Nächtliche Odyssee: Zahnweh in der Warteschleife

Von: Stefan Schaum
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Wer hilft im Notfall? Wer nach
Wer hilft im Notfall? Wer nachts vom akuten Zahnschmerz geplagt wird, muss sich am Telefon auf die Suche nach dem zuständigen Zahnarzt machen. Foto: imago

Herzogenrath. Der höllische Schmerz ist endlich weg, seine Zähne tun ihm nicht mehr weh. Heute kann Peter N. sogar wieder lachen. Allerdings nicht über das, was ihm vor kurzem wiederfahren ist. Als er unter Qualen durch die Nacht irren musste, nur um auf der Suche nach Linderung in einer Telefonwarteschleife zu enden.

Dabei hatte er doch so gehofft, das Wochenende einigermaßen zu überstehen. Ein paar Tage zuvor hatte ihm sein Zahnarzt drei Zahnwurzeln behandelt. Eigentlich hätte damit der Schmerz aus der Welt sein sollen. Eigentlich. Doch in der Nach von Samstag auf Sonntag kam er mit Gewalt zurück. „Das war nicht auszuhalten”, sagt der 48-Jährige. „Ich bin hochgegangen wie eine Bombe, hab gedacht: gleich explodiert dein Kopf.”

Die rasch genommenen Schmerztabletten - an sich wahre Schmerzkiller - halfen nicht. So hat sich der Herzogenrather um 3 Uhr in der Nacht ins Auto geschleppt und von seiner Frau zum Aachener Universitätklinikum fahren lassen. Dort vermutete das Paar eigentlich eine Notambulanz für Zahnbehandlungen. Die gab es dort auch einmal, doch seit Mai nicht mehr nach 21.45 Uhr, erfuhren sie. Stattdessen erhielten die beiden, nachdem sie im Haus von der Anmeldung auf verschiedene Stationen geschickt worden waren, ein Blatt Papier. Darauf eine 0180-Nummer, die es zu wählen gelte. So sollten sie erfahren, welcher Zahnarzt in Wohnortnähe erreichbar sei. Ein Handy hatte das Paar zur Hand, doch ließ sich damit die Nummer nicht erreichen. So blieb der Münzfernsprecher im Foyer. Ob der defekt war? Peter N. weiß es nicht. „Jedenfalls lief das Geld bei der vermeintlich günstigen Nummer 0180/5986700 nur so durch, alle zehn Sekunden zehn Cent.” Während es in der Leitung ruhig blieb. Eine Computerstimme forderte auf, per Tastendruck den Ort auszuwählen, in dem der Patient den Arzt aufsuchen möchte. Doch kam zunächst nichts. Nicht bei 1 für Alsdorf. Also wählten die Herzogenrather 2 für Würselen, nachdem das Kleingeld - immerhin gut fünf Euro - beinahe aufgezehrt war. Gegen fünf Uhr erreichte das Paar den Zahnmediziner Dr. Gerhard Welter. Zwar lag der bereits im Bett und sah sich selbst nicht als zuständig für diesen Fall an, war aber bereit, in seine Herzogenrather Praxis zu fahren. Dort fand Peter N. Linderung - und einen irritierten Mediziner. „Die Kollegenschaft hatte sich immer darauf verlassen, dass bei Notfällen das Aachener Klinikum bereitsteht”, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung sagt.

„Ein Patient muss darauf vertrauen können, im Notfall rasch einen Ansprechpartner zu finden. Es darf nicht sein, dass es mit solch einem Sprachcomputer nicht rascher eine Auskunft gibt.” Er selbst hat noch in der Nacht die Nummer für Alsdorf gewählt und einen Kollegen in Boscheln ausfindig gemacht, der zwar Notdienst hatte, aber sich schon darüber gewundert hatte, dass keine Patienten bei ihm angerufen hatten.

Bei der Aachener Bezirksstelle der Zahnärztekammer kann man sich den konkreten Fall so nicht erklären. Man habe dort gute Erfahrungen mit dem Sprachdialog per Telefon gemacht, sagt ein Sprecher. „Der ist eigentlich sehr komfortabel, weil er je nach Standort gleich den richtigen Ansprechpartner ausspuckt.” Im Fall von Peter N. war es nicht so. Da war es nur teuer - und sehr umständlich.
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