Nach Maastricht und Köln: „Art Fair“ in Alsdorf

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Schön vor Hässlichkeit, sagt Initiator Jürgen Kutsch selbst: In seiner Alsdorfer Lagerhalle und drumherum werden am kommenden Wochenende rund 50 Künstler zu Gast sein. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Zum ersten Mal lädt die Stiftung Jürgen Kutsch in Zusammenarbeit mit Karl von Monschau zu einem Kunst-Wochenende unter dem Titel „Alsdorf/Art/Trans/Fair“ mit rund 50 Künstlern aus der Region, aber auch aus Düsseldorf, Berlin und München ein.

Veranstaltungsort ist das Gelände des Lkw-Händlers, der Kutsch Fahrzeughandels GmbH an der Carl-Zeiss-Straße 26 in Alsdorf. Mit Stiftungsgründer Jürgen Kutsch sprach Verena Müller über die Initialzündung, über Kunst, Kommerz und die Menschen in der Kulturszene:

Wie kamen Sie auf die Idee, auf Ihrem Gelände ein Kunstwochenende zu veranstalten?

Kutsch: Ich hab‘ mir überlegt: Du hast eine Lagerhalle, die ist vor Hässlichkeit schön. Könnte man da nicht mal was mit Kunst machen? Dann hab‘ ich Karl von Monschau gefragt, und der kuratiert das jetzt.

Nehmen Sie es mir nicht übel, aber in einem Lkw-Händler vermutet man nicht unbedingt einen Schöngeist. Welchen Bezug haben Sie zu Kunst?

Kutsch: (stirnrunzelnd) Ich bewege mich regelmäßig in der Aachener Kunstszene. Man lernt da viele interessante Menschen kennen, die hinter der Kunst stecken. Die haben einen ganz anderen Blick auf die Dinge als ich, der ja aus der kommerziellen, unternehmerischen Ecke kommt. So habe ich meinen Freundes- und Bekanntenkreis auch phänomenal erweitert. Karl von Monschau kenne ich eigentlich schon seit 30 Jahren, zwischenzeitlich war der Kontakt nur mal abgerissen.

Sie stammen aus Aachen und wohnen nach wie vor dort?

Kutsch: Ja.

Seit wann sind Sie mit Ihrer Firma in Alsdorf?

Kutsch: Seit Anfang der 90er. Nachdem ich in Aachen Abitur gemacht und in der Firma meines Vaters in Würselen, auch ein Lkw-Handel, gearbeitet habe, habe ich mich hier in Alsdorf selbstständig gemacht.

Das ist ein sehr gradliniger Werdegang. Haben Sie sich selbst mal künstlerisch betätigt?

Kutsch: Nein. Überhaupt nicht. Ich kenne auch viel zu wenig. Aber ich lasse mich gerne in die Kunst einführen, und vielleicht finde ich die dann am Ende immer noch nicht schön, aber ich verstehe sie besser.

Sammeln Sie Kunst?

Kutsch: Nein. Ich hab‘ hier und da mal was gekauft, aber ich bin kein Mäzen oder so. Da steckt ja System hinter. Bei mir würde das aussehen wie ein Kessel Buntes.

Ihre Stiftung ist auch keine Kulturstiftung im herkömmlichen Sinne, oder?

Kutsch: Ein Projekt der Stiftung ist „Obst und Gemüse für die Kleinsten“. Hier in Alsdorf erhalten 18 Kitas ökologisch Angebautes. Der Lions-Club unterstützt das. Und der Bürgermeister, der ja Mitglied des Lions-Clubs ist, hat dankenswerter Weise auch die Schirmherrschaft über das Kunstwochenende übernommen.

Gab es so etwas wie einen Vorläufer zu dem Wochenende?

Kutsch: Im Aachener Ost-Viertel veranstalte ich mit der Stiftung regelmäßig Gesprächsrunden und in der Nadelfabrik haben wir auch einmal ausgestellt, ja.

Wie kam es, dass Sie die Stiftung gegründet haben?

Kutsch: Ach, das habe ich doch schon so oft erzählt und das stand schon so oft im Aachener Lokalteil.

Ok, aber nicht in unserem.

Kutsch: Gut, also ich habe die Stiftung 2005 gegründet, aus zwei Gründen: aus einem spirituellen Impuls heraus und aus unternehmerischer Verantwortung.

Aus einem spirituellen Impuls heraus?

Kutsch: Ja, und dann bin ich mit knapp 50 wieder in die katholische Kirche eingetreten.

Entschuldigen Sie, wenn ich noch mal nachhake, aber was war das denn für ein spiritueller Impuls, hatten Sie eine Erscheinung?

Kutsch: So in der Art. Ich war mit 40 aus der Kirche ausgetreten, weil ich nur noch eine Karteileiche war. Dann war ich bei mir um die Ecke in Kornelimünster spazieren und auf einmal war es, als hätte mich jemand von oben angetippt. In der Folgezeit habe ich die Bibel hervorgekramt, bin durch den Supermarkt des Glaubens getingelt, habe mich kurz mit anderen Religionen und Glaubensbekenntnissen auseinandergesetzt, wollte erst gar keine kirchliche Bindung mehr, habe dann aber gemerkt, dass am Ende des Tages die Rechnung nicht aufgeht. Dann bin ich wieder eingetreten. Aber wollten wir uns eigentlich nicht über die Ausstellung unterhalten?

Klar, aber das hat mich trotzdem interessiert. Also nach welchem Prinzip wurden denn die Künstler für die Schau ausgewählt?

Kutsch: Weiß ich nicht, ich habe Karl von Monschau als Kurator eingesetzt und ihm das voll und ganz überlassen.

Was ist der inhaltliche Schwerpunkt?

Kutsch: Weiß ich auch nicht. Doch. Es geht um den Kontrast aus Kunst und dem spröden Charme der Arbeitswelt. Die Lkw-Laster und die hässliche Halle bilden den Hintergrund für die Kunstwerke.

Wie wird das räumlich gestaltet?

Kutsch: In einem Rundgang: durch die Halle und über das Außengelände. Die Halle hat ein Vordach, wenn es regnet, kann man trockenen Fußes auch den Bereich abgehen.

Wie haben Ihre Mitarbeiter reagiert? Wie viele haben Sie eigentlich?

Kutsch: Drei. Sehr positiv. Eine halbe Woche wird deren Arbeitsalltag außer Kraft gesetzt sein, aber sie haben sehr zustimmend reagiert.

Wie viele Menschen werden wohl die Ausstellung besuchen?

Kutsch: Ich rechne mal mit 300. Auf Facebook habe ich schon viele Rückmeldungen erhalten. Wie viele es am Ende sein werden, sehen wir dann am Wochenende.

Wird es bei Erfolg eine Fortsetzung geben?

Kutsch: Erst mal schauen wir, wie es läuft. Mit gebührendem Abstand überlegen wir dann, ob wir das in einem Jahr oder zwei wiederholen.

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