Nach Messerattacke: „Mehr Sicherheit“ lautet jetzt der Tenor

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
10617785.jpg
Großeinsatz für die Helfer: Die schrecklichen Bilder werden viele wohl nie vergessen. Foto: vm
10617787.jpg
Christoph Drafehn (24) aus Alsdorf leistete Erste Hilfe. Foto: vm

Alsdorf. Der Schock sitzt nach der Messerattacke an der Alsdorfer Burg vom vergangenen Wochenende tief. Viele äußern ihr Bedauern. Einer der Menschen, der am Geschehen des vergangenen Samstags an der Alsdorfer Burg am nächsten dran war, ist Christoph Drafehn aus Alsdorf.

Der 24-Jährige war privat auf dem Sommerfest der Alsdorfer Stadtgarde, stand mit einer Gruppe von Freunden am Bierstand neben dem Kassenhäuschen. „Das ging auf einmal rasend schnell“, sagt der junge Mann, der bei der Feuerwehr Eschweiler eine Ausbildung macht und bei der Freiwilligen Feuerwehr Alsdorf aktiv ist. Der vermummte Mann, das Reizgas, das Messer.

Er habe gesehen, wie ein Kollege den Täter niederrang. Der Polizist, der selbst schwer verletzt wurde. Bei Feiern wie diesen ist es ein bisschen wie bei Familientreffen, jeder kennt jeden. „Ich habe mich dann mit auf den Mann gestürzt“, erzählt Drafehn. „Als ich hörte, dass jemand rief: ,Hör auf! Der blutet!‘, habe ich ihn losgelassen und gesehen, dass er am Bein verletzt ist.“ Und nicht nur das. Er erkannte den Täter sogar. Der 25-Jährige besuchte die gleiche Schule wie er, war schon damals wegen Drogenkonsums auffällig geworden. Mit diesen Gedanken im Kopf leistete Christoph Drafehn Erste Hilfe am Täter.

Wie man das Erlebte verarbeitet

Fast jede Sekunde hat er am Wochenende an die Geschehnisse denken müssen. „Das hätte ja auch dich treffen können“, habe er überlegt. „Man steht dann schon unter Schock.“ Einen Notfallseelsorger habe er nicht kontaktiert, sich aber mit den Freunden, mit denen er an der Burg feiern war, getroffen, um mit ihnen die Ereignisse zu verarbeiten. Seine Familie und seine Kollegen bei der Feuerwehr hätten ihm dabei auch sehr geholfen. „Jetzt geht es mir wieder ganz gut“, sagt Drafehn.

Alsdorf am zweiten Tag nach dem Vorfall. Viele Menschen haben Entsetzen und Anteilnahme zum Ausdruck gebracht: „Ich bin in Gedanken bei den Verletzten und den Betroffenen“, teilt Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders auf der Homepage der Stadt mit.

„Ich wünsche euch, dass ihr diesen Schock überwinden werdet und alle anderen Vereine sich nicht davon abhalten lassen, die nächsten Feste in der Alsdorfer Burg durchzuführen“ – mit diesen Worten richtete sich Reiner Spiertz, Präsident des Verbands der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise, in einem offenen Brief an die Stadtgarde.

Wie viele andere beschäftigt auch Spiertz nun das Thema Sicherheit: „Natürlich wird in Zukunft ein noch größeres Maß an Vorsichtsmaßnahmen und Wachsamkeit notwendig sein, aber ich bin mir sicher, dass unsere Vereine dies bewältigen können.“

Toni Sistermanns, Vorsitzender der Alsdorfer Stadtgarde, sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er noch nicht wisse, wie der Verein im kommenden Jahr mit Veranstaltungen dieser Art umgehen werde. „Wir werden uns zusammensetzen und über das wann und wie beraten“, sagte er. Aber der allgemeine Tenor laute natürlich: „mehr Sicherheit“.

So sei beispielsweise auf Anregung der Burgwache 1948 Alsdorf ein Treffen mit den Vorsitzenden und Präsidenten anderer Vereine geplant, um ein gemeinsames Sicherheitskonzept auszuarbeiten. Die Burgwache feiert am übernächsten Wochenende selbst ihr Sommerfest im Burggarten.

Jürgens Kochs, Ordnungsamtsleiter der Stadt Alsdorf und selbst Vereinsmitglied, äußerte ebenfalls sein Bedauern über den Vorfall. „Es ist und bleibt zu hoffen, dass es sich um einen Einzelfall handelt.“ Dennoch müsse sich jeder Verein vor einer solchen Veranstaltung überlegen, wie er mit dem Thema Sicherheit umgehe. „Entweder muss man einen externen Sicherheitsdienst anheuern oder eigene Kräfte abstellen, die ein Auge auf alles haben“, sagt Kochs.

Ab 300, 400 Leuten sei dies unerlässlich. Das Ordnungsamt selbst ist – nebenbei bemerkt – nur bei Großveranstaltungen zuständig. Am Samstag waren es 120 bis 150 Menschen unbeschwert feierten. Bis 23 Uhr. „Man muss ehrlich sein, wir haben uns im Vorfeld keine Gedanken gemacht“, so Sistermanns. „Das hat uns aus heiterem Himmel getroffen.“ Seit 35 Jahren organisiere er die Sommerfeste mit, nie habe er Vergleichbares erlebt.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert