadt funktioniere, wie er deutlich machte. Dass es gleichwohl große Herausforderungen gibt, verschwieg der Stadtchef aber nicht.

Knapp vorbei

So werden die Finanzen auch in 2014 ein „Sorgenthema“ bleiben, wie Linkens sagte. Ein Defizit von 111.661 Euro steht im jüngsten Haushaltsentwurf. Knapp vorbei ist auch daneben, heißt es bekanntlich – doch mit einem „nahezu ausgeglichenen Haushalt“ stehe man immer noch besser da, als manch andere Kommune im Land. „Wenngleich das nur ein schwacher Trost ist“, wie Linkens einräumte.

Dass die finanzielle Schieflage kein hausgemachtes Problem sei, unterstrich Linkens mehrfach. „Die Vorzeichen waren in 2013 schwieriger denn je, denn immer mehr Aufgaben sind unserer Stadt ohne entsprechende Finanzmittel zugewiesen worden.“ Vom Land hänge es auch ab, ob „der seit Jahrzehnten überfällige Bau der L 50 n zur Entlastung Setterichs“ realisiert werde. Das Vertrauen der Stadt dürfe „nicht länger enttäuscht werden“. Gleiches gelte für das geforderte interkommunale Gewerbegebiet zwischen Siersdorf und Baesweiler, das endlich im Landesentwicklungsplan verankern werden müsse. Alles getreu dem Motto: Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht – nun müssen andere Taten folgen lassen.

Mehr Wohngebiete für die Dörfer, der Anschluss an die Euregiobahn, der Erhalt auch der kleineren Grundschulen vor Ort, das Fortsetzen der Integrationsbemühungen – diese Dinge stehen 2014 auf der To-do-Liste. Und sie sollen gemeinsam angepackt werden, sagte Linkens. Denn das Wir-Gefühl, das bereits beim vergangenen Neujahrsempfang gepriesen wurde, sei die Stärke der Stadt. „Der offene und konstruktive Austausch in unserer intakten Gemeinschaft ist die wertvolle Grundlage vieler Erfolge.“ Auch eine Leitbilddiskussion wolle Linkens gemeinsam mit den Bürgern initiieren.

Persönlich wurde er hingegen nicht. Falls jemand darauf gewartet hatte, dass der Bürgermeister auf seine eigene politische Zukunft – namentlich eine Festlegung auf die erneute Kandidatur – eingehen würde, so mochte er enttäuscht sein. Sollte es da am Ende gar ein Omen sein, dass Linkens die Rede mit Worten des Philosophen Karl Popper beendete: „Die Zukunft ist weit offen“?

Der zweite Teil des Abends, der vom Harmonieverein St. Petrus mit einem Mix aus Klassik und modernem Pop à la „Adele“ untermalt wurde, gebührte dem Ehrengast: Jürgen Drewes, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen und jetzt gewürdigt mit dem Baesweiler Ehrenlöwen. „In den zurückliegenden 36 Jahren hat sich Jürgen Drewes große Verdienste um die Belange der gesamten Region erworben“, sagte Linkens in der Laudatio. Das gelte nicht zuletzt für Baesweiler. Vor allem seit Gründung des Technologie- und Service-Centers 1989 habe Drewes die Stadt in der Gesellschafterversammlung „engagiert begleitet und ihr jedwede Hilfe zukommen lassen.“ Seine anfängliche „nachvollziehbare Zurückhaltung gegenüber den Entwicklungsbestrebungen von Städten im Nordkreis“ habe Drewes rasch abgelegt.

Zurückhaltung? Diesen Begriff mochte der Geehrte nicht gelten lassen – selbst wenn seine erste Begegnung mit Baesweiler Ende der 1970er Jahre keine Liebe auf den ersten Blick war. Drewes: „Das war eine Ansammlung von Dörfern, in denen es mit einer gewissen Lebensqualität eher bescheiden zuging. Damals hatte Baesweiler insgesamt ein ärmliches Stadtbild, da fehlte die Form.“ Und heute? Komme er immer wieder gerne in diese Stadt. „Sie hat es zu einem modernen Mittelzentrum mit hoher Wohnqualität gebracht. Hier gibt es sehr gute Bedingungen für den Einzelhandel, um die andere Kommunen die Stadt beneiden.“ Gemeinsam habe man „die schwierige Anfangsphase gut gemeistert“, erinnerte sich Drewes auch an die Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister und heutigen Ehrenbürger Hans Plum, der dem Neujahrsempfang ebenso wie die bisherigen Besitzer des Ehrenlöwen beiwohnte. Dass er als siebter Empfänger nun Teil eines „ganz besonderen Rudels“ sei, erfülle ihn mit großem Stolz, sagte Drewes. Auch dafür gab es viel Beifall zum Schluss des knapp einstündigen offiziellen Teils. Und ihr Wir-Gefühl konnten die Gäste anschließend bei einem Glas Sekt noch vertiefen.

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