Nach dem Schulabbruch zum Senkrechtstarter

Von: Helena Mertens
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Noch sind die Rolladen seines Ladens runter, die Ladentheke ist leer, lediglich ein paar Schneidemaschinen zieren die leeren Arbeitsflächen. Stolz wirkt Dominik Derichs bei diesem Anblick trotzdem. Foto: Helena Mertens

Baesweiler. Miserable Noten, keine Lust auf Prüfungen und mangelndes Interesse am Unterricht. Kurz gesagt: Dominik Derichs Alltag war trist, und er hatte die Nase gestrichen voll. Wozu also noch länger die Schulbank drücken, dachte sich der heute 22-Jährige damals. In der neunten Klasse – kurz vorm Abschluss – brach er kurzerhand die Schule einfach ab. Ob er diese Entscheidung heute bereut?

Lächelnd verneint er diese Frage.

Mit nur 22 Jahren hat Dominik Derichs heute das erreicht, womit seine früheren Mitschüler und Lehrer vermutlich nie gerechnet hätten. Im April eröffnet der einstige Schulabbrecher seine eigene Metzgerei in Baesweiler. Während seiner Ausbildung war er Kammerbester, dann belegte er den ersten Platz beim NRW-Landeswettbewerb der Fleischerjugend und schließlich den vierten Platz auf Bundesebene. Ende April, nach der Buchführungsprüfung, hat der gelernte Fleischer dann auch seinen Meister in der Tasche.

„Es fiel mir irgendwie alles in die Hände, innerhalb von zwei Monaten nach meinem Schulabbruch habe ich die Ausbildung zum Fleischer begonnen“, erklärt der 22-jährige Baesweiler heute. Er berichtet stolz: „Die Ausbildung fiel mir sehr leicht. Ich hatte auf einmal keine Probleme mehr mit der Schule.“ Schon als kleines Kind stand Dominik hinter der Verkaufstheke und schaute den Fleischereifachverkäuferinnen neugierig auf die Finger. Das Interesse an diesem Beruf hat ihm wohl seine Mutter, eine gelernte Fleischereifachverkäuferin, in die Wiege gelegt.

Mit 19 Jahren übernahm der Baesweiler in der Metzgerei seines Bruders in Würselen zunächst die Führungsposition im Verkauf. Doch für Dominik gab es noch viel Luft nach oben und die Vorstellung, einen eigenen Laden zu haben, stand schon seit Beginn seiner Ausbildung auf Dominiks Wunschliste. Zusammen mit seinem sechsköpfigen Team, bestehend aus Teil- und Vollzeitkräften, kann der 22-Jährige bald seine Träume verwirklichen.

„Angst, dass ich in Baesweiler keinen Fuß fassen werde, habe ich keine“, erklärt Dominik optimistisch. Stattdessen hat er große Visionen, möchte vor allem älteren Kunden einen Service anbieten und schmiedet Pläne einer eigenen Kochakademie.

Beruflich läuft bei Dominik alles glatt und auch privat könnte es ihm kaum besser gehen. Seit acht Jahren ist er mit seiner Freundin zusammen, hat sich mittlerweile verlobt und im nächsten Jahr soll geheiratet werden. Haus und Familie sind für den Baesweiler aber erst in einigen Jahren ein Thema, wie er nüchtern gesteht: „Kinder sind für mich noch nicht wichtig, meine Freundin und ich reisen gerne und unser Hund, ein Labrador-Mischling ist fast wie unser Kind.“

Und überhaupt scheint Dominik ein sehr bodenständiger Mensch zu sein. Von protzigen Statussymbolen hält er nicht viel. Stattdessen gesteht der Baesweiler: „Ich bin es gewohnt zu arbeiten, bin immer auf Arbeit hinaus und bin ein Mensch, der immer drei Dinge auf einmal machen will.“

Eine Sache gibt es allerdings, bei der Dominik einen Gang zurückschalten muss: Das Angeln. Seit zwei Jahren ist es nicht nur sein Hobby sondern eine Leidenschaft, der er versucht drei bis vier Mal im Monat nachzugehen.

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