Nach dem Frost: Buckelpisten wieder da

Von: Stefan Schaum
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Aufgeplatzt und ausgespült: Nach dem Frost findet sich im Nordkreis so manches neue, tiefe Schlagloch. Foto: Stefan Schaum
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Hier geht erstmal nichts mehr: Auch an der Otto-Wels-Straße in Alsdorf ist ein Teil des Gehwegs abgesperrt. Dort hatte Eis die Platten angehoben.

Nordkreis. Die Zeit drängt. Schließlich soll die zähe Masse ins Loch, so lange sie noch dampft. Mit dem „Heißmaterial“ auf ihrem Pritschenwagen dürfen Stefan Ziegler und Marc Vander-Vreken nicht trödeln. Routiniert geht es zu, als die beiden Mitarbeiter des Alsdorfer Bauhofs neben dem Schlagloch an der Hoengener Kirchstraße stoppen.

Ziegler greift sich einen Besen und fegt ein paar Steine aus dem Loch, gleich darauf klatscht Vander-Vreken den Guss-Asphalt mit der Schaufel rein. Drei, vier Portionen, dann mit der Rüttelplatte drüber. Fertig. Hat keine drei Minuten gedauert. Die beiden springen in den Wagen und fahren weiter. Aber bloß ein paar Meter, denn das nächste Schlagloch wartet schon. Flickschusterei im Akkord – mehr geht derzeit nicht.

Blöd gelaufen

Der Winter ist bislang ziemlich blöd gelaufen für die Bauhöfe. Richtig viel Regen im Dezember, dann der lange Frost. Die Folge: Ordentlich Eis, das für aufgeplatzte Straßendecken und angehobene Gehwegplatten gesorgt hat. „Das ganze Ausmaß kennen wir noch gar nicht. Sieht aber übel aus“, sagt Straßenmeister Detlef Meinert in Alsdorf. Drei Wochen Bereitschaftsdienst hat er schon hinter sich, mit vielen Einsätzen in Sachen Schneeräumung. Und jetzt das: „Ständig tauchen neue Löcher auf!“ Mal ruft ein Bürger an, mal macht der städtische Straßenbegeher sich Notizen. Das landet auf der Prioritätenliste. Es gibt da ein paar Richtwerte. „Wenn eine Gehwegplatte drei Zentimeter höher steht als die daneben, müssen wir sofort handeln.“

Die Folge sieht man derzeit etwa an der Mündung Luisenstraße/Otto-Wels-Straße: Dort ist der Gehweg mit Baken ebenso abgesperrt wie an gut 20 anderen Stellen in der Stadt. Denn bei Gehwegen kann Abwarten sich lohnen. Meinert: „Meistens setzen sich die Platten von ganz allein wieder und halten dann auch.“ Kostet also nichts. Bei Schlaglöchern sieht das anders aus. Jede Schaufel „Heißmaterial“ schlägt zu Buche. An die 160 Euro kostet die Tonne, gerechnet werden pro Zentimeter dicke Schicht auf den Quadratmeter 25 Kilo. Und dabei hält das Ganze nicht lang. Zwei, drei Jahre – spätestens dann haben die Autoreifen das Zeug wieder von der Fahrbahn gerubbelt. „Wir kommen hier vor allem unserer Verkehrssicherungspflicht nach“, sagt Meinert. Dass viele Straßen eher Fälle für eine Komplettsanierung werden, weiß er. Doch das bedeutet: noch viel mehr Geld, das Alsdorf nicht hat.

In Würselen sieht es da nicht anders aus. „Wir haben noch viele Relikte aus der alten Zeit“, sagt Stadtsprecher Bernd Schaffrath. Straßen, die wegen Reparaturen an Leitungen immer wieder aufgerissen werden mussten und wo das Wasser an den Nahtstellen leicht einsickern kann. „Ich befürchte, dass wir einige Schäden mehr haben werden als im vergangenen Winter.“ Noch werden in Würselen die Löcher nicht gestopft, aber die größten und tiefsten werden schnellstmöglich abgesperrt. Die Folge: „So langsam gehen uns die Baken aus.“ In ein paar Tagen, wenn der Frost aus dem Boden raus ist – falls die erwarteten Minusgrade ihn nicht wieder reintreiben – soll dann auch dort das Reparieren beginnen.

„Wir sind noch nicht am Ende“

In Herzogenrath hat Herbert Haamann, Bereichsleiter Hoch- und Tiefbau, an die 40 Schäden auf der Liste. Bislang. „Wir sind noch nicht am Ende.“ Geld ist aber schon weg, knapp 20.000 Euro in den vergangenen Tagen. Wenn es nicht noch schlimmer kommt, rechnet er mit 30.000 weiteren in den kommenden Wochen. In Roda müssen die Bauhofmitarbeiter übrigens nicht selbst raus. „Wir haben eine Fremdfirma, die Bereitschaftsdienst rund um die Uhr sicherstellt“, sagt Haamann. Auch die stellt zunächst mal Baken auf. „Wenn die Schäden anschließend beseitigt werden, legen wir Wert darauf, dass es möglichst lange hält“, betont Haamann.

Dellen im Gehweg

Das sagt auch Peter Strauch, der Technische Beigeordnete in Baesweiler. „Wir haben in den vergangenen Jahren viel in die Straßenunterhaltung investiert.“ Soll heißen: Wo weniger Ritzen, da weniger Schlaglöcher! „Höchstens 15 Stellen in der ganzen Stadt, mehr nicht.“ Was die Gehwege betrifft, findet man allerdings auch in Baesweiler beim Schaufensterbummel die ein oder andere Delle. „Das ist in diesem Jahr heftiger als sonst“, sagt Strauch. Doch erstmal wird auch hier gewartet, ob sich von alleine etwas senkt. Dann kommen die Steine. „Wir brauchen wohl an die 600 Quadratmeter neue Pflastersteine.“ So wird der Frost noch für manche Arbeit sorgen.

<i><b>Abschlussrechnung ist noch lange nicht fertig</b>

Es wird teuer, das steht fest. Doch mit welcher Summe die Frostschäden zu Buche schlagen, werden die Kommunen erst in einigen Monaten wissen.

Womöglich wollen sie es gar nicht so genau wissen. „Wir unterscheiden beim Straßenunterhalt nicht nach der Ursache der Schäden“, sagt Stephan Maaßen, kaufmännischer Leiter des Alsdorfer Eigenbetriebs Technische Dienste. Im Jahresmittel liegt die Stadt bei etwa einer Million Euro. Da fallen ein paar Schlaglöcher nicht mehr so ins Gewicht.

Bei der kurzfristigen Sanierung wird oft zu Kaltasphalt gegriffen, der günstig aber kurzlebig ist. Jedoch kann er auch bei niedrigen Temperaturen verwendet werden.</i>

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