Musikalischer Hochgenuss in der Marienkirche

Von: ehg
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Publikum und Musiker nahe beieinander: Unter der Leitung von Julia Prinsen-Feneberg gab der Kammermusikkreis der Stadt Würselen ein Konzert in der Pfarrkirche St. Marien Würselen-Scherberg . Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Köstliche Musik aus drei Jahrhunderten „servierte” der 20-köpfige Kammermusikkreis Würselen unter der souveränen Leitung der in Florida geborenen Julia Prinsen-Feneberg, die seit 1982 Mitglied des Sinfonieorchesters Aachen ist, in der Marienkirche in Scherberg.

Dort begrüßte Hans-Peter Pütz vom Veranstaltungsteam der Kirchengemeinde zu einem außergewöhnlichen Konzert eine unerwartet große Zahl von Freunden klassischer Musik. Beim Kammermusikkreis bedankte er sich dafür, „dass Sie unserem kulturellen Bemühen Rückhalt verleihen”.

Besonderheiten der Entstehungsgeschichte der vier dargebotenen kammermusikalischen Werke brachte Lorenz van Treeck vorab zur Sprache. In dem Bewusstsein, dass die göttliche Tonkunst viel mehr auszusagen vermag als viele Worte. Erst recht dokumentierte das die Solistin, die junge japanische Klarinettistin Kumi Litsuka, die derzeit an der Musikhochschule in Köln, Abteilung Aachen, auf Konzertexamen studiert.

Heute schon eine Meisterin ihres Genres mit - ohne Zweifel - großen Zukunftsperspektiven. Spielfreudig brachte das Kammerorchester die von Georg Philipp Telemann 1720 komponierte Suite „La Bourse” zu Gehör. In ihr erzählt der Barockkomponist, der äußerst geschickt in Geldangelegenheiten operierte, den Börsencrash in Frankfurt. Ihn erlebte der zu den bestverdienenden Frankfurter Bürgern zählende Komponist hautnah mit, da er in der Börse wohnt.

Was Telemann darstellen wollte, sagen die Satzbezeichnungen: die unterbrochene Ruhe, Krieg im Frieden, die besiegten Sieger, die gemeinsame Einsamkeit und die Mississippi-Hoffnung. Neben den Streichern treten die beiden Oboen und das Fagott, aber auch das Cembalo bei der Wiedergabe der trotz des tragischen Ereignisses meist positiven Stimmungen blendend in Erscheinung.

Reichlich Beifall

Van Treecks Vorab-Kommentar: „Man kann sich nur wünschen, das Börsenturbulenz so harmonisch ablaufen, wie Telemann in seiner Suite darstellt.” Die Konzertbesucher pflichteten ihm gerne bei und honorierten die Leistungen der Musiker mit reichlich Beifall.

Ein weiterer musikalischer Hochgenuss kündigte sich an, das Quintett für Klarinette und Streicher von Carl Maria von Weber, der als Opernkomponist (Freischütz und Oberon) in erster Linie bekannt ist. Inspiriert wurde der Romantiker zu diesem außergewöhnlichen Werk, bei dem Mozart Pate stand, auf einer Wanderung in der Schweiz im März 1812.

Wie im ersten Satz - Anklänge an den „Freischütz” sind nicht zu überhören - spielerische Leichtigkeit und emotionale Dramatik abwechseln, brachte die junge Solistin brillant auf den Punkt.

Atemberaubend waren ihre Läufe beim quirligen Menuett und im Finalsatz. Webers geheimsten Sehnsüchte und seelischen Nöte brachten sie meisterlich im Fantasie-Satz auf den Punkt. Die Konzertbesucher genossen eine Musik von vollendeter Schönheit, die von Kumi Litsuka großartig vermittelt wurde.

Noch einmal stellte die charmante Solistin ihre technische Versiertheit und ihre großes musikalisches Talent unter Beweis, als sie das Adagio für Klarinette und Streicher von Heinrich Joseph Bärmann intonierte. Er war der Klarinettist seiner Zeit.

Kumi Litsuka eröffnete den Besuchern die spieltechnischen Möglichkeiten dieses Instrumentes, dessen Geschichte noch relativ jung ist. Sie zeichnete dessen Klangfarben nach und demonstrierte dessen extremen Tonumfang.

Instrument zum Singen gebracht

Wie vom Komponisten gefordert, ließ sie - so van Treeck - den Ton quasi aus dem Nichts entstehen. Die Japanerin brachte das Instrument nicht nur zum Klingen, sondern auch zum Singen. Die Konzertbesucher waren so begeistert, dass sie eine Zugabe forderten, die sie gerne gewährte. Schließlich machten sie noch mit einem eher folkloristischen Werk Bekanntschaft.

Das harmonische Orchester spielte die „St. Paul´s Suite” von Gustav Holst, einem eher weniger bekannten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. Beginnt das Stück doch mit einer Jig, einem auf den britischen Inseln beliebten Volkstanz. Eine aus dem 16. Jahrhundert bekannte Volkmusik-Melodie verwebt der Komponist im letzten Satz geschickt mit dem Song „Green Sleeves”.

Eine besondere Herausforderung an die Musiker stellten die Rhythmen dar. Unter der behutsamen Stabführung von Julia Prinsen-Feneberg wurde sie zu deren Zufriedenheit angenommen und auch gemeistert.Ê
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