Neuer Wahlbeamter: „Reizvolle Aufgabe in der Heimatstadt“

Von: Karl Stüber
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Die Räder im Würselener Rathaus müssen rundlaufen und ineinandergreifen: Der neue Beigeordnete Roger Nießen setzt dabei auf Motivation und Teamarbeit. Foto: Karl Stüber

Würselen. Seit Dienstantritt als Beigeordneter am 4. Oktober hat Roger Nießen schon viele Klinken geputzt, etliche Hände geschüttelt, sich den Mund fusselig geredet und vor allem zugehört. Unlängst war er bei der Senioren-Union zu Gast, um sich über die Belange dieser Klientel zu informieren und sich vorzustellen – offiziell.

Denn viele Würselener kennen Nießen eigentlich schon, der ja in Linden-Neusen wohnt. Aber es ist eben was anderes, wenn jemand beruflich „heimkehrt“.

Zuletzt war Nießen in der Gemeinde Simmerath Beigeordneter, dort unter anderem für Bauleitplanung und Ansiedlung von Unternehmen zuständig und vertrat den Bürgermeister als Verwaltungschef. Der Jurist und Finanzfachmann hat in Würselen als Nachfolger seines CDU-Parteifreundes Werner Birmanns dessen Aufgabengebiete geerbt: die „Säule drei“ von insgesamt vier im Organigramm der Verwaltung.

Neue Aufgabenfelder

Da geht es um ganz andere Herausforderungen. Die Palette reicht vom Meldewesen und Ordnungsrecht über diverse soziale Angelegenheiten inklusive Jugend- und Kinderbetreuung, Schulen, Kultur und Sport bis hin zu dem Aufgabengebiet Recht und der Kulturstiftung. Hier zählt Nießen insgesamt rund 200 Mitarbeiter.

„Ich sehe das als besondere Herausforderung, mich da möglichst schnell einzuarbeiten“, sagt Nießen. „Eine reizvolle Aufgabe – zumal in meiner Heimatstadt“, fügt er hinzu. Eine besondere Motivation. Zeit, die ihm wichtigen Bilder in seinem neuen Büro aufzuhängen, hatte er angesichts der Zeitknappheit noch nicht.

„Positiver Effekt“ sei, dass er das bisher gesammelte Know-how nun einbringen kann und alle Projekte mit den Augen des Juristen und des Finanzfachmanns betrachtet. Das sei sehr hilfreich in der Bewertung, was Sinn ergibt und was nicht – vor allem in Verhandlungen mit Dritten. „Das finde ich absolut spannend und ich sehe das als große Chance, auf die man lange warten muss.“ Zumal Würselen aktuell eine Reihe von wichtigen Projekten der Stadtentwicklung vorantreibt – viele Baustellen auf einmal.

Aus seiner „Lehrzeit“ in der Baesweiler Verwaltung – dort war er ein halbes Jahr während seines Referendariats – hat er mitgenommen, „dass es wichtig ist, das Ohr am Bürger zu haben“. Da habe Bürgermeister Dr. Willi Linkens (CDU) jeden Montag mit den Amtsleitern zusammengesessen, um zu hören, welche Probleme es gibt, „denn übers Wochenende hört man das Meiste“.

Zudem sei es wichtig, die Menschen an einen Tisch zu bringen und nicht über sie, sondern mit ihnen zu reden, sagt Nießen und macht das sogleich an dem derzeit diskutierten Thema Zukunft der Stadtbücherei fest. Da will er sich mit Vertretern des Gymnasiums, der Stadtbücherei und weiteren Fachleuten an einen Tisch setzen. Es gehe schließlich generell um die weitere Nutzung des Kulturzentrums Altes Rathaus im Zuge der anstehenden Sanierung.

Mit dem Abriss der alten Zigarrenfabrik auf dem ehemaligen Singergelände sieht der neue Beigeordnete die Pläne der Kulturstiftung, eine Begegnungsstätte zu schaffen, noch längst nicht gescheitert. „Da traue ich dem Vorsitzenden Achim Großmann zu, dass er eine Alternative findet.“

Sorgen bereitet Nießen, dass es zunehmend schwierig wird, genügend qualifiziertes Personal in sozialen Berufen zu gewinnen. Das gelte zum Beispiel für Kindertagesstätten genauso wie im Flüchtlingsbereich oder Schulen (Inklusion).

Um Verständnis wirbt Nießen, dass sich erst nach einem Gespräch mit Vertretern der Denkmalbehörde Ende des Monats Weiteres über die Zukunft der Alten Schule in Bardenberg sagen lässt. Dann erst könne sich die Stadt mit Vereinen und Initiativen zusammensetzen, um Nutzung und Gestaltung der Räume zu besprechen, unter Wahrung des Brandschutzes. „Und dann haben wir ja immer noch keine Sanierung der Außenfassade und im Keller.“

Der weitere Ausbau der offenen Jugendarbeit soll nun im Zuge des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt (IHK) erfolgen. Dies ist übrigens Thema in der Sitzung des Bürgerausschusses heute im Sitzungssaal des Rathauses, Morlaixplatz (Beginn 17.30 Uhr). Nießen spricht von der Einrichtung eines Raumes als „Offene Tür für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“.

Zur Entlastung der Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes, die trotz personeller Engpässe „überproportional viel leisten“, soll die Arbeitsorganisation geändert werden. Nießen habe bereits ein positives Gespräch mit den Kollegen geführt. Nur eine von vielen weiteren Baustellen des neuen leitenden Mitarbeiters der Stadt Würselen.

Und wie geht Nießen mit den hohen Erwartungen der CDU um? Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz hatte ja bei der Kandidatenaufstellung für das Wahlamt Beigeordneter klargemacht, dass nun ein frischer Wind durch die Verwaltung gehen solle. Nießen: „Ich habe direkt und offen im Verwaltungsvorstand gesagt, dass ich mich nicht als Weltverbesserer ansehe.“

Sein Ziel sei vielmehr, den Teamgedanken nach vorne zu tragen. „Diese wahnsinnig vielfältigen Aufgaben zu erfüllen, kann nur gemeinsam gelingen.“ Die Arbeitsbelastung in Verwaltungen sei enorm gestiegen. Das könne nur klappen, wenn die Kollegen auch Spaß an der Arbeit hätten und erkennen würden, wie wichtig sie für Würselen sind.

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