Neuer Blick auf die Nachkriegszeit fasziniert die Zuhörer

Von: ehg
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Liest aus ihrem Buch „Schnell, dein Leben“: Sylvia Schenk. Heribert Leuchter begleitet die Lesung musikalisch. Foto: W. Sevenich

Würselen. Sylvia Schenk – dieser Name ist immer häufiger zu hören und zu lesen. Und das nicht ohne Grund. Die 1944 in dem in den Südalpen gelegenen Ort Chambéry geborene und seit 1966 in Deutschland lebende Erfolgsautorin hat mit ihrem Roman „Schnell, dein Leben“ wieder einmal den Nerv der lesebegeisterten Zeitgenossen getroffen.

Der Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei, Ulf Dreeßen, konnte sie jetzt in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Schillings im Alten Rathaus zu einer Lesung begrüßen.

Um das rasant geschriebene und vom Umfang her kleine Meisterwerk mit der Stimme der Schöpferin erleben zu können, hatten sich zahlreiche Literaturbegeisterte eingefunden. Aus erster Hand durften sie erfahren, wie viel von Sylvie Schenk in ihrer Protagonistin Louise wieder zu entdecken ist. Sie alle ließen sich von der dem Roman innewohnenden deutschen Sprache mit reizvollem französischen Unterton so sehr verzaubern, dass ihre Augen nicht mehr von ihren Lippen wischen.

Mit der Kritikerin Judith Liere waren sie einer Meinung, dass Sylvie Schenk „klar, klug und einfach schreibt. Jede Formulierung sitzt, kein überflüssiges Wort verwässert ihren präzisen Stil, was auch daran liegen könnte, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist“. Schenk hat Louises Leben in Du-Form niedergeschrieben, als würde die Erzählerin neben sich stehen und sich selbst beobachten. „Schnell, dein Leben“ steht auf der Shortlist auf Platz fünf der Lieblingsbücher der Unabhängigen Buchhandlungen.

Auf den ersten Blick handelt es sich um die Geschichte einer Frau aus den französischen Alpen, die sich während des Studiums in Lyon kurz nach der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags (1963) in einen Deutschen verliebt hat. Sie heiratet ihn und zieht in ein deutsches Dorf. Doch es ist kein einfaches Leben in der neuen Heimat: Louises Mann ist dort ganz anders, als sie ihn kennengelernt hat. Zugleich erfährt Louise immer mehr Details aus der Vergangenheit des autoritären Schwiegervaters, der im Krieg in Frankreich kämpfte.

„Schnell, dein Leben“ wirft einen neuen Blick auf die Nachkriegszeit, ein Lebensbuch mit großer Klarheit und Wucht erzählt. Auf 160 Seiten entwirft die 72-jährige Sylvie Schenk nicht nur eine weibliche Biografie. Vielmehr schreibt sie auch die Zeitumstände in einem französischen Dorf oder in einer deutschen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg nieder. Ihr über weite Strecken autobiografischer Roman spricht nicht nur betagte Semester an. Vielmehr hat er auch ein breites junges Leserpublikum gefunden, wie sich bei der Lesung in Würselen wie auch bei voraufgegangenen gezeigt hat.

Nach ihrem Wechsel nach Deutschland war Sylvie Schenk zunächst als Lehrerin an verschiedenen Schulformen und ab 1976 als freischaffende Autorin für Schulfunk und Schulbuchverlage tätig. Sie veröffentlichte drei Gedichtbände auf Französisch und schreibt seit 1992 Romane und Kurzgeschichten auf Deutsch. Unterstützung bei den ersten Schritten literarischen Schreibens bot ihr der Autorentreff im Aachener Literaturbüro an, für das sie lange ehrenamtlich tätig war. 2002 hat sie den Euregio-Schüler-Literaturpreis ins Leben gerufen.

Bei ihrer Lesung wurde die Autorin vom Aachener Jazzmusiker Heribert Leuchter auf dem Saxophon begleitet. Er interpretierte die Sprache mit seinen spontanen Klängen. Klang- und Sprachkünstler gingen dabei kongenial eine Synthese ein.

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