Würselen - MZ-Standort Bardenberg: Aufsichtsrat setzt auf die Stadt Würselen

MZ-Standort Bardenberg: Aufsichtsrat setzt auf die Stadt Würselen

Von: Karl Stüber und Annika Kasties
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Neukonzeption: „Turm“ (l.) und ehemaliges Knappschaftskrankenhaus Bardenberg sollen anders genutzt werden. Foto: Karl Stüber

Würselen. Das Medizinische Zentrum der Städteregion (MZ) setzt bei der Neunutzung des Standortes Bardenberg auf die Stadt Würselen und die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW). Dies hatte der Aufsichtsrat kurz vor Weihnachten beschlossen und der Geschäftsführung aufgegeben, mit der Kommune und der städtischen Gesellschaft das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das könnte sogar dazu führen, dass Würselen bzw. die städtische Gesellschaft das Gelände oder Teile davon kaufen und dort Gebäude errichten, die gegen Miete vom MZ bzw. der Städteregion genutzt werden – und auch von weiteren Betreibern medizinischer oder dazu passender Einrichtungen. Im ursprünglichen Masterplan für das MZ wird auf einen Erlös aus Grundstücksverkäufen in Höhe von drei Millionen Euro gehofft. Ob dieser Erlös wirklich erzielt werden kann, ist völlig offen, zumal vor einer Neunutzung der Abriss von Gebäuden Kosten verursacht.

Weitere Perspektiven

Offenbar haben andere Überlegungen, Investoren zu finden – so sollen Entwickler aus den Niederlanden und den neuen Bundesländern im Gespräch gewesen sein – (noch) nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

Die MZ-Gesellschafter Deutsche Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See (KBS) und Städteregion Aachen ließen bereits wissen, beiden Gesellschaften sei es wichtig, „dass es eine sinnvolle Nachfolgelösung für das ehemalige Knappschaftskrankenhaus in Bardenberg geben wird“.

Hierzu soll am Standort Bardenberg die derzeit noch auf der Marienhöhe angesiedelte geriatrische Rehaklinik nach Umbaumaßnahmen etabliert werden. Weiterhin wird in Bardenberg ein von der Städteregion und dem MZ betriebenes Aus- und Fortbildungszentrum für Gesundheitsberufe neu errichtet. Das Amt 54 der Städteregion, zuständig für Altenarbeit, würde auch hierher passen.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) konkretisierte auf Nachfrage, dass eine gemeinsame Bildungseinrichtung in Bardenberg errichtet werden soll, die insbesondere die Ausbildung der Kranken- und Altenpflege sicherzustellen habe. „Das heißt, dass perspektivisch auch noch weitere Aus- und oder Weiterbildungseinrichtungen folgen könnten.“

Mag sein, dass die nun bestätigte Verlagerung auch der Lungenklinik und der Klinik für Urologie von Bardenberg nach Würselen-Mitte endgültig das Aus für das ehemalige Knappschaftskrankenhaus bedeutet. Aber nachdem bereits in der ersten Variante des Masterplans zur Umstrukturierung des MZ die Verlegung von ersten Kliniken zum Standort Marienhöhe beschlossen und auch realisiert worden war, ist der Aufsichtsrat des MZ mit dieser weiterführenden Entscheidung kurz vor Weihnachten nur den einmal eingeschlagenen Weg folgerichtig weitergegangen. Die klare Aussage des Aufsichtsrates lautet: „Der akutstationäre Betrieb wird am Standort Marienhöhe konzentriert.“

Nun müssen noch die Gesellschaftergremien Städteregionstag Aachen und der Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See (KBS) dem Votum des Aufsichtsrates zur Verlegung der beiden Kliniken folgen. Nach Auskunft des Städteregionsrates Etschenberg wird sich der Städteregionstag voraussichtlich in seiner Sitzung am 6. April damit befassen und auch entscheiden.

Eine Aufgabe des Krankenhausstandortes Bardenberg hatte die KBS vor ein paar Monaten noch sehr kritisch gesehen und sich besorgt über die Frage der Finanzierung der weiteren Schritte gezeigt. Offene Fragen scheinen nun beantwortet und diese Dissonanz zwischen den beiden Gesellschaftern wohl beigelegt zu sein. „Der Mitgesellschafter KBS hat das Jahr 2016 offensichtlich zum Anlass genommen, seine Gesamtposition zu überdenken“, sagte Städteregionsrat Etschenberg.

Den Sinneswandel der Knappschaft-Bahn-See wollte er nicht weiter kommentieren, er sagte nur so viel: „Das ist eine gute Entwicklung.“ Voraussetzung für die weitere Konzentration von Kliniken in Marienhöhe sind der Bau eines neuen OP-Komplexes sowie die Modernisierung von Stations- und Funktionsbereichen, hieß es seitens des Aufsichtsrates. Weitere 20 Millionen Euro sollen investiert werden. Laut Etschenberg soll das Konzept bis 2021 umgesetzt werden.

Würselens Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen sagte gegenüber unserer Zeitung, die Stadt würde die weiteren Planungen für den Standort Bardenberg „gerne begleiten“. Mit Blick auf die nun anstehenden Gespräche über Weitergehendes wollte er sich und der Stadt aber nicht genauer in die Karten schauen lassen. Er sprach jedoch von der großen Chance, dass nun aus einer Hand und einem Guss ein zukunftsfähiges Konzept gerade im Interesse der Bardenberger und der Stadt Würselen entwickelt werden könnte, das die Schließung des Krankenhauses Bardenberg mehr als wettmachen könnte.

Aus anderer Quelle war ergänzend zu erfahren, dass die geriatrische Rehaklinik im Gebäude des ehemaligen Knappschaftskrankenhaus untergebracht werden und so dieses schon historische und durchaus attraktive Gebäude erhalten werden kann. Die Einrichtung soll nicht einfach „nur“ Klinik sein, sondern bei der Unterbringung der Patienten die Qualität eines Hotels annehmen.

Für den „Turm“, das Hochhaus neben dem historischen Gebäude, sind bereits andere Nutzungen im Gespräch: ein Ärztehaus, attraktive barrierefreie Wohnungen oder eine Kombination von beiden Elementen. Die Bausubstanz soll noch gut sein.

Abgerissen werden müssten das ehemalige Schwesternheim und ausgediente Wirtschaftsgebäude. Ob der erst vor ein paar Jahren errichtete OP-Trakt für die Unterbringung des Aus- und Fortbildungszentrums für Gesundheitsberufe umgebaut werden kann, hänge von der Wirtschaftlichkeitsberechnung ab. Möglicherweise würde ein Neubau sich als preiswerter erweisen.

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