Neues Hallenbad in Kohlscheid: Finanzierung offen

Von: Markus Bienwald
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Maroder Altbau soll einem Neubau weichen: das geschlossene Hallenbad in Kohlscheid. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Das neue Bad in Kohlscheid soll kommen. Das hat der Bau- und Verkehrsausschuss am Dienstagabend beschlossen. Wie die Finanzierung aussieht, blieb allerdings offen. Weder wurde ein Finanzierungsmodell vorgestellt, noch eine Aussage darüber gemacht, ob die Stadt als Mieter in einem von einem Investor errichteten Bad einziehen könnte.

„Eine Finanzierung ist in diesem Ausschuss nicht Gegenstand der Diskussion“, sagte der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda. Er betonte zwar auf Nachfrage aus Reihen der Opposition, dass der Ausschuss in Sachen Badneubau Beschlusskraft habe. „Aber eine Finanzierung ist erst in weiteren, noch folgenden Schritten zu erarbeiten“, schloss Migenda. Zudem müssten noch externe Fachplaner ins Boot geholt werden, erst dann könne ein Finanzierungsmodell sinnvoll erarbeitet werden.

SPD und CDU zufrieden

Die unter seiner Federführung ausgearbeitete Sitzungsvorlage wurde seitens der Großen Koalition von SPD und CDU freudig empfangen. Einen Schulterschluss der „GroKo“ gab es bei der vorgeschlagenen Beibehaltung des Standortes an der Zellerstraße und beim Neubau mit fünf Schwimmbahnen plus Kinder- und Lehrschwimmbecken, aber ohne Sprungturm, Sauna und Gastronomie. Bis auf die Standortfrage war die Opposition auch mit dieser für Kosten von zirka 5,13 Millionen Euro zu errichtenden Variante einverstanden.

Beim Standort gab es seitens der Opposition allerdings den per Beschluss abgelehnten Wunsch, sich die Alternativstandorte noch einmal genauer anzuschauen. Norbert Voß (FDP) fragte beispielsweise, ob alle Bodengutachten wirklich in Gänze vorlägen. „Meiner Meinung nach hätten wir schon vor einem Jahr diesen Stand haben können“, sagte er. Auch fragte der Liberale, ob die Untersuchungskosten für das Hallenbad nicht überflüssig gewesen seien. Das sah der Technische Beigeordnete ganz anders. Er betonte, dass ohne die Gutachten nicht herausgekommen wäre, dass das Kohlscheider Bad ein wirtschaftlicher Totalschaden sei.

Migenda, der sich noch zu Jahresbeginn ein paar sehr deutliche Worte seitens der Politik zu fehlenden Informationen und Sachständen beim Kohlscheider Bad anhören konnte, erntete gemeinsam mit seinen Mitarbeitern dieses Mal viel Lob.

„Die Vorlage ist klasse“, meinte beispielsweise Grünen-Sprecher Dr. Bernd Fasel. Allerdings änderten die positiven Worte nichts daran, dass Fasel die Verwaltung aufforderte, die Bäderlandschaft in Herzogenrath in den kommenden Jahren insgesamt zu betrachten. „Wir nehmen nun rund fünf Millionen Euro in die Hand – aber das Bad in der Bergerstraße ist genauso alt, wie das in Kohlscheid!“ Seine Befürchtung: „Werden wir bald wieder fünf Millionen Euro in die Hand nehmen müssen?“

Beim Hallenbad Bergerstraße konnte Migenda aus seiner Sicht Entwarnung geben. So gebe es zwar bei Teilen der Wassertechnik einen „üblichen Sanierungsbedarf“. Doch auch durch zahlreiche Baumaßnahmen sei das Bad in einem Zustand, der einen Betrieb für eine Restnutzungsdauer von elf Jahren vorsehe.

„Wir werden nur ein Schwimmbad neu bauen können“, sagte auch Piraten-Vertreter Thomas Kosel. Einigkeit bestand allerdings darüber, dass ein Neubau des Bades in Kohlscheid die sinnvollste Variante ist.

„Eine Sanierung des Bades macht aufgrund der vorgefundenen Schäden keinen Sinn“, sagte Wolfgang Goebbels von der SPD. Und CDU-Vertreter Dieter Gronowski wies noch einmal darauf hin, dass Schul- und Vereinsschwimmen „absolute Priorität“ genießen, und auch daher ein Neubau an dieser schulnahen Stelle sinnvoll sei. Für den Standort, so die „GroKo“-Vertreter in einem gemeinsam gefassten Beschlussvorschlag, sprächen zudem, dass das Grundstück der Stadt gehöre, auch die Alternativgrundstücke nicht frei von Bergbauhinterlassenschaften seien und der vorhandene Fernwärmeanschluss wieder genutzt werden könne.

Eine neue Trägergesellschaft?

So gab es in vielen Punkten zum Neubau des Hallenbades Klarheit, doch die Finanzierung bleibt derweil eine große Aufgabe für die Stadtverwaltung. Zumal, wie Linken-Sprecher Toni Ameis erwähnte, eine mögliche Zusammenarbeit mit der Städteregion Aachen auf finanzieller Ebene wohl nicht klappen werde. „Seit gestern liegt dazu ein Schreiben vor“, sagte er, ohne allerdings auf dessen Inhalt einzugehen.

Laut seinen Informationen solle der Neubau des Schwimmbades mit Unterstützung durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Aachen – wie ursprünglich angedacht – wohl nicht zustande kommen.

Dazu sollte eine neue Trägergesellschaft mit der WFG und der Stadt Herzogenrath gegründet werden, hieß es, um die Kosten für das Bad so zu schultern. Doch in dem von Toni Ameis erwähnten Schreiben von Städteregionsrat Helmut Etschenberg werde dies ausgeschlossen. Laut Ameis werde dies von Etschenberg damit begründet, dass sich die WFG mit einer Grundsatzentscheidung des Aufsichtsrates aus dem Jahr 2011 zu einer Abwicklungsgesellschaft entwickelt hat, die sich ausdrücklich nicht mehr neuen Leasing-Vorhaben annehmen darf. Neue Bauvorhaben seitens der WFG werde es daher in Zukunft nicht mehr geben.

Genehmigter Haushalt wichtig

Damit wird eine Antwort auf die Frage, wie sich die Stadt Herzogenrath – die sich derzeit bekanntlich im Nothaushalt befindet – einen Neubau leisten darf, vorerst ausbleiben müssen. Allerdings – das ist hinter vorgehaltener Hand deutlich herauszuhören – könnte ein genehmigter Haushalt 2016 hier schon ganz andere Weichen stellen.

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