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Nehmen Urlauber von der Türkei Abstand?

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Hatte bislang keine Stornierungen von Türkei-Reisen in ihrem Würselener Reisebüro: Marita Dunkel. Foto: Sonja Essers

Nordkreis. Erst vor wenigen Tagen kamen bei einem Selbstmordanschlag in der türkischen Millionenmetropole Istanbul zehn deutsche Urlauber ums Leben. Hat das auch Auswirkungen auf die Urlaubsbuchungen im Nordkreis? Werden Türkei-Reisen storniert oder wird gezielt nach sicheren Reisezielen gefragt?

Die Reisebüros haben diesbezüglich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Eine Meinung teilen sie jedoch: Panik ist bei den Urlaubern nicht verbreitet.

„Bei uns hat bisher nur ein Kunde umgebucht“, sagt Bernd Herpers vom gleichnamigen Alsdorfer Reisebüro auf Nachfrage unserer Zeitung. Anstatt in die Türkei geht es für den Urlauber nun nach Kreta.

Dieses Verhalten lasse sich allerdings keineswegs pauschalisieren, ist sich Herpers sicher. Bereits Anfang Februar mache sich voraussichtlich eine 13-köpfige Truppe auf den Weg in die Türkei. Eine Umbuchung oder Stornierung habe ihn bislang nicht ereilt. „Die bleiben auch dabei“, glaubt Herpers.

Christiane Kühnel, die ein Reisebüro in Herzogenrath betreibt, hat allerdings andere Erfahrungen gemacht: „Die meisten Leute haben sich zwar Angebote eingeholt, aber noch nicht gebucht. Sie warten offenbar erst einmal ab.“

Oder stornieren. Erst am Donnerstag nahm Christiane Kühnel eine Stornierung entgegen. „Das war eine Gruppe, bei der auch Minderjährige dabei waren“, sagt sie. Zahlen mussten die Urlauber einen Teil der Reise trotzdem. Schließlich hat das Auswärtige Amt derzeit noch keine Reisewarnung für die Türkei ausgesprochen.

Andere Situation in Ägypten

Anders sieht es da für Ägypten aus. Doch trotz Reisewarnung und regelmäßigen Anschlägen hat beispielsweise bei Herpers noch kein Kunde seine Reise nach Ägypten storniert. „Bis jetzt ist noch keine Panik da“, sagt der Alsdorfer Reiseunternehmer.

Verunsichert sei man trotzdem. Das gelte auch für ihn selbst, wie er verrät. „Auch nach den Vorkommnissen in Köln in der Silvesternacht ist es nicht einfach“, sagt er und nennt ein konkretes Beispiel: „Wenn Leute am Kölner Flughafen abfliegen, überlegen sie sich, ob sie dort mit dem Zug hinfahren oder mit dem Auto.“

Herpers hat bereits eine Entscheidung getroffen. Auch sein Mallorca-Urlaub Anfang April startet am Kölner Flughafen. Der Alsdorfer wird den Weg dorthin mit dem Auto und nicht mit dem Zug zurücklegen.

Christiane Kühnel schätzt ihre Kunden derzeit noch relativ gelassen ein. „Man fragt sich natürlich schon, wo man überhaupt noch hinfahren kann. In Ägypten sieht es auch nicht besser aus.“ Und wie heißen die Alternativ-Ziele? „Die Kunden setzen auf Spanien. Da war es zumindest in den vergangenen Jahren ruhig“, sagt Kühnel.

Badeorte blieben verschont

Diesen Trend kann auch Marita Dunkel von einem Würselener Reisebüro bestätigen: Spanien, Portugal und Bulgarien liegen derzeit bei den Kunden im Trend. „Das ist aber auch immer eine Preisfrage“, sagt Dunkel. In Spanien und Portugal seien die Preise gestiegen.

Bulgarien sei eher mit der Türkei vergleichbar. Stornierungen gab es in ihrem Reisebüro bisher nicht. „Wir hatten noch keine große Stornowelle. Wir haben ganz normale Buchungen. In den Badeorten ist bisher zum Glück ja auch noch nichts passiert.“

Badeorte seien auch nach wie vor in Ägypten beliebt. Von Reisen ins Landesinnere nehmen die deutschen Touristen derzeit allerdings Abstand.

Doch auch Dunkel hat bei ihren Kunden festgestellt: „Nach der Silvesternacht merken die meisten, dass es überall passieren kann. Aber man kann sich nicht verrückt machen lassen, denn das ist das, was die Attentäter damit erreichen wollen.“

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