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Neu-Auflage von „Mein Kampf“: Geteiltes Echo im Buchhandel

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Hält die kritische Einordnung der Hitler-Hassschrift für wichtig: Buchhändlerin Martina Schillings. Foto: Beatrix Oprée

Nordkreis. Die eigenverlegte Auflage von 4000 Stück war der Vorsicht geschuldet beim „Institut für Zeitgeschichte“ (IfZ) in München. 15.000 Vorbestellungen vermeldete dann jedoch der deutsche Buchhandel, noch bevor der graue Schuber mit der 1948 Seiten dicken und 59 Euro teuren kritischen Edition von Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ überhaupt erschienen war.

Nachfragen hatte es auch in Würselen schon sehr zeitig gegeben, weswegen Martina Schillings, Inhaberin der Buchhandlung Schillings an der Kaiserstraße, bereits im November orderte und jetzt tatsächlich noch ein Exemplar im Bücherregal stehen hat.

Historisch Interessierte, Geschichtsstudenten etwa, seien es in der Hauptsache, die das Werk sehen wollten, sagt Schillings: „Es ist sehr kompliziert zu lesen. Kurze Teile des Originals sind jeweils mit umfangreichen Erläuterungen versehen. Da muss man sich regelrecht durchkämpfen, das ist wirklich etwas für Fachleute.“

Dass es jetzt eine Ausgabe gibt, die die historischen Zusammenhänge der Hitlerschen Hassergüsse richtig einordnet, beurteilt sie positiv. Und: „Antiquarische Nachfragen nach ‚Mein Kampf‘ gab es aus unterschiedlichen Gründen immer schon mal. Daran haben wir uns aber grundsätzlich nie aufgehalten“, sagt Schillings.

Fünf feste Bestellungen und rund zehn Anfragen hat Mathilde Wild, Inhaberin der Buchhandlung Wild in Baesweiler, bisher verzeichnet. Selbst hat sie den Band noch nicht in der Hand gehabt, ohne Nachfrage hätte sie das Buch auch gar nicht bestellt: „Es passt nicht in unser Sortiment.“ Grundsätzlich finde sie es aber gut, dass es nunmehr eine kritisch kommentierte Veröffentlichung gebe, der hohe Preis sei dafür gerechtfertigt – schrecke aber auch ab.

Um die 20 Bestellungen sind in der Buchhandlung Thater in Alsdorf eingegangen, „quer durch alle Altersklassen“ sagt Nicole Thater über die Interessenten. Noch sei auch hier nichts geliefert, für den 18. Januar die zweite Auflage angesagt. 70 Jahre post mortem auctoris (p.m.a.), sprich nach dem Tod des Urhebers, sei ein Werk grundsätzlich zum Nachdruck frei, hält es Thater deswegen für wichtig, dass es nun eine solche kommentierte Fassung gibt.

Was die Höhe der Nachfrage am kritisch edierten „Mein Kampf“ angeht, relativiert sie: Das Interesse am „Kämpfer im Vatikan“, Andreas Englischs Monografie über Papst Franziskus, sei weitaus größer.

Deutliche Worte hat Volker Katterbach, Inhaber der Buchhandlungen Katterbach in Herzogenrath und Kohlscheid: „Wir führen und bestellen das Buch nicht“, sagt er frank und frei. „Dazu bin ich nicht Buchhändler geworden, um letztlich ‚Mein Kampf‘ zu verkaufen. Dieses Buch stelle „mit das Schlimmste und Widerwärtigste dar, das jemals zwischen zwei Buchdeckel gefasst wurde“, und die jetzt vor dem Hintergrund der Rechtefreiheit vorgelegte kritische Edition sei zudem, was die wissenschaftliche Relevanz betreffe, „durchaus fragwürdig“.

Natürlich möchte Volker Katterbach niemandem absprechen, sich mit der kommentierten Ausgabe auseinanderzusetzen, das bleibe selbstverständlich jedem selbst überlassen. Aber bei ihm könne man das Buch eben nicht kaufen, „darauf weisen wir jeden Interessenten dann auch freundlich hin“.

„Alle konnten es wissen“

Und wie sieht es auf potenzieller Kundenseite aus, etwa aus Sicht eines historisch engagierten Lehrers? „Ich kann nur begrüßen, dass es nun eine kritisch kommentierte Fassung gibt“, sagt Dr. Stephan Saffer, stellvertretender Vorsitzender des Alsdorfer Geschichtsvereins und Lehrer für Deutsch, Philosophie und Religion.

Es sei an der Zeit, die Person Hitler endlich zu entmystifizieren: „Und es muss klar werden, dass damals alle wissen konnten, was Hitler vorhatte und sich deswegen niemand auf die Entschuldigung ‚Wir wussten von nichts‘ zurückziehen konnte. Der ganze antisemitische Dreck, die ganze Menschenverachtung, alles das stand da schon drin und war damit seit 1925 bekannt.“ Bis 1945 wurde die Hassschrift zwölf Millionen Mal gedruckt.

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