Neuer Kulturmanager will weitere Weltstars nach Würselen holen

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
10627504.jpg
Nach der Show ein Gläschen mit dem Künstler: Auch Posaunist Nils Landgren (Mitte, links) hat erlebt, dass es auf Burg Wilhelmstein familiär zugeht. Zum Team von Kulturmanager Hans Brings (Mitte, rechts) gehören im Büro Anna Hermes (l.) und Michael Abt-Okudzeto (r.) sowie Hausmeister Heinz Wirtz (2.v.l.) Auch Vorgänger Uli Pesch (obere Reihe, Mitte) engagiert sich weiterhin auf der Burg. Foto: Burg Wilhelmstein/Ralf Pauli

Würselen. Dass er den gleichen Nachnamen trägt wie die Kölschrocker von „Brings“, kommt nicht von ungefähr. Um einige Ecken ist Hans Brings tatsächlich mit einem Teil der Band verwandt. So kam es, dass die Musiker vor mehr als 20 Jahren ihren ersten Auftritt außerhalb Kölns ausgerechnet in Würselen hatten.

Familiäre Beziehungen haben nur dieses eine Mal eine Rolle gespielt. Hans Brings hat seinerzeit im Alten Bahnhof manchen Künstler begrüßt, der es später zu einiger Bekanntheit bringen sollte. Götz Alsmann zum Beispiel. Der sang vor ein paar Leuten. Heute ist der Mann mit der Schmalztolle Stammgast auf Burg Wilhelmstein – und deren Chef ist seit kurzem: Hans Brings.

„Kulturmanager“ muss es offiziell heißen, in Diensten der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEW). Das klingt mehr nach ihm. Hans Brings ist einer, der Kultur mit Leidenschaft anpackt. Noch vor wenigen Wochen war der 56-Jährige allerdings im Würselener Rathaus tätig. Als Fachgebietsleiter für Jugendarbeit, Kindertageseinrichtungen, Kultur und Sport. Mit der Jugend fing überhaupt alles an. Denn nach einer Ausbildung zum Steuerfachgehilfen und einem nach drei Semestern hingeworfenen BWL-Studium („Zu trocken, nicht meine Welt“) sattelte er um auf Sozialarbeit. Ende der 1980er Jahre begann er im Jugendzentrum im Alten Bahnhof, in dem zu dieser Zeit auch die Kulturarbeit zart erblühte. In den kommenden Jahren sollten Liedermacher wie Hannes Wader und Franz-Josef Degenhardt dort auftreten. „Wir haben es geschafft, recht früh ein paar renommierte Leute nach Würselen zu holen“, erinnert sich Hans Brings an solche Erfolge. Die hat er quasi als Nebenprodukt seiner Arbeit für die jungen Besucher einfahren können.

Parallel dazu wehte frischer Wind auf der Burg Wilhelmstein. Uli Pesch, dessen Nachfolger Hans Brings in diesem Jahr geworden ist, begann damit, die Bühne zu beleben. Leicht war das nicht. Eine kleine Stadt, ein unbekannter Auftrittsort – da beißt nicht gleich jeder Künstler an. Ein schützendes Dach sollte auch erst später kommen, nämlich 1995. Bis dahin mussten die Besucher oft tapfer sein – und Regenveranstaltungen durchstehen. Der Rest ist Geschichte. Erfolgsgeschichte. Denn das Ambiente sprach für sich. Die Künstler kamen gern – und das auch ein zweites und drittes Mal. Die Zuschauer genossen das Flair ebenfalls. „Viele Künstler kommen ganz sicher nicht zu uns, weil sie die Stadt Würselen so toll finden, aber diese Bühne hat einfach was Besonderes. Das ist schon einzigartig!“ Hans Brings hat den Weg von Beginn an begleitet, vor allem hinter den Kulissen. „Weil ich gut mit Zahlen umgehen kann, hab‘ ich Teile der Buchhaltung übernommen und geschaut, welche Gagen zahlbar sind.“

Die sind damals wie heute ein großes Thema. Selbst wenn er die Burg Wilhelmstein mit Stolz und ganz ohne Scheu „einen weichen Standortfaktor“ nennt, der für ganz Würselen spreche, dürften die Kosten für die Kultur nicht explodieren. Seit 2003 wird alles als Teil der SEW verbucht. Die kann eventuelle Defizite durch Gewinne ausgleichen, die auf anderer Seite eingefahren werden. Meist bewegt man sich bei den Veranstaltungen aber in der Nähe der schwarzen Null.

„Wir achten stets darauf, dass wir ein paar Mainstream-Künstler haben, die in jedem Fall ziehen“, sagt Hans Brings. Einige ausverkaufte Abende mit gut 900 Zuschauern – so gehen auch mal exotischere, unbekanntere Künstler aus dem Bereich Jazz oder Weltmusik durch. Diese beiden Musikrichtungen dominieren das Angebot, hinzu kommen Comedy, Kabarett, Kinoabende. Gut 30 Veranstaltungen pro Saison. Weltstars waren schon da. Herbie Hancock etwa, oder Joan Armatrading. Persönliches Highlight von Brings bleibt der Buena Vista Social Club. Die kubanische Legende in Würselen. Wahnsinn, Volltreffer, „ein unvergesslicher Abend“. Das Erfolgsgeheimnis benennt er gern: „Künstler zu verpflichten, bevor sie zu groß und teuer werden. Das ist die Kunst.“ Wobei: Mittlerweile kommt so mancher Große für vergleichsweise kleines Geld nach Würselen – weil er die Bühne so sehr schätzt. Dort wird sich unter seiner Regie nicht viel ändern, sagt der nicht mehr ganz so „Neue“.

Nur kleinere Baustellen will er anpacken. Etwa, die Sitze zu numerieren, um bei manchen Veranstaltungen auch verschiedene Preiskategorien anbieten zu können. Und um zu verhindern, dass sich schon zwei Stunden vor Beginn eine Schlange aus Besuchern vorm Kassenhäuschen bildet, die beste Plätze ergattern wollen. Auch Picknickkörbe werden ein Thema sein. Vor allem bei Kinoabenden geht es nämnlich opulent zu. Käse, Wein, Salate und mehr werden auf den Decken in den Sitzreihen ausgebreitet. Schwieriges Thema. Einerseits geht so wertvoller Platz flöten, „das darf nicht ausarten“. Andererseits macht es einen Teil des Charmes aus. Auch in dieser Sache wird der Kulturmanager Fingerspitzengefühl brauchen. Denn eines weiß er nicht erst seit gestern: Auf Burg Wilhelmstein ist die Bühne selbst der Star.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert