Neues Denkmal soll Erinnerung an legendären Kumpel wachhalten

Von: rh
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Will das Andenken an Gustav Dannich bewahren: Brauchtumsforscher Toni André an der Stelle auf dem Mariadorfer Friedhof, wo einmal ein Gedenkstein stand. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Der Stein ist weg. Irgendwann bei Umgestaltungen abhanden gekommen, schätzt Toni André die Situation ein. Der Findling hat am Hauptweg des Mariadorfer Friedhofs gestanden, erinnert sich der Brauchtumsforscher. Er war zu Ehren von Gustav Dannich neben dessen Grab errichtet worden.

„Kämpfer für Freiheit und Recht”

Der Name ist vielen Menschen entfallen. Aber Gustav Dannich war Abgeordneter des Rheinischen Provinziallandtags für die SPD, nach heutigem Status Landtagsabgeordneter. Auch deshalb sollte die Erinnerung nicht verblassen und ein neues Denkmal am Platz des ersten Steins aufgestellt werden. Dafür hat Toni André jetzt auch schriftlich beim Alsdorfer Bürgermeister Helmut Klein geworden: Eine bleibende Erinnerung an den „Kämpfer für Freiheit und Recht, Gustav Dannich”.

Der Sozialdemokrat war am 11. August 1881 in Nieder-Hermsdorf im Waldenburger Kohlenrevier (Schlesien) geboren worden. 1907 kam er ins Ruhrgebiet, wurde Bergmann, trat in die Gewerkschaft ein. Aktiv setzte er sich für die Belange der Arbeiterschaft ein. Aber er bekam eine Abmahnung, dann die zweite, dann die Kündigung.

Über den Bergbau im nahen Limburg kam Gustav Dannich 1910 in das Aachener Revier. Hier erkannten seine Kumpel schnell seine hervorragenden Fähigkeiten, wählten ihn in die Bezirks- kommission. Er wurde ihr Sprecher und Verhandlungsführer bei den Tarifverhandlungen. Als Angehöriger der SPD im Raum Aachen-Land wurde Gustav Dannich im Jahr 1919 in den Rheinischen Provinziallandtag gewählt.

Dort wie auch im Hoengener Gemeinderat trat er stets für die Belange seiner Mitmenschen ein. Das brachte ihm selbst beim politischen Gegner Hochachtung ein. Aufopferungsvoll kämpfte er für gerechte Löhne bei Tarifauseinandersetzungen mit den Arbeitgebern. Nicht so einfach damals, in der Inflationszeit.

Da gab es schon mal Lohnerhöhungen von bis zu 2700 Reichsmark pro Schicht, hat Toni André ermittelt, als er auf Bitten des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) Nachforschungen anstellte. Ging man mit diesem Ergebnis auseinander, war das Geld schon drastisch weniger wert.

Früher Tod am „Tag der Arbeit”

Zu einer dieser Tarifverhandlungen fuhr Gustav Dannich bei strömendem Regen mit dem Fahrrad zunächst bis nach Buir, dann weiter mit dem Nachtzug bis nach Berlin.

Hier verhandelte er zwei Tage lang ununterbrochen mit den Arbeitgebern um höhere Löhne. Diese Strapazen wahren zu viel für sein angeschlagenes Herz.

In der Nacht gegen 3 Uhr brach Gustav Dannich im Flur des Hotels zusammen. Der hinzugerufene Arzt konnte ihm nicht mehr helfen. Der Verhandlungsführer starb am 1. Mai 1923, an einem „Tag der Arbeit”.

Am 8. Mai 1923 wurde er, begleitet von Tausenden Menschen und Hunderter seiner Arbeitskameraden, auf dem Friedhof in Mariadorf zur letzten Ruhe gebettet.

Nur 41 Lebensjahre waren ihm vergönnt gewesen. Er hinterließ seine Frau, eine Tochter, einen Sohn. Zwei Enkel von Gustav Dannich leben noch in Mariadorf.

„Der beste Mechanismus, die beste Maschine versagt, setzt aus, wenn die Anforderungen ein ständiges Übermaß darstellen.” Das schrieb die „Bergarbeiter=Zeitung” aus Bochum am 12. Mai 1923. Es war der Nachruf auf den Kumpel und Abgeordneten Gustav Dannich.
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