Neuer Auftrieb: Schulz ist ein Katalysator, der befeuert

Von: Naima Wolfsperger
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Der „Schulz-Effekt“: Nach Schluz’ Nominierung zum Kanzlerkandidaten hat die SPD in ganz Deutschland erhöhten Zulauf. Auch im Nordkreis. Foto: dpa

Nordkreis. Mehr als 1000 neue Mitglieder kann die SPD in Nordrhein-Westfalen verzeichnen. Die Eintrittswelle folgte auf die Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat. Gibt es tatsächlich den Schulz-Hype, wo sollte er deutlicher sein als hier, Schulz’ Heimatregion?

Neuzugänge gibt es im Nordreis 29. Noch mehr „neue“ Mitglieder kommen hinzu, wenn man die Wiedereintritte ehemaliger Kameraden addieren würde. Im Altkreis Aachen sind es um die zehn, schätzt der SPD-Vorsitzende des Unterbezirks der Städteregion, Martin Peters. „Die Stimmung war selten so gut wie jetzt. Wir bekommen viel Zuspruch aus dem Inneren der Partei, aber auch von außen.“

Selbst bei der CDU, „dem politischen Gegner“, erkenne er einen großen Verhaltenswechsel. „Von der Union wurden wir höchstens wie ein möglicher Koalitionspartner behandelt.“ Jetzt sehe auch die Union einen Konkurrenten in der SPD. „Der Sieg ist ihnen nicht mehr sicher.“ Einige CDUler würden ihn deshalb mehr meiden als sonst, anderen sei die fehlende Gewissheit über den Wahlausgang regelrecht anzusehen.

Was Schulz so interessant macht? „Seine klare Haltung gegen Populisten und Demagogen und seine geplanten Korrekturen an der Agenda 2010, mit denen er eine offene Wunde der SPD schließt“, sagt Peters. Auch sei Schulz als unnachgiebiger Politiker bekannt, der Widerstand leisten könne, wenn Entwicklungen gegen seine Grundsätze gehen.

Er ist die bekannteste regionale Persönlichkeit, das kommt ihm in und um Aachen zu Gute. Warum ist er aber auch im Rest von Deutschland so viel beliebter als der ehemalige Parteichef Sigmar Gabriel? Peters glaubt, dass Gabriel von vielen Menschen nur noch als Politiker der Großen Koalition gesehen wird. Auch falle es den Bürgern schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Er sei zu sprunghaft gewesen.

Und sprunghaft, „das ist Martin Schulz nun wirklich nicht“, sagt Andreas Dumke, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands Würselen, Schulz’ Heimatstadt. „Ich glaube, er hat feste Grundsätze, an denen er festhält. Das kann er den Bürgern auch nahe bringen.“ In der Partei spüre er einen Motivationsschub, Tatendrang und Lust auf Wahlkampf. Auch wenn vorrangig erstmal die Landtagswahlen anstünden. In Würselen hat die SPD mindestens zehn neue Mitglieder gewonnen. Gabriels Politik werde seines Erachtens unterschätzt, sagt Dumke.

Der vermeintliche Zick-Zack-Kurs des ehemaligen Wirtschaftsministers habe in den Hintergrund gedrängt, dass er beispielsweise 16.000 Kaisers-Mitarbeitern den Job gerettet habe. Trotzdem sei Schulz’ Nominierung für Dumke keine große Überraschung gewesen; Gabriels Entscheidung, dem Würselener den Vortritt zu überlassen, sei großes Glück für die SPD. „Jetzt muss Schulz inhaltlich nachlegen. Das wird er, glaube ich, auch.“

Auch, aber nicht nur Schulz, schlage sich in dem Mitgliederzulauf der SPD nieder, glaubt Robert Savelsberg, Vorsitzender des Stadtverbands Herzogenrath. „Er ist ein Katalysator, der das Ganze befeuert – als überzeugter Europäer, der weg will von den nationalstaatlichen Schwerpunkten.“ Die Alternative für Deutschland (AfD), Pegida und weitere populistische Strömungen in Europa und der Welt machen den Menschen Sorgen, deshalb gebe es viele, die sich schon länger wieder politisch engagieren wollen. „Sie brauchten nur einen Auslöser“, erklärt Savelsberg, warum er die zwölf neuen SPD-Mitglieder in Herzogenrath nicht nur dem Schulz-Effekt zuordnen will.

Auch Savelsberg hat schon länger mit Schulz als Kanzlerkandidat gerechnet. Trotz seiner Begeisterung für den Würselener Kanzlerkandidaten, betont er seinen Respekt gegenüber der menschlichen Größe, die sich in Gabriels Rückschritt zeige.

Dr. Karl-Josef Strank, Vorsitzender im SPD-Stadtverband-Baesweiler sieht hingegen eine deutliche Schulz-Bewegung: „Innerhalb der Partei und auch in der Bevölkerung fühlen sich die Menschen deutlich von Schulz angesprochen.“ Auch wenn das in der Stadt bisher nicht zu neuen Mitgliedern geführt hat. Bis jetzt. Denn online-Anmeldungen können im Stadtverband erst etwas zeitverzögert verzeichnet werden. Außerdem habe die SPD vor Ort  in den vergangenen Monaten allgemein wieder stärkeren Zulauf verzeichnet,.

„Vor allem, weil ich ihn schon mal aus der Nähe erlebt habe, freue ich mich über Schulz. Er kann die Menschen mitreißen, und diese Gabe ist für die SPD sehr wertvoll“, sagt Strank, Gabriel sei mit seinem Latein am Ende gewesen. „Auch wenn seine Politik nicht immer die Resonanz in der Bevölkerung gefunden hat, die sie vielleicht verdient hätte. Mit seinem ‚Rückschritt‘ hat er der Partei den größten Dienst getan. Das verdient Anerkennung.“

Ziemlich positiv sei die Nominierung von Martin Schulz angekommen, schließt auch Hans-Rainer Steinbusch, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands in Alsdorf. „Viele, die sich politisch nicht engagieren, denken derzeit darüber nach.“ In seiner Partei herrsche Aufbruchstimmung, obwohl die SPD in Alsdorf „schon immer auf der Überholspur war.“ Gabriel, gelte in der Bevölkerung als „Schoßhündchen von Angela Merkel und hat sich auch bei vielen Wählern mit seinem Zick-Zack-Kurs unglaubwürdig gemacht.“

Steinbusch zumindest, sagt er, habe schon lange auf Schulz als Kanzlerkandidaten gehofft und freut sich über die sieben Neuzugänge bei der Alsdorfer SPD.

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