Neues Diakonie-Angebot für junge Familien

Von: Holger Bubel
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Setzen der Überforderung die Unterstützung von „Wellcome“ entgegen: Ulrike Hamburg-Krebs (Landesverband NRW), Armin Carduck (Diakonie Aachen), Gabi Bischoff-Bremen (Wellcome-Koordinatorin), Rose Volz-Schmidt (Wellcome-Geschäftsführerin), Andrea Hankeln (NRW-Familienministerium), Pfarrer Andreas Hinze und Marion Timm (Vorstand Diakonie Aachen). Foto: Holger Bubel
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Gemischte Gefühle: Einerseits begrüßen die Hebammen das neue Angebot – aber der EVA-Verlust ist damit nicht zu kompensieren.
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Gemischte Gefühle: Einerseits begrüßen die Hebammen das neue Angebot – aber der EVA-Verlust ist damit nicht zu kompensieren.

Alsdorf. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Dieses Zitat von Hermann Hesse soll ungefähr beschreiben, was vor sich geht, wenn ein Kind geboren wird. Dass aus diesem von den meisten Paaren herbei gesehnte Ereignis nicht der Anfang eines Alptraums – zumindest einer Zeit der Überforderung, Unsicherheit und Angst – wird, das macht sich das neue Angebot für die Städte Alsdorf, Baesweiler und Würselen zum Auftrag.

„Wellcome für das Abenteuer Familie“ heißt das unter der Schirmherrschaft von NRW-Familienministerin Ute Schäfer stehende und von der Diakonie im Kirchenkreis Aachen getragene Angebot.

47 Wellcome-Teams, die praktische Hilfe nach der Geburt versprechen, gibt es bereits in NRW. Zur Eröffnung des Angebots in Alsdorf war auch die Gründerin und Geschäftsführerin der Wellcome gGmbH, Rose Volz-Schmidt, in die Luisenpassage, dem ABBBA-Standort, gekommen.

Sie berichtete aus eigenen Erfahrungen, wie die Schere zwischen Erwartung und Realität auseinander gehen kann, wenn das so sehr gewünschte Kind das Licht der Welt erblickt hat – und zwar nicht nur für die Mütter, sondern für die ganze Familie.

„Gute Engel“ stehen zur Seite

Eine Ehrenamtlerin, die „wie ein guter Engel“ der Familie zur Seite steht, soll es richten, wenn sich etwa die überforderte Mutter erholen muss, das Geschwisterkind Aufmerksamkeit braucht, ein Kinderarztbesuch mit Zwillingen ansteht oder ganz praktische Hilfe erforderlich ist.

„Wer dann keinen hat, steht ziemlich alleine da“, musste Rose Volz-Schmidt die Erfahrung am eigenen Leibe machen. Der Grund dafür, dass sie die Initiative für Wellcome ergriff.

Koordiniert wird der Einsatz von Ehrenamtlichen in den Familien von Gabi Bischoff-Bremen, die eine langjährige Berufserfahrung in Schwangerschaftsberatungsstellen vorweisen kann. Mit den Jugendämtern der Städte Alsdorf, Würselen und dem Jugendamt der Städteregion für die Stadt Baesweiler hat die Diakonie eine Kooperationsvereinbarung getroffen, um den Ausbau der sogenannten „Frühen Hilfen“ durch einen ehrenamtlichen Baustein zu ergänzen.

Kommunen stoßen an Grenzen

Und hier liegt ein Konflikt, der Grund dafür ist, dass Bürgermeister Alfred Sonders „Wellcome“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet: „Wellcome ist wieder eine neue Facette mehr im Angebot der frühen Hilfen. Die Diakonie ist da ein wichtiger Bestandteil.

Doch ging Sonders auf die Ankündigung der Diakonie ein, die Evangelische Beratungsstelle für Schwangerschaft und Schwangerschaftskonflikte (EVA) nach vollzogener Kürzung um 50 Prozent zum Juli 2014 ganz dicht machen zu wollen, wenn sie keine finanzielle Unterstützung erhält. „Die Entwicklung bei EVA erfüllt uns mit großer Sorge.“

Die Stadt stoße an ihre Grenzen, wenn solche Projekte finanziell schwach und die Kosten an die Kommunen weitergegeben würden. „Wenn das der Trend ist, dann erreichen wir als Kommunen unsere Leistungsgrenzen“, nutzte Alfred Sonders sein Grußwort, um einen Appell Richtung Regierungsebene zu schicken. Sonders betonte aber, dass man gewillt sei, gemeinsam mit den Nachbarkommunen die „wichtige Einrichtung EVA zu retten“.

Freude zu „Wellcome“ einerseits, Kritik andererseits zur drohenden Schließung von EVA regte sich auch bei den anwesenden Hebammen. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Diakonie sich hier mit Wellcome schmückt, in dem vollen Bewusstsein, eine so wertvolle Anlaufstelle für Schwangere, die richtige Probleme haben, schließen zu wollen“, sagte etwa Hebamme Monika Wierich-Saadi, wie ihre Kolleginnen gekleidet in Protest-T-Shirts.

Die Hebammen verwiesen auf die „schmutzige Seite“ von schwangeren Frauen: „Wie viele Frauen haben abgetrieben, weil sie nicht mehr beraten werden?“, fragte Anja Bartels rhetorisch mit dem Verweis auf die Kürzung der EVA-Stelle in Alsdorf um 50 Prozent.

Nur für die „Upperclass?“

Die Hebammen betonen die Wichtigkeit von Projekten wie Wellcome: „Wir haben nichts gegen Wellcome, sehen es aber eher als Angebot für Familien der Upperclass.“ Schließlich ist das Angebot auch nicht ganz kostenfrei: Eine einmalige Vermittlungsgebühr von zehn Euro und für eine Betreuung müssen bei Inanspruchnahme von Wellcome bis fünf Euro pro Stunde bezahlt werden.

Und: „Nicht ausgebildete Ehrenamtler stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn sie es beispielsweise mit alkohol- oder drogenabhängigen Müttern zu tun haben“, sagte Anja Bartels. Und gerade diesen bedürftigen Frauen würde die Hilfsaussicht durch EVA von der Diakonie gestrichen: „Solche Frauen brauchen Unterstützung vor und nach der Schwangerschaft. Cornelia Sahlmen von EVA konnte eine solche immer vermitteln.“

Kontaktmöglichkeit

Wer sich als Ehrenamtlerin bei Wellcome engagieren möchte oder aber dort Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann sich melden bei Gabi Bischoff-Bremen, Telefon 02404/5999923, oder per mail alsdorf@wellcome-online.de.

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