Baesweiler - Nachhaltigkeit hat oberste Priorität

Nachhaltigkeit hat oberste Priorität

Von: Stefan Klassen
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Bald steht hier die Begegnungsstätte: Das „Haus Setterich” wird an Emil-Mayrisch-Straße und Glück-Auf-Straße gebaut. In direkter Nachbarschaft entsteht derzeit bereits ein neuer Kindergarten, dessen Träger die Städteregion ist. Foto: Stefan Klassen

Baesweiler. Der Computer ist installiert, Tische und Stühle sind angeliefert und aufgestellt, die Kaffeemaschine funktioniert auch. Telefonieren, organisieren, koordinieren - Bernhard Döveling, Abteilungsleiter Soziale Dienste beim Deutschen Roten Kreuz, hat arbeitsreiche Wochen hinter sich.

Seit Mitte Februar ist das Stadtteilbüro in der Erbdrostenallee 2 geöffnet, die Weichen für das Großprojekt „Soziale Stadt Setterich-Nord” sind nun gestellt.

Während Döveling organisatorisch die Fäden zieht, ist DRK-Sozialarbeiterin Ute Fischer direkt an der Basis aktiv. „Expertengespräche führen” nennt sie das, konkret hat sie in den vergangenen Wochen erste Kontakte zu „Multiplikatoren” im Projektgebiet Setterich-Nord geknüpft: Vertretern deutscher und ausländischer Vereine und Institutionen, Kirchen, Schulen, Kindergärten, der IGBCE, um nur einige zu nennen.

„Es geht darum, die Leute als Personen sowie die Institutionen kennen- und verstehen zu lernen”, präzisiert Ute Fischer. Danach gelte es, die Sichtweise der Menschen auf ihren Stadtteil zu ergründen und bestehende Potenziale zu ermitteln. Auf Basis dieser derzeit laufenden Bestandsaufnahme will die DRK-Sozialexpertin dann neue Projekte aus der Taufe heben und ein Netzwerk knüpfen.

Letzteres ist noch Zukunftsmusik, erste Projekte sind unterdessen bereits in greifbarer Nähe. Nach den Osterferien beginnt beispielsweise ein Sprachkurs für Frauen mit Migrationshintergrund. Das Angebot, so betont Diplom-Sozialwissenschaftler Bernhard Döveling, muss allerdings wie so vieles passgenau abgestimmt werden - in diesem Fall mit dem Nachbarschaftstreff Setterich, der Sprachkurse seit ehedem offeriert.

„Wir dürfen bestehende Angebote nicht plattmachen, sondern müssen sie einbeziehen”, beschreibt Döveling einen der Kerngedanken der Projektarbeit. „Erfolg kann sich nur einstellen, wenn alle Beteiligten Synergieeffekte sehen.” Das vom DRK getragene Stadtteilbüro, in dem das Projekt „Soziale Stadt” gesteuert wird, müsse „von den Multiplikatoren in Setterich nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung angesehen werden”, konkretisiert Döveling.

Bereichern sollen das soziale Leben in Setterich-Nord auch zwei weitere konkret geplante Projekte, die kurzfristig umgesetzt werden sollen. Noch in diesem Jahr - „Soziale Stadt SetterichÓ ist vorerst auf fünf Jahre angelegt - werden laut Döveling ein „Erzählcaf”, ein „PlanungsbüroÓ, in dem junge Settericher an der städtebaulichen Verschönerung mitplanen und -arbeiten können, sowie ein „Treffpunkt Senioren-Dienste” an den Start gehen. Und auch ein potenzieller Ehrenamtler für Seniorenarbeit hat sich im Stadtteilbüro bereits gemeldet - ein Bürger mit Migrationshintergrund übrigens.

„Brückenbauer” ist unverzichtbar

Überhaupt dreht sich im Arbeitsalltag von Ute Fischer und Bernhard Döveling so vieles um die Aspekte „Ehrenamt” und „Migration”. Weil es von zentraler Bedeutung von Sozialprojekten dieser Art ist, die Bürger mit Migrationshintergrund zu erreichen, ist für das Stadtteilbüro-Team eine sozialpädagogische Teilzeit-Kraft vorgesehen, die ebenfalls einen Migrationshintergrund hat. Projektmanager Döveling hat bereits eine Spezialistin mit türkischem Migrationshintergrund fest im Visier und setzt nun darauf, die neue Kollegin „so schnell wie möglich” einsetzen zu können. „Das ist für die weitere Entwicklung des Projekts unabdingbar”, betont er. Es gehe um eine „Brückenbauerfunktion”, um die ausländischen Bürger erreichen und mit den Inhalten und Zielen vertraut machen zu können. Nur so könnten auch die Frauen einbezogen und generell Migranten für die ehrenamtliche Mitarbeit begeistert werden.

Ohne das Ehrenamt läuft im DRK-Konzept für Setterich-Nord nichts. Als „tragende Säule” bezeichnet Döveling die Freiwilligkeit und Freiwilligen. Eine Nachhaltigkeit als oberstes Ziel des Sozialprojekts sei nur realisierbar, wenn Projekte von innen heraus wachsen, wenn die gemeinschaftliche Vernetzung im Stadtteil langfristig zum Selbstläufer werde.

Ein Anfang ist jedenfalls gemacht. Döveling hat in den ersten Wochen seiner Arbeit in Setterich festgestellt, dass seitens der Migrantenvertreter „ein großes Interesse besteht, eingebunden zu werden”. Allerdings gebe es grundsätzlich „eine große Distanz zwischen Migranten und Einheimischen”.

Eine Gelegenheit zur konkreten Kooperation aller Akteure gibt es am kommenden Freitag, 26. März, wenn bei einem Workshop die Begegnungsstätte „Haus Setterich” inhaltlich und räumlich geplant werden soll (siehe Infobox). Die von der Stadt Baesweiler initiierte Veranstaltung wertet Bernhard Döveling auch deshalb als „einen ganz wichtigen Baustein. Denn die Menschen müssen mitgenommen werden.”
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