Nordkreis - Neues Bestattungsgesetz: In den Sarg gehört nur noch Vergängliches

Neues Bestattungsgesetz: In den Sarg gehört nur noch Vergängliches

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Platz selbstverständlich auch für Muslime: Beispielsweise in Herzogenrath (Bild) ist die Beisetzung in Übereinstimmung mit entsprechenden religiösen Vorgaben möglich. Foto: Markus Bienwald

Nordkreis. Was ändert sich für trauernde Angehörige, was bei Bestattungen? Müssen die vier Nordkreisstädte Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen die kommunalen Friedhöfe anders organisieren und die Satzungen anpassen, um für Rechtssicherheit zu sorgen?

Seit 1. Oktober vergangenen Jahres gilt ein neues Bestattungsgesetz in Nordrhein-Westfalen. Manches ist liberaler, ja einfacher geworden, manches jedoch schwieriger, da Einschränkungen wirksam werden.

Kunststoff nicht akzeptabel

Wie steht es zum Beispiel um Grabbeigaben oder die Beisetzung in der geliebten Schützenuniform mit Bestandteilen aus Kunststoff oder dem besten Anzug? Das neue Gesetz stellt klar: Alles, was ins Grab kommt, muss aus vergänglichem Material sein.

Ralf Kahlen, Erste Beigeordneter der Stadt Alsdorf, betont zwar auf Anfrage, dass für eine ordnungsgemäßes Herrichten zur Beisetzung der jeweilige Bestatter beziehungsweise die Angehörigen verantwortlich sind, „aber die Kontrolle müssen letztlich die Kommunen durchführen“. Er geht aus Erfahrung davon aus, dass es sich um „sehr seriöse Bestatter“ handelt, mit denen es die Stadt zu tun hat, aber „wir behalten uns probeartige Prüfungen vor“. Anders ausgedrückt: „Wir werden vor der Beerdigung nun nicht jeden Sarg öffnen!“

Seitens der Stadt Würselen sieht Pressesprecher Bernd Schaffrath in erster Linie nicht das eigene Friedhofs- oder Ordnungsamt in der Pflicht: „Dies ist Aufgabe der Bestattungsunternehmer, die sich an das Gesetz halten müssen.“

Für die Stadt Herzogenrath teilt dazu nach Rücksprache mit den eigenen Fachämtern Pressesprecherin Petra Baur die Auffassung der Verwaltung mit: „Maßnahmen, bei denen den Toten Stoffe zugeführt werden, die die Verwesung verhindern oder verzögern, bedürfen der Genehmigung des Friedhofsträgers oder der übernehmenden Stelle. In der Regel obliegt dem Bestatter das Ankleiden des Leichnams gemäß den gesetzlichen Vorgaben.“

Pierre Froesch vom Ordnungsamt der Stadt Baesweiler sagt, dass es durch diese Neuerung für Angehörige schwieriger wird, „eigene Kleidung anzuziehen, wodurch möglicherweise auch der Wille des bzw. der Verstorbenen eingeschränkt wird.“ Hier sind aus seiner Sicht die Bestatter erste Ansprechpartner für die Angehörigen. „Soweit es hier zu Unstimmigkeiten käme, würde das Friedhofsamt vermittelnd tätig werden“, sichert er zu.

„Derzeit wird geprüft, ob es eine Nachfrage eines ausschließlich für Muslime vorgesehenen Grabfeldes auf dem Friedhof unserer Stadt gibt“, sagt Froesch bezüglich der nun per Gesetz eingeräumten Möglichkeit, auch rein muslimische Friedhöfe zuzulassen. Das Land NRW berücksichtigt dabei die Tatsache, dass derzeit rund 1,3 Millionen Muslime in diesem Bundesland leben. Zudem räumt das Land per Gesetzesänderung ein, die Bestattung schon nach 24 Stunden vorzunehmen. Generell dürfen auch andere Religionsgemeinschaften oder religiöse Vereine die Einrichtung spezieller Friedhöfe anstreben.

Indes ist es in Baesweiler schon seit mehreren Jahren möglich, dass Bestattungen ohne Sarg oder Urne gestattet werden können, wenn dies Grundsätze oder Regelungen der jeweiligen Glaubensgemeinschaft, dem der Tote angehörte, vorsehen, betont Froesch. „Von dieser Möglichkeit wurde bislang in keinem Fall Gebrauch gemacht.“

Die Stadt Herzogenrath verweist darauf, dass sie „bereits seit 1995 auf dem Waldfriedhof ein Grabfeld für die Beisetzung von Muslimen“ anbietet. „In den vergangenen 20 Jahren wurden hier insgesamt neun Bestattungen durchgeführt.“ Dazu passt auch die Stellungnahme der Stadt Würselen: „Auf dem Friedhof Sankt Sebastian befindet sich ein muslimisches Gräberfeld. Dort findet jährlich eine Beisetzung statt.“ Das ist sehr wenig.

Alsdorfs Erster Beigeordneter Kahlen nennt den Grund für diese zurückhaltende Nutzung: „Die Bestattung in der Heimat wird bevorzugt.“ Schon seit längerem werden auf den Friedhöfen in Alsdorf-Nord und Kellersberg „nach Osten ausgerichtete Gräberfelder“ für Muslime angeboten. Im Schnitt findet allerdings auch in Alsdorf nur eine Beerdigung im Jahr statt.

Da derzeit auch kein Bedarf für die Überlassung weiterer Gräberflächen für Religionsgemeinschaften erkennbar sei, plane die Stadt Alsdorf ihrerseits auch nichts dergleichen. Vor Gesetzesänderung habe es keine Anträge gegeben, die Beisetzungsfrist von 48 Stunden unterschreiten zu dürfen, nun auch noch keinen, dies binnen 24 Stunden tun zu dürfen.

Keine Grabsteine von Kinderhand

Für die Stadt Alsdorf wird es ab 1. Mai ein neu gefasstes Antragsformular geben, in dem Steinmetze und/oder Bestattungsunternehmen bei Grabsteinen bescheinigen müssen, dass diese nicht aus Ländern mit Kinderarbeit stammen, sagt Kahlen. „Dies wird auch von dem Friedhofspersonal kontrolliert.“ Dieses Zertifizierungsverfahren ist ab diesem Zeitpunkt vorgeben. Für bereits aufgestellte Grabsteine besteht laut Erstem Beigeordneten selbstverständlich Bestandsschutz.

Bernd Schaffrath von der Stadt Würselen konkretisiert, dass ein Zertifikat vorgelegt werden muss, aus dem hervorgeht, dass die Herstellung ohne Kinderarbeit erfolgte, „sofern ein Steinmetzbetrieb einen Grabstein versetzt, der aus einem Land kommt, in dem in der Produktionskette Kinder mitarbeiten“.

Petra Baur macht seitens der Stadt Herzogenrath deutlich, dass „Grabsteine aufgrund ihrer Zusammensetzung identifiziert und dem Erzeuger zugeordnete werden können. Grabsteine aus Europa und Deutschland benötigen kein Siegel. Die Zertifizierung wird mit der Grabmahlgenehmigung durch die Friedhofsverwaltung angefordert.“ Für Baesweiler sagt Pierre Froesch vom Ordnungsamt: „Das werden wir überprüfen. Außerdem werden wir dem Stadtrat vorschlagen, dass die Friedhofssatzung entsprechend geändert wird.“

Nach der Verbrennung des Toten kann laut Gesetz nun die Asche mit oder ohne Gefäß „auf einem frei wählbaren, öffentlich zugänglichen Friedhofsbereich“ beigesetzt werden. Dazu merkt Froesch an: „Solche Pläne gibt es in Baesweiler derzeit nicht. Insbesondere hat es aber auch bisher keinerlei Nachfrage oder Interesse hieran gegeben.“ Nach Angaben von Pressesprecherin Baur hat Herzogenrath in den letzten 20 Jahren dem Trend zu mehr Einäscherungen Rechnung getragen, „indem verschiedenste Möglichkeiten der Urnenbestattungen geschaffen wurden“.

Auch die Düvelstadt sieht hier keinen Handlungsbedarf: „In Würselen werden zehn verschiedene Arten von Urnenbeisetzungen angeboten.“ Dagegen will die Stadt Alsdorf die Satzung entsprechend anpassen, wie Erster Beigeordneter Kahlen sagte: „Diese Art der Aschebeisetzung ohne Urne ist neu.“ Indes ist das Ausstreuen von Asche etwa auf dem Nordfriedhof bereits möglich.

Nachdem es in Alsdorf erhebliche Probleme mit der Qualität von Gräberfeldern und deren Pflege gegeben hatte, will die Kommune laut Kahlen ein grundsätzliches „Flächennutzungskonzept für Friedhöfe“ zu entwickeln. Ziele ist es unter anderem, weniger Flächen zu verbrauchen die Kosten in den Griff zu bekommen.

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