MZ: „Die Forderung ist nicht refinanzierbar“

Von: Jutta Geese
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Bald muss gerechnet werden: Am Donnerstag haben die Tarifverhandlungen für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern begonnen. Die letzten haben das MZ rund 670 000 Euro jährlich Mehrausgaben gebracht. Foto: Sevenich

Würselen. Vor fast genau einem Jahr haben die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern in Deutschland eine Gehalterhöhung von 2,9 Prozent erstritten. Für das Medizinische Zentrum (MZ) der Städteregion in Würselen summierte sich das auf Mehrkosten von etwa 580.000 Euro pro Jahr für die rund 200 Ärzte sowie eine Einmalzahlung von rund 90.000 Euro.

 Jetzt steht die nächste Gehaltsrunde an, und sie dürfte für das MZ ähnlich teuer werden: Seit Donnerstag verhandeln die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) über einen neuen Tarifvertrag. Der Marburger Bund fordert für die 50.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern sechs Prozent mehr Gehalt und eine Reduzierung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

„Ich würde ja gerne jedem mehr geben“, sagt MZ-Prokurist Franz Klein. „Es muss aber refinanzierbar sein. Wenn wir aber von den Kassen nur eine Budgeterhöhung von zwei Prozent bekommen, ist das nicht möglich.“ Dieser Wert sei vorgegeben. Das statistische Bundesamt habe Ende September vergangenen Jahres den sogenannten Orientierungswert zur Kostenentwicklung veröffentlicht, und im Krankenhausentgeltgesetz sei verankert, dass dieser Wert maßgebend für das Budget sei. Außer der Gehaltsteigerung, die letztlich zwischen MB und VKA ausgehandelt werde, müsse man auch schauen, was noch vereinbart werde. Genauer rechnen, was an Mehrkosten auf das MZ zukomme, werde er, wenn man da klarer sehe.

Sechs Prozent mehr Gehalt werden am Ende sicherlich nicht herauskommen, sagt Dr. Thomas Fell, Assistentensprecher der Anästhesisten am MZ und Vertreter des Marburger Bundes. Er ist zwar nicht Mitglied der Tarifkommission, nimmt aber regelmäßig in Frankfurt an den VKA-Netzwerktreffen teil. Persönlich störe es ihn immer, dass man mit unrealistisch hohen Forderungen in die Verhandlungen gehe. „Das ist Tarifgeplänkel“, findet er. „Man sollte von Anfang an mit realistischen Zahlen agieren. Alles andere führt nur zu langwierigen Verhandlungen. Das nützt keinem.“ Beim Gehalt sollten der Inflationsausgleich und ein kleines Plus drin sein. „Bei vier Prozent in der Gesamtsumme wird man sich treffen“, schätzt er.

Wichtig ist Fell auch die Forderung nach Reduzierung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit für Ärzte. „Theoretisch liegt die ja bei 48 Stunden, sie kann aber im medizinischen Bereich auf bis zu 60 Stunden hochgehen“, erläutert er. Tatsächlich aber arbeiteten Klinikärzte in Deutschland deutlich länger: Eine Befragung unter MB-Mitgliedern habe ergeben, dass fast ein Drittel der Mediziner zwischen 60 und 79 Stunden pro Woche im Dienst seien.

Und 55 Prozent haben fünf bis neun Dienste pro Monat, die länger als zwölf Stunden dauern, oft sogar 24 Stunden. „Die Arbeitsbelastung nimmt zu, das ist einfach so“, sagt Fell. Wobei er betont, dass die Ärzteschaft am MZ „eigentlich ganz gute Arbeitsbedingungen hat, vor allem in den Kliniken, in denen alle Arztstellen auch besetzt sind“. Das könne natürlich von Abteilung zu Abteilung variieren. „Richtig gestöhnt wird bei uns im MZ eigentlich nicht“, sagt Fell. In anderen Krankenhäusern sehe das jedoch anders aus.

„Streik ist mehr als überflüssig“

Dass die Finanzierung der Tariferhöhung – wie auch immer sie am Ende ausfällt – ein Problem für die kommunalen Krankenhäuser sei, sei klar, sagt Fell. Zumal er davon ausgeht, dass die Gewerkschaft Verdi in den nächsten Monaten Lohnerhöhungen für Krankenschwestern und Pfleger erstreiten wird, „aber da halten wir uns raus“. Die Krankenhäuser bundesweit müssten sehen, dass sie mit den Krankenkassen über die Finanzierung neu verhandeln.

Bei der ersten Verhandlungsrunde in Düsseldorf gab es naturgemäß noch keine Annäherung bei den Positionen von MB und VKA. Am 22. Januar will man sich wieder treffen. Und Fell hofft, dass man sich zügig einigt. „Sowohl MB als auch VKA sollten mit Intelligenz am Verhandlungstisch sitzen und nicht mit lauten Trommeln“, sagt er. Von einem Streik zur Durchsetzung der MB-Forderungen hält er übrigens nicht viel: „Das ist mehr als überflüssig.“

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