Neubau an der Krottstraße: Gutachter versetzt Ausschuss in Staunen

Von: Karl Stüber
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Die alte Hauptschule an der Krottstraße wird wohl noch bis 2019 die wachsende Gesamtschule beherbergen. Foto: Karl Stüber

Würselen. Bisweilen wundert sich der interessierte Laie, zu welchen Schlussfolgerungen Gutachter kommen. Das gilt auch für gewählte Kommunalpolitiker und sachkundige Bürger. „Für den Standort Würselen (der neuen Gesamtschule an der Krottstraße, d. Red.) ist kein zwingender Handlungsbedarf zum Ausbau von Verkehrsanlagen ableitbar.“

Zu diesem Schluss kommt Dr. Harald Blanke von einem Bochumer Ingenieurbüro, das von der Stadt Würselen mit der „Verkehrsuntersuchung“ für das Großprojekt beauftragt ist. Im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss legte Blanke den Stand der Überlegungen dar.

Platz für 868 Schüler

Einerseits erstaunte diese Wertung des Fachmanns manches Ausschlussmitglied, andererseits könnten bei dieser Perspektive befürchtete Zusatzkosten für die Verkehrsanbindung der Gesamtschule vermieden werden. Aber: Immerhin soll der Neubau der Gesamtschule für eine vierzügige Sekundarstufe I und eine zweizügige Sekundarstufe II ausgelegt sein.

Das bedeutet, dass mit insgesamt 868 Schülern zu rechnen ist. Hinzu kommen Lehrer, Referendare und diverse Angestellte der Schulverwaltung. Zusammen nochmals rund 90 Personen. Hinzuzurechnen sind zudem der „Taxi-Verkehr“ namens Eltern und zu Veranstaltungen Verkehrsspitzen durch die Teilnehmer. In die Aula sollen 400 Besucher passen.

Wenngleich ein detailliertes Architekturkonzept für das neue Gebäude noch nicht vorliegt, legte sich Blanke in diesem Punkt mit Verweis auf vorliegende Zahlen und Erfahrungswerte fest: „Wir brauchen keine neuen Straßen anzulegen.“ Und: „Es gibt augenscheinlich keine Indikatoren für außergewöhnliche Verkehrsmittelwahl/Verkehrsmittelzusammensetzung.“

Der Standort an der Krottstraße sei über die umliegenden Straßenzüge Willy-Brandt-Ring (K 30) sowie Friedrich- und Wilhelmstraße „gut erreichbar“. Harald Blanke legte zum besseren Verständnis eine Übersichtsskizze zur Verteilung von Stellplätzen, Haltestellen und Hol- und Bringzonen vor.

Vieles relativiere sich beim Schulweg allein schon durch die Zusammensetzung der Schülerschaft. So würden sich – nach Altersklassen betrachtet – erfahrungsgemäß bei den Sechs- bis Neunjährigen 64 Prozent zu Fuß auf den Schulweg machen, nur 14 Prozent per Fahrrad und ÖPNV sowie 19 Prozent als Mitfahrer in einem Auto. Bei den Zehn- bis 16-Jährigen dürften die Fußgänger nur noch 18 Prozent ausmachen, 13 Prozent schwingen sich aufs Rad, 53 Prozent sind mit dem Bus oder Mofa unterwegs, 13 Prozent lassen sich fahren.

In der Gruppe der älteren Schüler (17 bis 20 Jahre) gewinnt das selbst gesteuerte Auto an Bedeutung (zwölf Prozent), 16 Prozent lassen sich chauffieren, acht Prozent steigen aufs „Kraftrad“, 35 Prozent kommen per ÖPNV, 13 Prozent mit dem Fahrrad und 16 Prozent auf Schusters Rappen.

Bei der Bedarfsschätzung kommt Gutachter Blanke unterm Strich bei den 868 Schülern auf (im Mittel) 118 Auto-Mitfahrer, 22 Auto-Selbstfahrer, 35 Mofa- bzw. Mopednutzer, 428 Schüler, die den ÖPNV nutzen, 112 Radfahrer und 153 Fußgänger.

Wie schaut es mit Parkflächen und Stellplätzen aus? Bezogen auf die Schüler sieht Blanke 22 Pkw-Stellplätze und 35 Plätze für motorisierte Zweiräder als „durchaus angemessen“ an.

Das „Anliefern“ von Schülern kann nach Ansicht des Ingenieurs gut organisiert werden. In der Regel setze dies 15 Minuten vor dem Unterricht ein. Er rechnet mit acht anrollenden Fahrzeugen pro Minute. Angemessene Hol- und Bringzonen könnten problemlos eingerichtet werden. Zur Entzerrung in Spitzenzeiten sollte mehr als nur ein Bereich dafür hergerichtet werden, aber pro Standort zum kurzzeitigen Anhalten Platz für nur zwei bis fünf Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

„Bei der Bemessung sollte berücksichtigt werden, dass durch ein zu großes Stellplatzangebot das Signal an die Eltern gesendet wird, dass Hol- und Bringdienste ‚normal‘ sind und damit das Zufußgehen an Bedeutung verliert“, heißt es mit pädagogischem Unterton in der Studie.

Der Platzbedarf bei oder für Lehrer und andere Bedienstete beim „ruhenden Verkehr“ wurde mit 54 Stellplätzen errechnet. Kommen also noch besagte 22 Stellplätze für „erwachsene“ Schüler hinzu. Hierfür müssten also insgesamt 87 Stellplätze angelegt werden. Bei Veranstaltungen in der Aula sieht der Gutachter 144 Stellplätze als ausreichend an.

Bei Mehrbedarf bei Abendveranstaltungen empfehle es sich, Parken auf dem Schulhof zu ermöglichen, wie es andere Schule auch machen. Ohne weiteres könnten die als Bedarf veranschlagten 130 Fahrradabstellplätze auf dem Gelände der Gesamtschule untergebracht werden.

Zwei Bushaltestellen (Linie WÜ 1) befinden sich in der Nähe, und zwar am Euregio-Kolleg und der Geschwister-Scholl-Straße. Der Gutachter schlägt vor, mit Blick auf den zusätzlichen Bedarf der Gesamtschule Haltepunkte etwas zu verlegen bzw. auszubauen.

Mehr Infos zu Verkehrsfluss

Hans Carduck (FDP) merkte an, dass über fließenden Verkehr und die Auswirkungen auf das Wohnumfeld zu wenige Aussagen gemacht wurden. Gutachter Blanke bekräftigte, dass er keine signifikanten Auswirkungen erwarte, die rechnerischen Nachweise dafür aber noch geführt und nachgeliefert werden. Möglicherweise müsse die Signalschaltung von Ampeln angepasst werden oder andere, kleinere Veränderungen in der Verkehrslenkung erfolgen.

Dr. Renate Knauf (Grüne) vermisste eine Darstellung zu den „Lärmauswirkungen“. Blanke entgegnete, dass dies aktuell nicht sein Prüfauftrag sei und dazu noch ein anderes Gutachten folge.

Dies untermauerte die Verwaltung. Nachdem der Stadtrat in einer Sondersitzung mehrheitlich beschlossen hatte, den Gebäudekomplex im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) an der Krottstraße zu realisieren, gilt es nun, Schlag auf Schlag weitere Entscheidungen zu treffen und wichtige Detailfragen zu klären. Dazu gehöre die Untersuchung des Geländes auf Altlasten. Laut Expertise zum Artenschutz gebe es im Plangebiet „keine planungsrelevanten Arten“. Nicht auszuschließen sei, dass in einer nahen Halle Fledermäuse ein Quartier haben.

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