Nazi-Justizskandal: Autor erhält Preis für bedrückendes Thema

Von: mabie
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Der Preis ist Grund für Freude, das Buchthema Anlass zum Nachdenken: Wolfram Hamann (r.) legt Sascha Berst-Frediani die Handschelle an und nimmt ihn so in den Kreis der Geehrten auf. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Dass jemand bei seiner „Verhaftung“ so viel Spaß haben kann, kommt nicht alle Tage vor. Wohl aber zeigte sich Dr. Sascha Berst-Frediani, Rechtsanwalt und Autor, höchst erfreut darüber, dass in der Stadtbücherei bei ihm die Handschellen klickten.

Natürlich war das nur ein symbolischer Akt, zeigte er doch, dass sich der Jurist als zehnter Preisträger der „Herzogenrather Handschelle“ diese Auszeichnung verdient hatte. Wer sich nun auf einen Abend mit typischen Krimi-Zutaten – aus dem Leben geschiedene Zeugen oder dunkle Gassen – gefreut hatte, musste umdenken. „Das Buch ‚Fehlurteil‘ ist eine Milieuschilderung aus der Justiz“, beschrieb Prof. Dr. Wolfram Hamann, Vorsitzender des Fördervereins „Pro Stadtbücherei“, den Inhalt des ausgezeichneten Buchs „Fehlurteil“. „Es ist ein bedrohliches, ein beklemmendes Milieu“, so Hamann weiter, „und man stellt fest, dass Recht in diesem Krimi bewusst und gewollt falsch angewandt wird, um einem Menschen zu schaden.

Die Rechtsbeugung hat Berst-Frediani als Grundlage für seinen Roman genommen, dazu hat der Freiburger Autor den Bericht eines früheren Staatsanwalts über einen tatsächlich stattgefundenen Justizskandal von 1992 literarisch bearbeitet. Im Buch geht es um einen alten Mann, der eine junge Staatsanwältin um Hilfe bittet. Der Vater des Mannes hatte zu Zeiten der Nazi-Diktatur ein wertvolles Grundstück an seinen Prokuristen übertragen, damit es nicht in die Hände der Machthaber fiel. Die eigentlich vereinbarte Rückübertragung hat aber nie stattgefunden, und den folgenden Prozess verlor der frühere Besitzer. Der alte Mann klagte wegen Rechtsbeugung gegen mehrere hochrangige Richter, hörte aber ein Jahrzehnt lang nichts mehr von der Sache.

Eine junge Staatsanwältin, die sich eher widerwillig der Sache annimmt, stößt mit ihrem Kollegen im Laufe der Ermittlungen auf immer mehr Ungereimtheiten, die einigen inzwischen hoch aufgestiegenen Juristen sehr unangenehm sind.

Auch bei der Lesung anlässlich der Preisverleihung konnten die Gäste ein atmosphärisch dicht geschriebenes Buch mit durchaus beklemmender Wirkung genießen, das zu Recht ausgezeichnet wurde.

Übrigens hatte Prof. Hamann die passenden Schlüssel zu den Handschellen in der Tasche und freute sich gemeinsam mit den Gästen noch über ein weiteres Abenteuer an diesem Abend: Denn aufmerksame Fans der Reihe von Handschellen in Herzogenrath durften sich zum zehnten Geburtstag des Preises aufgelegten Rätsel über viele Buchpreise erfreuen. So oder so war klar, dass die Spannung in der Bücherei zum Greifen nah erschien.

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