„Naturally 7” erweisen sich als Stimmakrobaten

Von: Lars Odenkirchen
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Starker Auftritt: Die Musiker von Naturally 7 überzeugten auf Burg Wilhelmstein. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. Die Klischees durfte man vor den Burgtoren lassen: Während so mancher mit sieben farbigen Musikern aus der New Yorker Bronx wohl spontan provokante Gangster-Rapper verbunden hätte, gab es auf Burg Wilhelmstein eine Band zu bestaunen, die mit dieser Assoziation so gar nichts zu tun hat.

„Naturally 7” kommen zwar aus New Yorks vielleicht verrufenstem Stadtteil, im Gegensatz zu manch rappendem Kollegen präsentierten sie sich aber charmant, sympathisch und erfrischend herzlich.

Als „Band ohne Band” bezeichnen sich die Musiker selbst, und eigentlich weiß dieser alltägliche Begriff der Kombo so gar nicht gerecht zu werden: Naturally 7 sind eigentlich keine Band, sondern viel mehr ein Ereignis.

„Vocalplay” nennen die US-Amerikaner ihren Musikstil und verbinden darin A-Capella mit Soul, R´n´B, Gospel und Hip-Hop. Besonders an der Musik ist aber vor allem das, was fehlt: die Instrumente. Alle Töne, die zu hören sind, machen die Musiker mit ihrer Stimme. Für staunende Gesichter und bewundernden Beifall sorgen die Sieben dabei immer wieder.

Zwischen den Liedern geben die Künstler kurze Solo-Einlagen zum Besten. So spielt etwa Warren auf seinem imaginären Schlagzeug und ahmt dabei nicht nur Bass- und Snaredrum, sondern auch die Becken täuschend echt nach. Für Begeisterung sorgt aber Jamal, der ein Gitarrensolo hinlegt, dem wohl auch Großmeister Hendrix seine Anerkennung gezollt hätte - nur dass Jamal dabei kein Instrument, sondern eben nur seine Stimme benutzt.

Eigentlich nur am Rande zu erwähnen bleibt da, dass die Musiker nicht nur Instrumente imitieren, sondern natürlich vor allem auch das können, wozu die Stimme eigentlich gedacht ist: vortrefflich singen.

Schlagzeugersatz als Auslöser

Die musikalischen Qualitäten der Band hatten sich nach dem letztjährigen Auftritt, auf Burg Wilhelmstein offensichtlich herumgesprochen. Fast bis zum letzten Platz sind die Reihen gefüllt. Das Klientel ist dabei wild gemischt: Ob 6 oder 60 Jahre alt, die Amerikaner faszinierten generationsübergreifend.

Erfrischend ist dabei auch, wie sympathisch und ehrlich die Band wirkt. Da erzählt etwa Frontmann N´glish davon, dass das viele Reisen gleichzeitig das Schönste und Schlimmste am Musikerleben sei, wie sehr er sich darüber freue, wenn seine Tochter ihm „Daddy, I love you” am Telefon sage oder dass die Idee, Instrumente mit der Stimme nachzuahmen nur deswegen aufgekommen sei, weil seine Mutter seinem jüngeren Bruder und Bandmitglied Warren nie ein Schlagzeug gekauft habe, so dass dieser sich irgendwie behelfen musste.

Eines war bei all dem schnell klar: Naturally 7 funktionieren vor allem live. Ihre Lieder für sich alleine haben sicherlich schon Qualität, doch es sind vor allem die kleinen Einlagen, die flotten Sprüche und die Momente, in denen es menschelt, die den Abend zu etwas besonderem machen. Schön ist es etwa zu sehen, wie die Musiker nach dem ersten Beifall des Abends ins Rund des Amphitheaters schauen und dabei ein Lächeln auf den Lippen haben - man merkt, die Herren sind mit dem Herzen dabei.

Ein bisschen schwer fällt der Abschied dann schon, als Naturally 7 nach gut zwei Stunden, die vor allem mit eigenen Songs wie „Let it rain” oder „Wall of Sound” gefüllt waren, mit dem Phil Collins Klassiker „In the air tonight” das Konzert beenden.

An Sitzen ist da endgültig nicht mehr zu denken: Das Publikum steht auf, klatscht und singt lauthals mit, so dass die Sieben um eine Zugabe nicht herumkommen. Das ist der Moment, in dem man an N´glish und Warrens Mutter denkt und ihr vom ganzen Herzen danken mag, dass sie kein Schlagzeug gekauft hat. Andernfalls wäre einem dieser Abend womöglich vorenthalten worden.
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