Würselen - Neues Hüftgelenk: Operation nicht übers Knie brechen

Neues Hüftgelenk: Operation nicht übers Knie brechen

Von: ehg
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Altes Rathaus Info zum Thema „Probleme mit Hüfte und Knie“: (v.l.) Prof. Dr. Hans-Walter Staudte, Dr. med. Markus Graf, Kurt Groten, Dr. med. Jörg Ottensarend und Andreas Kalz, Sportwissenschaftler. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. „In Europa leben 39 Millionen Menschen mit einem künstlichen Knie. In Deutschland sind es über fünf Millionen“, führte der Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Markus Graf, in einer Informationsveranstaltung aus, zu dem das Medizinische Zentrum der Städteregion Aachen (MZ) ins Alte Rathaus eingeladen hatte.

Dass sich die Zahl bis zum Jahre 2020 verdoppeln werde, davon sei auszugehen. Das sei aber nicht allein nur darauf zurückzuführen, dass die Menschen immer älter werden. Als eigentliche Gründe dafür nannte er Übergewicht, übermäßige Belastung, Knorpelschäden durch Verletzungen, Gelenkentzündung (Arthritis), Knochenerkrankungen und Diabetes Mellitus sowie genetische Faktoren. Alle Neugeborenen würden auf mögliche Fehlbildung im Knie- und Hüftbereich untersucht, um rechtzeitig die erforderliche Therapie einleiten zu können.

Erfolgsquote bei 90 Prozent

Heute handele es sich bei der Einsetzung eines neuen Hüftgelenks um eine Routineoperation. Bei der Hüfte liege die Erfolgsquote bei rund 90 Prozent, beim Knie dagegen „nur“ bei 80 Prozent. Dass das Gelenk wieder herausspringe, das sei bei jedem 100. Patienten der Fall.

Wo die Ursachen zu suchen sind, stellte Dr. Graf detailliert dar. Zuversichtlich zeigte er sich, dass die neue Hüfte 15 Jahre lang funktioniert. Es müsse nicht immer operiert werden. „Doch wenn die Medikamente nicht mehr wirken und die Schmerzen immer größer werden, ist die Implantation eine gute Sache.“ Unter verschiedenen Kriterien werde extern deren Notwendigkeit „abgefragt“. Dann müsse die Operation individuell abgestimmt werden auf das Krankheitsbild eines jeden Patienten. Es gebe Maßnahmen, eine Hüftgelenk-Operation herauszuschieben, sie sei mehr für jüngere Patienten geeignet.

Dass auch das Hüftgelenk erhaltene Operationen zum Erfolg führen können, schloss Dr. Graf nicht aus. Der Direktor des Zentrums stellte dar, wie komplex das Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen und Knochen sind und wie ein modernes Implantat aufgebaut ist.

Bekannt machte er mit den verschiedenen Alternativen einer Prothetik. Dabei kam er auch auf die Kappenprothese, einen Oberflächenersatz, zu sprechen, die bis vor drei Jahren noch bevorzugt worden sei, aber heute nicht mehr so favorisiert werde. Allen Patienten schrieb er unmissverständlich ins Stammbuch: „Die Muskulatur muss Zeit haben, sich zu erholen“. Er riet, nach zehn Jahren die Prothese auf ihre weitere „Tüchtigkeit“ untersuchen zu lassen. Dass es keine Operation ohne Risiken gebe, ließ Dr. Markus Graf nicht unerwähnt.

Vorab hatte Professor Dr. Hans Walter Staudte, Gutachter bei der Ärztekammer und ehemaliger Chefarzt auf „Marienhöhe“ betont: „Die Qualität der Diagnose muss gesichert sein, dann wird die Operation von Erfolg gekrönt sein.“

Über den aktuellen Stand bei der Kniedoprothetik informierte Leitender Oberarzt Dr. Jörg Ottensarendt, der schon bei der voraufgegangenen Informationsveranstaltung zu diesem Thema detailliert referiert hatte.

Was die ambulante Nachsorge sowohl bei Hüft- als auch Kniegelenk-Implantationen anbetrifft, kam Physiotherapeut Kurt Groten zu Wort. Er rührte dabei auch die Werbetrommel für den Rehasport. „Wer sich in der Gruppe mit Gleichgesinnten wohlfühlt, der findet in unserem Rehasportprogramm den Einstieg in ein speziell zugeschnittenes Gesundheitstraining.“

Eine Verordnung über „Rehabilitationssport“ könne sich der Patient vom Arzt ausstellen lassen. Dann habe er im Regelfall Anspruch auf 50 Therapieeinheiten in einer Gymnastikgruppe. Das Reha-Zentrum ist Teil des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie auf „Marienhöhe“.

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