Neues JVA-Projekt: Den Knastalltag hautnah spüren

Von: hob
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Fern eines verklärten Bildes:
Fern eines verklärten Bildes: Die Realität im Knast ist härter, als sich viele Jugendliche vorstellen können. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Wenn Kinder auf die Herdplatte packen, dann lehrt sie die Erfahrung, das künftig tunlichst zu unterlassen. Einen ähnlichen Erfolg - freilich deutlich mit anderer Gewichtung - erhoffen sich die Kooperationspartner aus Jugendgerichtshilfe, mobiler Jugendarbeit und Streetwork der Stadt Alsdorf sowie der Justizvollzugsanstalt (JVA) Geldern mit einem neuen Projekt zur Vermeidung von Haftstrafen.

Dabei werden Heranwachsende zwischen 14 und 20 Jahren mit inhaftierten Straftätern zusammengeführt - und zwar in deren Heimstätte, der JVA Geldern - die Herdplatte, wenn man so will.

„Bei den Jugendlichen handelt es sich um potenzielle ,Kunden deutscher Gefängnisse. Sie sind strafrechtlich so auffällig geworden, dass eine Knastzukunft mit all ihren Konsequenzen droht”, erklärt die Alsdorfer Streetworkerin Stefanie Lummerich.

Als Präventionsmaßnahme zur Umgehung dieser düsteren Aussicht sollen bei einem Besuch der JVA acht Alsdorfer Heranwachsende den Knastalltag hautnah kennenlernen. Sie werden mit Häftlingen und deren fragwürdigen Karrieren konfrontiert. „Viele Jugendliche haben ein völlig falsches Bild vom Gefängnis, romantisieren das Einsitzen. ,Dann gehe ich eben in den Knast. Da habe ich ja alles, was ich brauche und kann auch noch ein bisschen Geld verdienen ist allerdings eine Einschätzung, die fernab von der Realität ist”, sagt André Pabich aus seinen Erfahrungen in der Jugendhilfe im Strafverfahren.

Diese Realität sollen sie an einem Tag spüren, der für sie mit einer „realen” Aufnahme in der JVA sowie dem „Probesitzen” in einer Zelle beginnt und im Zusammentreffen mit Straftätern - darunter Mörder und Gewalttäter - gipfelt.

„Die Häftlinge machen bei dem Projekt freiwillig mit. Sie wollen von ihren Fehlern erzählen, helfen, dass den Heranwachsenden Ähnliches erspart bleibt”, erzählt Pabich. Sie werden berichten, dass das verklärte Bild der Jugendlichen vom Knast und Leben hinter Gittern ganz anders ist. Das Privileg der Arbeit steht beispielweise nicht jedem zu, 23 Stunden Zelle und eine Stunde Freigang kommen häufig der Wahrheit näher. Streng legitimierte Tagesabläufe, eingeschränkte Freiheit im Wortsinn und nicht tun und lassen können, wonach der Sinn steht - das ist das reale Leben in einer Haftanstalt.

Die Augen öffnen

Sowohl Jugendliche als auch Straftäter werden auf das Zusammentreffen vorbereitet, die Häftlinge erhalten Informationen über den Besuch aus der Freiheit, die Heranwachsenden werden in einem Vortreffen mit Lummerich und Pabich auf das eingestellt, was sie in Geldern erwartet.

„Die Erkenntnis, dass sich die Biografien der erwachsenen Sträflinge mit ihren eigenen decken, wird im Idealfall dem einen oder anderen Jugendlichen die Augen öffnen”, hofft Stephanie Lummerich auf Erfolg.

Schwierige Lebensumstände, falsche Freunde, finanzielle Schwierigkeiten stehen oft am Anfang einer kriminellen Karriere. Die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, auch Beratungsresistente und Unwillige durch das Projekt auf den Pfad der Tugend zu führen, ist das Projektziel.
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