Neue Korruptionsvorwürfe im Alsdorfer Rathaus

Von: Berthold Strauch
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Weist die Vorwürfe gegen ihn zurück: Axel Kästner. Foto: B. Strauch

Alsdorf. Durchs Rathaus wabert nicht nur der Geruch von Moder, seit Feuchtigkeitsschäden im Keller bereits für Schimmelbildung sorgten. Die „Hoch-Burg” der Stadtverwaltung scheint auch nicht unanfällig für Korruptionsvorwürfe zu sein.

Wie ruchbar geworden ist, denkt man etwa an die noch nicht ausgestandenen Disziplinarverfahren gegen leitende Verwaltungsmitarbeiter im Zusammenhang mit Auftragsvergaben an ein Personalverleihunternehmen. Ein anderer „Geschmäckle”-Vorwurf ist so weit gediehen, dass bereits ein Prozesstermin anberaumt worden ist.

Hier stehen allerdings keine städtischen Mitarbeiter als Angeklagte vor dem Richter, sondern „nur” als Zeugen. Nicht auszuschließen sei, dass für diese Beteiligten noch mehr aus der unschönen Angelegenheit werden könnte, sagen Beobachter.

Vor dem Aachener Amtsgericht muss sich ab Montag, 16. März, eine 55-jährige Alsdorferin verantworten, bestätigte Gerichtssprecherin Susanne Wernerus auf Anfrage der AZ.

Die Justiz wirft der damaligen Projektleiterin eines Dienstleistungsunternehmens, das in städtischen Gebäuden Fenster putzte, Vorteilsgewährung vor. Die Firma hat ihren Stammsitz in Osnabrück und eine regionale Filiale in Pulheim bei Köln.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat die 55-Jährige acht städtischen Schulhausmeistern Gutes getan. Die Herren wurden demnach zur „Klimapflege” in die VIP-Lounge der Eishockey-Mannschaft „Haie” in die Köln-Arena eingeladen.

Wie im Rathaus zu hören ist, hätten Verantwortliche der Stadt Wind von diesem kleinen „Betriebsausflug” bekommen und eine zweite Reisegruppe, die bereits in den Startlöchern gestanden habe, noch rechtzeitig zurückgepfiffen.

Die beschenkten Hausmeister haben vom städtischen Personalamt eine offizielle Aussagegenehmigung erhalten.

Folgt man der Ende 2008 erstatteten Anzeige von Bürgermeister Helmut Klein bei der Aachener Staatsanwaltschaft, hat ein weiterer Fall ein deutlich größeres Kaliber.

Hier stehen die Ermittlungen allerdings erst am Anfang, berichtete Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage. Eine erste Prüfung der Sachlage habe „einen Anfangsverdacht” ergeben. Deller ermittelt wegen des „Verdachts des fortgesetzten Betrugs”.

Klein wirft dem langjährigen Stadtarchitekten Axel Kästner unrechtes Handeln im Zusammenhang mit seiner Altersteilzeit vor. Er habe, so der Bürgermeister, Nebentätigkeiten als Planer ausgeübt, ohne dafür eine Genehmigung zu besitzen.

Somit sei Kästner - übrigens SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Ofden - zu Unrecht eine finanzielle Aufstockung seiner Bezüge ausgezahlt worden, da er seine Honorare nicht gegenüber der Stadt angegeben habe.

Ähnliches gelte für dessen Partnerin im privaten Architekturbüro. Bislang habe Kästner, der sich derzeit in der Freistellungsphase befindet, ihm gegenüber auf die Vorhaltungen nicht reagiert.

Kästner bestätigte auf Anfrage, dass ein Betrag von 62.000 Euro zurückgefordert werde. Gegenüber der AZ wies er die Vorwürfe ganz entschieden zurück. „Das ist Blödsinn, eine Frechheit!”, schimpfte er. „Die Vorwürfe sind mir völlig unverständlich. Ich bin mir keiner Schuld bewusst!” Er werde sich „ganz entschieden gegen diesen Rufmord” zur Wehr setzen, kündigte er an. Auch seine Gewerkschaft werde ihm dabei Rechtsschutz geben.
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