Neuer Stolperstein als Erinnerung an verbrecherisches System

Von: swm
Letzte Aktualisierung:
9355387.jpg
Konfirmanden verlegten den Stein vor Haus Nummer 45. Foto: Sebastian Maassen

Alsdorf. Zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, die sich 2015 zum 70. Mal jährt, ist in Annastraße ein Stolperstein verlegt worden. Im Haus Nummer 45 lebte in den 30er-Jahren Urbach Bereck, ein jüdischer Textilwarenhändler, der zwischen 1929 und 1935 nach Alsdorf gekommen war.

Berecks Name sei bei der Durchsicht des Einwohnerbuchs aufgetaucht, sagte Dr. Franz Schneider, Mitglied des Alsdorfer Geschichtsvereins und des Aktionskreises „Wider das Vergessen“. Trotz intensiver Recherchen sei jedoch kaum etwas über ihn bekannt.

Verifizierbar sei lediglich, dass er 1896 in Düsseldorf geboren und später Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurde. Durch die Verlegung des Stolpersteins werde Berecks Name wieder lebendig, sagte Schneider. „Sein Name wurde wiedergefunden und sollte nicht mehr vergessen werden. Er bleibt Zeuge eines verbrecherischen Systems.“

In seinem ergreifenden Vortrag schilderte Schneider, unterbrochen von gefühlvollen musikalischen Intermezzi, wie florierend die jüdische Geschäftswelt in Alsdorf einst war. Jüdische Mitbürger seien vor allem in der Bekleidungsbranche tätig gewesen. Rund um Anna- und Bahnhofstraße habe es zahlreiche Schneider und Schuhhändler gegeben, in Hoengen zudem einige Metzger und Viehhändler.

So seien in den Jahren zwischen 1865 und 1938 rund 25 jüdische Geschäfte und mehr als 150 jüdische Mitbürger in Alsdorf ansässig gewesen. „Wir stehen in Trauer hier“, sagte Schneider. „Wir verschweigen aber nicht den Stolz und die Freude darüber, dass sie unter uns oder mit unseren Eltern hier gelebt, gewirkt und am Aufbau unserer Gemeinde mitgearbeitet haben.“

Schneider betonte, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aufrechtzuerhalten. Vielen Vertretern der jüngeren Generation seien die damaligen Verhältnisse kaum bekannt. „Lernen Sie bitte aus den Forschungsergebnissen und vergessen Sie diese bitte nicht mehr“, lautete sein Appell.

„Zwar kämpfen wir nicht gegen die, die vergessen oder nicht wissen wollen, doch wir wollen überzeugen und vertrauen dabei auf alle Menschen, denen die Achtung vor der Würde eines jeden anderen Menschen das höchste persönliche Anliegen ist.“

Vertreter der jüngeren Generation waren es denn auch, die den Stolperstein verlegten. Eine Gruppe Konfirmanden unter Leitung von Pfarrerin Elisabeth Peltner setzte damit ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen.

Dr. Franz Schneider ist sich sicher: „Nur so kann Frieden wachsen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert