Nato-Flieger fürchten Alsdorfer Rotoren

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
6008368.jpg
Gefährden bei Alsdorf geplante Windkraftanlagen die Bündnisfähigkeit des Nato-Mitglieds Bundesrepublik? Das Bundesverteidigungsministerium ist jetzt mit dem Fall befasst. Foto: imago/stock&people

Alsdorf/Geilenkirchen. Rotoren sind Flugzeugen eigentlich nicht fremd, ob als Propeller, Turbine oder Turbo-Prop-Variante. Es dreht sich immer was, was Zug oder Schub nach vorne erzeugt. Aber es gibt auch Rotoren, die Flugzeugen so gar nicht liegen, ja sogar gefährlich werden könnten.

Es geht um die Rotoren von Windkraftanlagen. Zwei Windkraftanlagen sollen auf Alsdorfer Stadtgebiet, aber außerhalb der Wohnbebauung und ein Stück vom Nordfriedhof entfernt errichtet werden, in Blickrichtung Boscheln (Geilenkirchen).

Hinter dem Projekt steht die Windenergie Jansen GmbH aus Viersen. Die Räder würden 146 Meter emporragen, eine stolze Höhe, ja sogar eine gefährliche. Dieser Auffassung ist jedenfalls die Nato-Airbase Geilenkirchen-Teveren, von der aus die Überwachungsmaschinen des Systems Awacs operieren.

Radar könnte gestört werden

Bevor so eine Windkraftanlage gebaut werden darf, werden im Rahmen der Behördenbeteiligung natürlich auch Stellungnahmen von umliegenden Einrichtungen eingeholt. Die Reaktion der Militärs auf dem Nato-Stützpunkt hatte die Städteregion Aachen zum Anlass genommen, dem künftigen Betreiber der Windkraftanlagen die Genehmigung zum Bau zu versagen.

Die Bundeswehr als Vertreterin der Airbase, die rund elf Kilometer entfernt liegt, hatte vorgebracht, dass die Rotoren das Radar der Flugsicherung beeinträchtigen und damit eine Gefahr für den Luftverkehr darstellen.

Vor dem Verwaltungsgericht Aachen hatte diese Sichtweise jedoch keinen Bestand (wir berichteten). Richter Ulrich Eske folgte der gutachterlichen Einschätzung, dass die Rotoren „keine wesentliche Verschlechterung“ bringen. Rechtskräftig ist das Urteil aber noch nicht.

Wie geht es nun weiter? Diese Nachfrage unserer Zeitung wurde immer ein Stück weiter „nach oben gereicht“. Denn die Geschichte ist brisant. In der mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Aachen hatte die Vertreterin der für Flugfragen zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf gar die „Bündnisfähigkeit des Nato-Mitglieds Bundesrepublik Deutschland“ in Gefahr gesehen – und die militärischen Afghanistan-Einsätze gleich mit.

Der Sprecher des Nato-Stützpunktes, der niederländische „Kapitein“ Wiko ter Horst, verweist auf die Deutsche Flugsicherung. Eine Sprecherin dort sieht ihrerseits das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung in der Pflicht. Schließlich führt der Weg zum Bundesministerium für Verteidigung. Auf Nachfrage unserer Zeitung hieß es dort, der Richterspruch müsse erst einmal geprüft werden, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden..

Die Verantwortlichen des Stadt Alsdorf können sich in dieser Frage nationaler Sicherheit gelassen zurücklehnen. sie haben ihre Arbeit getan. Aus Sicht der Alsdorfer Verwaltung, so Rechtsassessor Hans-Peter Hermanns auf Nachfrage, bestehen gegen das Projekt keine Bedenken. Die Stadt sei schon vor ein paar Jahren vorschriftsmäßig beteiligt worden und habe keine planungsrechtlichen Bedenken, weil das fragliche Areal in der im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Konzentrationsfläche liege.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maziere, der im Zuge des „abgestürzten“ deutschen Drohnen-Projekts schwer angegangen wird, besuchte jetzt im Rahmen seiner Sommertour die Nato-Airbase und verkündete zur Freude des Standorts: „Der Awacs-Verband wird mindestens bis zum Jahr 2025 in Geilenkirchen bestehen bleiben.“

Wenn da mal nicht Windkraftanlagen auf Alsdorfer Gebiet der Prognose, der Nato und den Fliegern im Wege stehen. Denn den Fliegern droht zusätzliches Ungemach. Auch die Firma Kreuzberger & Spengler – regenerative Energie GmbH & Co. KG aus Dunningen-Seedorf will in besagter Konzentrationszone am Rande von Alsdorf ähnlich dimensionierte Anlagen mit rund zwei Megawatt Leistung errichten. Mit Blick auf den Einspruch des Militärs erwägt die Firma ebenfalls den Gang zum Gericht, hieß es dort auf Anfrage.

Leserkommentare

Leserkommentare (7)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert