Närrisches Trio wirbt für die Integration

Von: Stefan Schaum
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Drei jecke Jungs in zweifacher
Drei jecke Jungs in zweifacher Mission: Prinz Erdal Akan (Mitte), Jungfrau Manfred Steffens (links) und Bauer Rainer Kollin wollen es als Dreigestirn der Broicher Siedlung närrisch angehen und dabei auch für die Integration werben. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Dass die ganze Sache ein Kindheitstraum ist, kann man nun wirklich nicht behaupten. Mit dem Karneval hatte Erdal Akan früher schließlich gar nichts am Hut. Seit seinem siebten Lebensjahr lebt der gebürtige Türke in Deutschland.

„Ich wusste zwar, was Karneval ist, hab ihn aber nicht gefeiert.” Und jetzt? Jetzt ist der 48-Jährige designierter Prinz des Dreigestirns der Broicher Siedlung! Ein Mann mit zwei Missionen: Ordentlich Spaß zu machen und kräftig für die Integration zu werben.

Mit Jungfrau Manfred Steffens und Bauer Rainer Kollin geht er es an. Die sind Fußballer, genau wie der Prinz. Die Drei kicken bei den Altherren des SV Grün-Weiß Broicher Siedlung, trainieren dort den Nachwuchs und kennen sich seit vielen Jahren.

Als die Abteilung im vergangenen Jahr eine Herrensitzung besuchte, wunderte sich Akan: „Warum hat die Broicher Siedlung eigentlich keinen eigenen Prinzen?” Reaktion der Kumpel: „Dann mach Du das doch!”

Das tut er jetzt für die KG Rote Funkengarde, und zwar mit einem gewaltigen Team. „Wir haben 50 Mann im Gefolge”, sagt Manfred Steffens. Die meisten von ihnen junge Fußballer, viele mit Migrationshintergrund. „Wir sind ein ziemlich bunter Haufen”, sagt Akan, „und wollen zeigen, wie gut man miteinander feiern kann.”

Der Orient lacht

Das passende Motto war im Nu gefunden: „Der Orient lacht - wir feiern 1001 Nacht”. Ein paar orientalische Klänge wird es geben, verrät der angehende Prinz, der auch selbst singen will. Wobei er das freilich noch üben muss. „Ich kenne die Höhner und die Bläck Fööss, aber mit der kölschen Mundart tu ich mich noch ein wenig schwer.” Was ein Bützchen ist, weiß er aber schon. Und er freut sich darauf, fleißig Küsschen zu verteilen. Lebensgefährtin Marie-Luise Schmitz hat es abgesegnet. „Ein türkischer Prinz braucht eben seinen Harem”, sagt sie augenzwinkernd.

Ein türkischer Prinz im Karneval - da darf auch mal mit Klischees gespielt werden. Doch das Thema Integration nimmt Erdal Akan sehr ernst. „Es muss sich noch viel tun”, sagt er. „Mein Vater hat immer darauf geachtet, dass wir gut integriert sind.” Er lässt durchblicken, dass das in vielen Familien anders ist, auch heute noch. Häufig mangele es schlicht an Akzeptanz, auf beiden Seiten. Das versteht er nicht. „Man kann doch nur davon profitieren, wenn man sich in einer Gesellschaft gut versteht.”

Den Karneval will er auch als Bühne für die Verständigung nutzen. Und er spürt bereits, dass ein türkischer Prinz für großes Aufhorchen sorgt. „Unsere Galasitzung ist schon fast ausverkauft.” Auch viele Türken hätten Karten bestellt, das sei ganz neu. Und diesen Besuchern will er nun ein neues Bild vom Karneval zeigen. „Türken denken oft, dass die Deutschen im Karneval einfach nur wild feiern und viel trinken. Wir wollen Deutschen und Migranten zeigen, wie schön man gemeinsam schunkeln kann.”

Auftritt beim Tag der Integration

Noch vor der Proklamation wird das Dreigestirn einen Auftritt haben. Die jecken Jungs aus der Broicher Siedlung stehen nämlich am Tag der Integration auf der Bühne.

Dieses Fest wird in Alsdorf erstmals am Samstag, 16. Juli, von 14 bis 18 Uhr auf dem Denkmalplatz gefeiert. Neben vielen Folklorevereinen, Kindergärten und Sportlern engagiert sich auch das Dreigestirn für die Integration. Um 17 Uhr wird es sich den Gästen vorstellen.

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