Nordkreis - „Nette Toilette“ auch ohne Zuschuss

„Nette Toilette“ auch ohne Zuschuss

Von: Angeliqua Kocetov und Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
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Auf dieser Toilette haben Kunden nichts zu meckern: Damit das aber auch so bleibt, haben Gastronomen oft viel Arbeit ... Foto: Kocetov

Nordkreis. Öffentliche Toiletten sind oft ersehnt, nicht selten graut es den Benutzern aber auch vor ihnen. In 190 Städten und Kommunen in Deutschland hat sich das Konzept der „Netten Toilette“ durchgesetzt. Dabei unterstützt die jeweilige Stadt Café- und Restaurantbesitzer, damit sie auch jene kostenfrei ihre sauberen Sanitäranlagen benutzen lassen, die keine Gäste sind.

In Jülich beispielsweise sind die freundlich grinsenden roten Logos der „Netten Toilette“ längst etabliert. Im Nordkreis jedoch scheint die Initiative noch nicht angekommen. Die Stadt Alsdorf etwa verweist auf die Haushaltslage der Stadt: Zuschüsse für die „Nette Toilette“ fielen unter den Bereich der freiwilligen Ausgaben, die zurzeit nicht so ohne weiteres getätigt werden dürften.

Wirte und Geschäftsleute werden für ihre WCs von den Nordkreiskommunen also nicht unterstützt. Wie aber sieht es hier aus mit der Notdurft beim Einkaufsbummel? Unsere Zeitung hat in Cafés und Restaurants den Toilettengang getestet – und war durchaus zufrieden. Fast nirgendwo muss ein Entgelt gezahlt werden, in keinem der angefragten Lokalitäten wird man abgelehnt, alle waren sauber – manche richtig schön.

Nicht ganz so zufrieden wie die Toilettenbesucher sind hingegen einige der Gastronomen. Der schlechten Erfahrungen wegen, die leider immer wieder vorkämen. Ein Eiscafé-Besitzer in Baesweiler etwa hatte für das stille Örtchen ein Raumduftgerät gekauft, ein ganz Besonderes, 200 Euro hat es gekostet. Es wurde gestohlen. Und jetzt war auch noch ein Toilettendeckel so kaputt, dass er ihn abnehmen musste. Vandalismus sei keine Seltenheit, sagt er. In der Damentoilette habe einmal jemand das Waschbecken zerstört. „Bei den Reparaturkosten denke ich nicht einmal mehr an die Preise für Strom, Seife und Papier“, sagt er.

An den Toilettentüren seines Cafés hängt nun ein Schild: „50 Cent von Nicht-Gästen“. Trotzdem verlangt er in der Regel nichts. „Das Schild gilt nur für diejenigen, die die Sanitäranlagen nutzen, ohne zu fragen“, sagt er. Denn das ärgere ihn wirklich, wenn Gäste einfach hineinspazieren: „Das macht ja auch niemand bei Ihnen, einfach so in die Wohnung laufen und Ihr Bad benutzen – ohne ein Hallo und ohne zu fragen.“

In einer Eisdiele in Würselen hängt die Zahlungspflicht ebenfalls von der Höflichkeit der „Kunden“ ab. „Manchmal verlange ich 50 Cent, manchmal nicht“, sagt ein Mitarbeiter: „Wenn angefragt wird, dann eigentlich nicht.“

Ohne Argumentieren lassen auch Alsdorfer Wirte „Nicht-Gäste“ auf ihre stillen Örtchen. Dennoch ist der ein oder andere Restaurantbesitzer nicht ganz so glücklich mit manchen dieser Kurzbesucher: „Wir führen einen kleinen Betrieb“, sagt etwa eine Gastronomin, „wir müssen die Anlagen sauber halten für unsere Gäste. Wenn jetzt jeder hier die Toiletten nutzen würde, dann kämen wir mit dem Putzen gar nicht mehr nach.“ Sie verlangt 50 Cent von Toiletten-Nutzern, die nichts bei ihr verzehren.

Und ein Eisdieleninhaber sieht auch die Geschäftsbesitzer in der Pflicht: „Die Leute geben 200 Euro in einem Laden aus, und dann kommen sie zu mir und trinken nicht mal einen Kaffee.“ In jedem Geschäft gebe es Toiletten für die Angestellten, sagt er: „Die sollten für Kunden geöffnet werden.“

Jennifer Kremer arbeitet in einer Bäckerei am Denkmalplatz in Alsdorf. Sie und ihre Kollegen lassen jeden auf die hauseigene Toilette, der freundlich fragt. „Natürlich haben wir auch mal schlechte Erlebnisse“, sagt sie. „Wenn jemand Dreck macht, müssen wir halt putzen.“ Aber meistens sei das kein Problem. Verständnis habe sie vor allem, weil sie selbst auch Mutter sei. „Wenn mein Kind irgendwo nicht auf Toilette darf, dann denke ich mir immer: Das kann doch nicht sein!“

Anna-Maria Visa arbeitet in einem Restaurant in Baesweiler und sieht das ähnlich. „Wir sind alle nur Menschen“, sagt sie und lächelt. Und wenn es Probleme gibt? Sie zuckt mit den Schultern: „Dann ist das halt so. Das kann ich ja vorher nicht wissen.“

Sergio Zorgno führt das Eiscafé Calvi in Herzogenrath. Auch er versperrt keine Türen. „Wenn aber vorher nicht gefragt wird, machen wir uns manchmal einen Scherz und verabschieden uns besonders freundlich von den Klo-Besuchern“, lacht er. „Manchmal ist es ihnen dann doch unangenehm, dass sie nicht mit uns gesprochen haben.“

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