Neues Pilotprojekt: Kindern schneller Unterstützung anbieten

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Perspektiven bieten: Jennifer Kikum-Böckmann, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin, leitet das Gruppenangebot. Foto: Stenzel-Zenner

Würselen. Jedes zehnte Kind in Deutschland leidet unter Angst, jedes 20. unter Depressionen, jedes 50. unter einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder einer Hyperaktivitätsstörung. „Studien zeigen, dass über 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland psychische Auffälligkeiten haben“, sagt Jennifer Kikum-Böckmann, die im Zuge ihrer Masterarbeit im Bereich Sozialpädagogik zum Thema geforscht hat.

Das Thema: „Übergangsprobleme auf dem Weg in die ambulante Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“. Am Ende wusste die 27-jährige Aachenerin, dass diese Kinder viel zu lange auf einen ambulanten Therapieplatz warten müssen. „In der Folge sind Eltern und Kinder so verzweifelt, dass sie einen stationären Therapieplatz benötigen“, sagt Kikum-Böckmann.

Der Kinderschutzbund Alsdorf, Herzogenrath, Würselen, wo Kikum-Böckmann ihr Praktikum absolvierte, möchte diese Lücke schließen – mit einem sozialtherapeutischen Gruppenangebot für Kinder zwischen sieben und zwölf. Zurzeit läuft eine Pilotphase. Die Kinder kommen zu 20 wöchentlichen Treffen zusammen, um die Wartezeit bis zur ambulanten Psychotherapie zu überbrücken.

Die Stunden laufen nach einem bestimmten Schema ab. Vier Comicfiguren, Sieben- bis Zwölfjährige symbolisierend, führen inhaltlich durch die Gruppe. Sie wurden von Jennifer Kikum-Böckmann entwickelt: Da gibt es Tim, der unter Depressionen leidet. Er ist lustlos, in der Schule häufig isoliert und verbringt den Tag bei seiner Familie. Leon kämpft mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, eckt bei Mitschülern und Lehrern an und ist wenig in die Gemeinschaft integriert.

Lisa lebt als Scheidungskind in zwei Wohnungsgemeinschaften und sitzt mit starken Loyalitätskonflikten zwischen den Stühlen der neuen Familien von Mutter und Vater. Und Emma leidet unter Übelkeit, Kopfschmerzen und Lustlosigkeit. Sie zeigt, was passiert, wenn Kinder permanent unter Stress stehen. „Wenn die Kinder erzählen, was sie in der Woche erlebt haben, wenn sie merken, dass die anderen Kinder für sie Verständnis haben, geht es ihnen schnell besser“, erzählt Jennifer Kikum-Böckmann.

Neben den Gruppenstunden gibt es Gespräche mit den Eltern. Das neue Projekt ist für Teilnehmer kostenfrei und finanziert sich über Spendengelder. Weil es der erste Kurs analog zu dem von Jennifer Kikum-Böckmann erarbeiteten Konzept ist und als Pilotstudie gilt, wird er von der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen, wissenschaftlich begleitet.

Auch andere sollen profitieren

„Am Ende hoffen wir, ein gutes Konzept an interessierte Institutionen und andere Ortsgruppen des Kinderschutzbunds weitergeben zu können, damit die schnell größer werdende Gruppe psychisch erkrankter Kinder davon profitieren kann“, sagt Ulla Wessels, Geschäftsführerin des örtlichen Kinderschutzbunds.

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