Nächtliche Fußballaktion für Jugendliche

Von: Daniel Gerhards
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Gemeinsam auf nächtliche Torjagd: Bei der Aktion „Nachtaktiv” hat der Sport einen starken sozialen Aspekt für die Jugendlichen. Foto: D. Gerhards

Herzogenrath. Der Ball rollt wieder übers Parkett. Abends der Filzkugel in der Halle nachzujagen, das sind Herzogenraths Hobby-Fußballer schon gewöhnt. Allerdings blieben die Hallen beim abendlichen Kick „Nachtaktiv” in den Ferien bisher immer geschlossen. Das hat nun ein Ende.

In den Sommerferien gehen viele Jugendliche und Erwachsene in der Sporthalle an der Bardenberger Straße auf Torjagd. Jeden Mittwoch zwischen 21 und 24 Uhr geben die Freizeitsportler ihr Bestes, um das runde Leder ins Netz zu befördern.

Und trotz der lockeren Atmosphäre bei „Nachtaktiv” ist bei den Aktiven eine gehörige Portion Ehrgeiz zu spüren: „Die sind schon motiviert und powern sich richtig aus”, sagt Betreuer Willi Reiß, der selbst auch seine Fußballschuhe geschnürt hat. „Es geht hier zwar locker zu, aber das ist schon Sport, was wir hier machen”, erzählt der Trainer mit DFB-Lizenz.

Trotz allen Einsatzes geht es nicht darum, die Teilnehmer zu sportlichen Höchstleistungen anzustacheln. Soziale Umgangsformen sind bei „Nachaktiv” auf dem Feld obligatorisch. „Wir wollen hier einen Gemeinschaftsinn aufbauen”, sagt Willi Reiß, „einige sind das von ihrer Sozialstruktur nicht gewohnt, die können hier einiges mitnehmen.” Denn: Disziplin muss schon sein - bei allem Spaß.

Die Organisatoren der Aktion, das Herzogenrather Jugendamt, der Stadtsportbund und das Kriminalkommissariat Vorbeugung, bauen darauf, dass viele Jugendliche durch den Fußball von der Straße kommen. Denn wenn es langweilig wird, besteht schneller die Gefahr, dass es zu Vandalismus oder Gewalt kommt. „Wir wollen den Jugendlichen einen Raum bieten um gemeinsam Fußball spielen zu können”, sagt Streetworkerin Katrin Gehlich. „Solange sie hier sind, machen sie keinen Blödsinn.”

Positiver Nebeneffekt: Beim Fußball gibt es Spielregeln. Da muss man sich anpassen. Auch wenn allzu kleinliche Regeln wie Abseits oder Seitenaus in der Halle kurzerhand außer Kraft gesetzt werden.

„Zum Teil spielen hier Jungs die sonst nicht wissen, was sie machen sollen und deshalb in Spielhallen rumhängen”, sagt Katrin Gehlich, für die Streetworkerin ist der wöchentliche Kick so auch eine gute Chance, die Jugendlichen zu treffen. Andere Teilnehmer kommen einfach wegen des Fußballs. Das sorgt für eine gute Mischung.

Willi Reiß betreut die Fußballer von „Nachtaktiv” im fünften Jahr. Dabei hat er bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht. Für ihn ist der soziale Aspekt des Projekts besonders wichtig. „Ich arbeite gern mit Jugendlichen zusammen”, sagt Reiß, „in dem Alter kann man die Leute noch formen”. Das kann allerdings auch schon mal ein paar Nerven kosten: „Das macht Spaß, ist aber auch anstrengend.” Die Lust hat Reiß dennoch noch lange nicht verloren: „Der Reiz ist, dass man den Leuten einiges mit auf den Weg geben kann.”
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